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München
München (Bairisch: Minga) ist die Landeshauptstadt und mit rund 1,3 Millionen Einwohnern gleichzeitig größte Stadt des Freistaates Bayern, die drittgrößte Stadt Deutschlands sowie die zwölftgrößte der Europäischen Union. Die Stadt ist eines der wichtigsten Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturzentren der Bundesrepublik und eine der prosperierendsten Städte Europas. München ist Zentrum der Metropolregion München sowie Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Oberbayern.

Geographie

München bildet eines der 23 Oberzentren des Freistaates Bayern. Mit 4.313 Einwohnern je km² hat München die höchste Bevölkerungsdichte aller deutschen Großstädte. Höchster Punkt der Stadt ist der Warnberg im Stadtbezirk 19 mit 579 m über NN, der tiefste Punkt liegt mit 482 m über NN im nördlichen Schwarzhölzl im Stadtteil Feldmoching. Die Isar durchfließt das Stadtgebiet auf einer Länge von 13,7 km von Südwest nach Nordost. Bekannte Flussinseln sind...
München (Bairisch: Minga) ist die Landeshauptstadt und mit rund 1,3 Millionen Einwohnern gleichzeitig größte Stadt des Freistaates Bayern, die drittgrößte Stadt Deutschlands sowie die zwölftgrößte der Europäischen Union. Die Stadt ist eines der wichtigsten Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturzentren der Bundesrepublik und eine der prosperierendsten Städte Europas. München ist Zentrum der Metropolregion München sowie Verwaltungssitz des Regierungsbezirks Oberbayern.

Geographie

München bildet eines der 23 Oberzentren des Freistaates Bayern. Mit 4.313 Einwohnern je km² hat München die höchste Bevölkerungsdichte aller deutschen Großstädte. Höchster Punkt der Stadt ist der Warnberg im Stadtbezirk 19 mit 579 m über NN, der tiefste Punkt liegt mit 482 m über NN im nördlichen Schwarzhölzl im Stadtteil Feldmoching. Die Isar durchfließt das Stadtgebiet auf einer Länge von 13,7 km von Südwest nach Nordost. Bekannte Flussinseln sind die Museumsinsel mit dem Deutschen Museum und die in unmittelbarer Nähe gelegene Praterinsel. Im weiteren Umland liegen zahlreiche große Seen, wie z. B. der Ammersee, Wörthsee oder der Starnberger See. Weitere Fließgewässer sind die Würm, die aus dem Starnberger See kommend den Westen Münchens durchfließt, der Hachinger Bach, der im Südosten bei Perlach in das Stadtgebiet eintritt und nördlich von Neuperlach versickert, sowie etliche von der Isar abzweigende Münchner Stadtbäche wie der Eisbach, der Auer Mühlbach, der unmittelbar nach seiner Ableitung aus dem Isarkanal als erstes den Münchner Tierpark Hellabrunn durchfließt, und der Brunnbach. Die Stadtbäche wurden größtenteils entlang der Isar angelegt; einige durchfließen auch die Innenstadt, wobei die Bäche im Zentrum heute größtenteils unterirdisch durch Röhren geführt werden oder seit dem Bau von S- und U-Bahnlinien teilweise trockengelegt wurden. Seen im Münchner Stadtgebiet sind der Kleinhesseloher See im Englischen Garten, der See im Olympiagelände sowie die Dreiseenplatte (bestehend aus Lerchenauer, Fasanerie- und Feldmochinger See), allesamt im Norden von München. Im Süden in der Nähe des linken Isarufers liegt der Hinterbrühler See.

Geologie

Das Alpenvorland zwischen Kalkalpen und Donau, in dem sich auch München befindet, liegt auf einem tiefen Senkungsbecken, das seit Millionen von Jahren hauptsächlich aus Abtragungen der Alpen aufgefüllt wird. Im Tertiär wurden dort überwiegend Sand- und Geröllmassen durch Flüsse aus den Alpen abgelagert. Während der nachfolgenden Eiszeiten, deren letzte erst vor etwa 10.000 Jahren endete, bildeten sich im Alpenbereich große Gletscher- und Schmelzwasserströme, die im Voralpenland Moränenhügel und Schotterebenen zurückließen. Die 55 km breite Münchner Ebene, welche an den Endmoränen des Isarvorlandgletschers ansetzt, ist eine schiefe Ebene mit einem Höhenunterschied von 300 Metern zwischen Holzkirchen im Süden und Moosburg in Norden, deren Oberflächenformen in erster Linie durch den würmeiszeitlichen Schotter gebildet werden. Allein in München beträgt der Höhenunterschied zwischen dem höchsten Punkt der Stadt (Warnberg im Süden) und dem äußersten Norden des Stadtgebiets gut 100 Meter. Im Süden der Ebene sind die Flüsse, insbesondere die Isar, tief eingeschnitten. Auf diesen Schotterböden findet man wie im Süden von München vermehrt Wälder, wie den Perlacher Forst und den Forstenrieder Park, auch weil der Grundwasserspiegel hier relativ tief liegt. Im Norden der Stadt dagegen, wo sich der Grundwasserspiegel nahe der Oberfläche befindet, liegen große Niedermoore, wie das Dachauer Moos im Nordwesten und das Erdinger Moos im Nordosten.

Ausdehnung

Die Gesamtfläche der Stadt München beträgt 31.041,91 Hektar. München ist damit nach Berlin, Hamburg, Köln, Dresden und Bremen die flächenmäßig sechstgrößte Großstadt Deutschlands. Von den über 310 km² entfallen 44,1 % auf Gebäude und zugehörige Freiflächen, 17,2 % auf Verkehrsflächen, 15,5 % auf Landwirtschaftsflächen, 15,5 % auf Erholungsflächen, 4,1 % auf Waldflächen, 1,3 % auf Wasserflächen und weitere 2,2 % auf Flächen anderer Nutzung. (Stand: 1. Januar 2007) Die Grenze der Stadt umfasst 118,9 km. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt von Nord nach Süd 20,7 km und von Ost nach West 26,9 km. (Stand 31. Dezember 2007)[1]

Bezirke und Nachbargemeinden

Mit der Neugliederung des Stadtgebiets im Jahr 1992 wurde die Zahl der Stadtbezirke in München von 41 auf 25 verringert. Sie heißen (in alphabetischer Reihenfolge):
Im Bereich des Bezirks 22 entsteht derzeit der neue Stadtteil Freiham. Folgende Gemeinden und gemeindefreien Gebiete grenzen an die Stadt München (sie werden nach dem Uhrzeigersinn, beginnend im Norden genannt):

Klima

Die Stadt München liegt im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima. Weitere wesentliche wetterbestimmende Faktoren sind die Alpen als mitteleuropäische und die Donau als regionale Wetterscheide. Aufgrund dieser Konstellation ist das Wetter relativ wechselhaft. Der Föhn bringt das ganze Jahr hindurch aus südlicher Richtung unregelmäßig warme, trockene Luftströmungen nach München. Damit verbunden ist eine sehr gute Fernsicht ? und insbesondere auch der berühmte bayerisch-blaue Himmel ? sodass auch die Bayerischen Alpen sehr deutlich zu sehen sind. Die bisher höchste offiziell vom Deutschen Wetterdienst gemessene Temperatur in der offiziellen DWD-Wetterstation in München-Nymphenburg war 35,8 Grad Celsius. München wurde auch schon durch seine Lage im gewitterintensivsten Bundesland Bayern von heftigen Unwettern betroffen. Am bemerkenswertesten ist hier das Hagelunwetter vom 12. Juli 1984, bei dem Schäden in Höhe von umgerechnet 1,5 Mrd. Euro entstanden. München ist durch die Nähe zu den Alpen auch die schneereichste Großstadt Deutschlands. Eine Auswertung der Wetterstatistiken hat ergeben, dass der südliche Teil der Stadt am sonnigsten ist. Der nördliche hat mehr Nebel. Der westliche ist trockener als der östliche. Dies ist grundsätzlich auch eine Folge der Höhenunterschiede innerhalb der Stadt, die ein entsprechendes Kleinklima generieren, sowie eine Trennung der Stadt in Ost-Westrichtung durch die Isar.

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

? Hauptartikel: Einwohnerentwicklung von München 1852 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Danach stieg die Einwohnerzahl stark an, so dass 1883 in München bereits 250.000 Menschen lebten. Bis 1901 verdoppelte sich diese Zahl dann auf etwa 500.000. Damit war München nach Berlin und Hamburg die drittgrößte Stadt im Deutschen Reich geworden. 1933 stieg die Bevölkerungszahl auf 840.000 und 1957 auf über eine Million. Einen ersten Höhepunkt in der Einwohnerzahl gab es im olympischen Jahr mit 1.338.924 am 31. Dezember 1972. Danach gab es einige Auf und Abs in der Einwohnerentwicklung; jedoch hat sich etwa ab dem Jahr 2000 wieder ein stabiler Aufwärtstrend etabliert. Derzeitige Prognosen gehen von einer Fortführung dieses Trends aus und prophezeien einen Anstieg in den nächsten Jahrzehnten auf 1,4?1,6 Millionen Einwohner. In der Planungsregion München leben ca. 2,6 Millionen, in der Metropolregion München ca. 4,65 Millionen Menschen.

Bevölkerungsstruktur

Die größten Gruppen der melderechtlich in München registrierten Ausländer kamen am 31. Dezember 2006 aus der Türkei (43.026), Kroatien (24.697), Griechenland (22.101), Österreich (21.466), Italien (20.871), Serbien (20.169), Bosnien und Herzegowina (16.485), Polen (14.144), Irak (8.324), Frankreich (7.203), Russland (5.484), Ukraine (5.325) und den USA (5.225).[2]

Dialekt

Der Münchner Dialekt gehört der Mittelbairischen Mundart an und ist durch den starken Zuzug aus anderen Gebieten vom Aussterben bedroht. Wie das bayerische Kultusministerium im Januar 2001 im Landtag mitteilte, ist die Mundart der Landeshauptstadt den Einwohnern unter 20 Jahren bereits fremd.

Religionen

Da Oberbayern wie der ganze südbayerische Raum historisch katholisch geprägt ist, ist die katholische Kirche hier auch stark vertreten. Hier ist auch der Sitz des Erzbistums München und Freising. Im Dezember des Jahres 2006 waren 39,4 % der Einwohner katholisch, 14,3 % evangelisch und etwa 46 % gehörten anderen Konfessionen bzw. Religionen an oder waren konfessionslos.[3] Der zweite Ökumenische Kirchentag wird vom 12. bis 16. Mai 2010 in München stattfinden. München hat auch eine jüdische Gemeinde mit etwa 9.700 Mitgliedern, von denen heute die meisten osteuropäischer Herkunft (Ukraine und Russland) sind, sowie eine kleinere liberal-jüdische Gemeinde. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist in München mit vier Gemeinden in zwei Gemeindehäusern vertreten. 2005 wurde unter dem Schlagwort Sendlinger Moscheenstreit die Kontroverse um ein Neubauprojekt für eine Moschee bundesweit bekannt.

Geschichte

? Hauptartikel: Geschichte Münchens

Die Stadtgründung

Keimzelle Münchens ist das Petersbergl; hier gab es vor der Stadtgründung eine Niederlassung von Mönchen aus dem Kloster Schäftlarn. Da es keine annähernd bestimmbare Zeitangabe der ersten Besiedlung gibt, wurde als Gründungsjahr Münchens das Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung festgesetzt. München wurde 1158 zum ersten Mal als Villa Munichen urkundlich in einem in Augsburg ausgestellten Dokument[4] erwähnt, nachdem der Herzog von Bayern und Sachsen, Heinrich der Löwe, nahe dieser Mönchssiedlung rund um die Peterskirche eine Brücke über die Isar am Platz der heutigen Ludwigsbrücke bei den Isarinseln errichtet hatte. Durch einen Gewaltstreich hatte Heinrich dabei die weiter nördlich gelegene Brücke des Bischofs von Freising bei Oberföhring zerstört, um selbst vom reichen Salzhandel nach Augsburg zu profitieren. Mit der Brücke, und damit dem Salzhandel, erhielt München durch einen Schiedsspruch das Markt-, Münz- und Zollrecht von Kaiser Barbarossa auf einem Augsburger Reichstag zugesprochen. Die Freisinger Bischöfe waren jedoch auch danach proportional an den Erträgen beteiligt und erhoben bis Mitte des 19. Jahrhunderts Gebühren für die Nutzung der Isarbrücke.

München im Mittelalter

Bereits knapp zwanzig Jahre später, im Jahre 1175, wurde München der Stadtstatus gewährt und die erste Befestigungsanlage errichtet. Als Heinrich 1180 vom Kaiser geächtet wurde, fiel Bayern an die Wittelsbacher und München an den Bischof von Freising. 1240 kam auch München in Wittelsbacher Besitz und wurde bereits 1255 nach der ersten Landesteilung herzogliche Residenz. Seit 1314 war Herzog Ludwig IV. deutscher König, seit 1328 auch Kaiser, und München wurde als seine Residenz durch einen neuen zweiten Mauerring erheblich erweitert. Seit dieser Zeit sind die Farben Münchens die Farben des alten Reiches: Schwarz und Gold. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts kam es wiederholt zu Aufständen der Bürgerschaft gegen die Herzöge, die daraufhin ihren Regierungssitz vom Alten Hof in die neue Residenz am Stadtrand verlegten. Wegen der Bedrohung durch die Hussiten wurde 1429 die Stadtbefestigung durch einen äußeren Mauerring verstärkt. 1442 wurden die jüdischen Bürger aus der Stadt vertrieben. Im Jahre 1468 wurde der Grundstein zur neuen Marienkirche ?Frauenkirche? gelegt, deren Bau nur zwanzig Jahre dauerte.

Haupt- und Residenzstadt Bayerns

Nachdem München in der Spätgotik eine neue kulturelle Blütezeit erlebt hatte, wurde die Stadt 1506 mit der Wiedervereinigung des Landes durch Albrecht IV. Hauptstadt von ganz Bayern. Danach ging der Einfluss der Bürgerschaft mehr und mehr zurück, die Wittelsbacher bestimmten fortan die Entwicklung der Stadt. München wurde unter der Herrschaft von Wilhelm IV. und Albrecht V. ein Zentrum der Renaissance, aber auch der Gegenreformation. 1589 wurde das Hofbräuhaus durch Wilhelm V. gegründet. Unter Herzog Maximilian I. von Bayern wurde München 1623 kurfürstliche Residenzstadt, musste aber 1632 die Besatzung schwedischer Truppen erdulden. München musste ein hohes Lösegeld bezahlen und Geiseln stellen, um seiner Zerstörung zu entgehen. Wenig später brach die Pest aus und tötete ein Drittel der Bevölkerung. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs 1648 erholte sich die Stadt aber schnell und öffnete sich unter Kurfürst Ferdinand Maria dem italienischen Barock. 1704 kam München im Spanischen Erbfolgekrieg für mehrere Jahre unter habsburgische Besatzung, da sich Kurfürst Maximilian II. Emanuel mit Frankreich verbündet hatte. Ein Aufstand der Bürger und Bauern wurde in der Sendlinger Mordweihnacht blutig beendet. Nach der Kaiserkrönung von Kurfürst Karl Albrecht besetzten habsburgische Truppen 1742 für zwei Jahre erneut die Stadt. Maximilian III. Joseph gab die Großmachtspolitik seiner Vorgänger auf und widmete sich inneren Reformen, so wurde die Bayerische Akademie der Wissenschaften 1759 in München gegründet. 1789 erfolgte auf Befehl Karl Theodors die Anlage des Englischen Gartens in den Isarauen und wenig später wurde die mittelalterliche Stadtbefestigung geschleift. Obwohl München bereits 1328 kaiserliche Residenzstadt wurde, begann der Aufstieg zur Großstadt erst 450 Jahre später. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wuchs München rapide, was 1806 noch beschleunigt wurde, als München die Hauptstadt des napoleonischen Königreichs Bayern wurde. Hatte München 1700 gerade einmal 24.000 Einwohner, so verdoppelte sich die Bewohnerzahl bald alle 30 Jahre, sodass 1871 170.000 Menschen in München lebten und 1933 840.000. Unter der Regierung von König Ludwig I. von Bayern (1825?1848) wurde München zu einer weithin bekannten Kunststadt. Die Klassizisten Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner gestalteten die Ludwigstraße, den Königsplatz und die Erweiterung der Residenz. Ludwigs Sohn Max II. (1848?1864) förderte insbesondere die Geisteswissenschaften, trat aber ebenfalls als Bauherr hervor, im neuen, an die englische Gotik erinnernden ?Maximilianstil?, entstanden unter anderem die Bauten an der Maximilianstraße, heute eine der exklusivsten und teuersten Einkaufstraßen des Kontinents. Unter seinem Bruder Prinzregent Luitpold (1886?1912) erlebte München dann einen gewaltigen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Es entstanden unter anderem die Prinzregentenstraße und das Prinzregententheater. Schwabing erlebte um die Jahrhundertwende eine Blüte als Künstlerviertel, in dem zahlreiche bedeutende Literaten und Maler der Zeit verkehrten. 1896 wurde die Münchner Kulturzeitschrift Die Jugend erstmals herausgegeben, die namensgebend für den Jugendstil wurde. 1911 wurde die Künstlervereinigung Der Blaue Reiter gegründet. In seiner Erzählung Gladius Dei hat Thomas Mann für diese Epoche das geflügelte Wort ?München leuchtet? geprägt.

Revolution und Nationalsozialismus

1916, während des Ersten Weltkrieges wurde München bei drei französischen Luftangriffen durch Bomben getroffen, die aber keine großen Schäden anrichteten. Die sich verschlechternde Versorgungslage dagegen stellte ein großes Problem für die Bevölkerung dar. Nach dem Ende des Krieges scheiterte 1919, kurz nachdem die Monarchie abgeschafft wurde, in München eine kommunistische Revolution (siehe: Münchner Räterepublik). In den folgenden Jahren wurde München zunehmend eine Brutstätte für nationalsozialistische Aktivitäten. 1923 scheiterte der Marsch Hitlers auf die Feldherrnhalle, und damit auch der Hitlerputsch. München blieb jedoch stets der Sitz der NSDAP und erhielt 1935 von Hitler den unrühmlichen Ehrentitel ?Hauptstadt der Bewegung?. 1933 wurde München, wie viele andere Städte nach der Machtergreifung, offiziell gleichgeschaltet. Die Stadt sollte großflächig umgebaut werden, zuständiger Architekt war Hermann Giesler. 1938 wurde das Münchner Abkommen abgeschlossen, das den Anschluss des Sudetenlands an das Deutsche Reich festlegte. Wie alle großen deutschen Städte wurde München durch alliierte Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg stark getroffen. Bis Kriegsende wurde die historische Altstadt zu 90 % und die Stadt insgesamt zu 50 % zerstört. Schätzungen zufolge fanden etwa 6.000 Menschen den Tod und etwa 15.000 wurden verletzt.

München als moderne Großstadt

Nach dem weitgehend am historischen Stadtbild orientierten Wiederaufbau entwickelte sich München nach dem Zweiten Weltkrieg zum High-Tech-Standort, außerdem siedelten sich zahlreiche Unternehmen der Dienstleistungsbranche an, so zum Beispiel Medien, Versicherungen und Banken. Auch der Tourismus erlebte in der an bedeutenden Museen (z. B. Alte, Neue und Pinakothek der Moderne, Deutsches Museum) und Sehenswürdigkeiten reichen Stadt einen Aufschwung. Im Jahre 1972 war München Gastgeber der XX. Olympischen Sommerspiele, die durch eine Geiselnahme palästinensischer Terroristen überschattet wurden, in deren Verlauf alle Geiseln, mehrere Palästinenser und ein Polizist ums Leben kamen. Für die Spiele wurde der Öffentliche Nahverkehr mit U- und S-Bahnen massiv ausgebaut, die teilweise weit ins Umland hineinreichen. Teile der Innenstadt wurden in dieser Zeit zu einer Fußgängerzone umgestaltet. Der vor den Toren Münchens gelegene neue Flughafen München Franz Josef Strauß wurde 1992 eröffnet, während der bisherige Flughafen München-Riem zeitgleich geschlossen wurde. Auf dessen Gelände entstand später die Messestadt Riem mit dem Riemer Park, der 2005 im Rahmen der BUGA 2005 eröffnet wurde.

Politik

Als Landeshauptstadt ist München der Sitz des Landtages und der bayerischen Staatsregierung. Ferner ist die Stadt München Sitz der Regierung von Oberbayern, des Bezirks Oberbayern und des Landkreises München. Daneben ist München Sitz nationaler und internationaler Staatsorgane, wie beispielsweise des Bundesfinanzhofs und des Europäischen Patentamts. Traditionell dominieren vor allem in der Kommunalpolitik, in geringerem Maß auch in der Bundes- und Landespolitik in München die Mitte-Links-Parteien, was in Bayern eher selten ist. So war das einzige von der SPD gewonnene Direktmandat in Bayern bei den Bundestagswahlen 2002 und 2005 der Wahlkreis München-Nord. Seit 1993 wird München von Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) regiert. Ihm zur Seite stehen die 2. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) sowie der 3. Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne). Seit 1996 wird der Münchner Stadtrat von einer Koalition aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Rosa Liste geführt. Bild:Christian Ude-295.jpg|Christian Ude (Oberbürgermeister) Bild:Hochburgen-Muenchen.gif|Hochburgen der Bundestagswahl 2005 Bild:München - Stadtratswahl 2008 - Sitzverteilung mit Namen der Stadträte.png|Ergebnis der Stadtratswahl 2008

Wappen

? Hauptartikel: Münchner Wappen Das Wappen der Stadt München zeigt in Silber einen Mönch mit goldgeränderter schwarzer Kutte und roten Schuhen, in der Linken ein rotes Eidbuch haltend, die Rechte zum Schwur erhoben. Die Stadtfarben sind schwarz-gelb. Bei dem heutigen Stadtwappen handelt es sich um das so genannte ?kleine Wappen?, das 1957 vom Stadtrat festgelegt wurde. Das so genannte ?große Wappen? zeigt in Silber ein offenes rotes Stadttor zwischen zwei roten Zinnentürmen mit von Schwarz und Gold mehrfach zickzackartig gebänderten Dächern; oben ein wachsender, golden gekrönter und bewehrter goldener Löwe; im Tor der Mönch des kleinen Wappens. Im amtlichen Verkehr wird das große Wappen nicht mehr verwendet. Aus dem Mönch im Wappen entwickelte sich im Laufe der Zeit das Münchner Kindl. Die Münchner Stadtfarben sind seit der Zeit Kaiser Ludwigs des Bayern die Farben des Alten Reichs: Schwarz und Gold.

Städtepartnerschaften

  • Edinburgh (Vereinigtes Königreich), seit 1954
  • Verona (Italien), seit 17. März 1960
  • Bordeaux (Frankreich), seit 30. Mai 1964
  • Sapporo (Japan), seit 28. August 1972
  • Cincinnati (USA), seit 18. September 1989
  • Kiew (Ukraine), seit 6. Oktober 1989
  • Harare (Simbabwe), seit 1996
    (zwischen 1999 und April 2002 wegen der Menschenrechtsverletzungen der simbabwischen Regierungspartei auf offizieller Ebene eingefroren)

Patenschaft

  • Am 17. August 1952 wurde die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Stadt und dem Kreis Aussig an der Elbe übernommen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

? Hauptartikel: Sehenswürdigkeiten in München

Bauwerke

Romanik und Gotik ? Mittelalter

Der Marienplatz gilt als der Mittelpunkt Münchens und liegt, umgeben von dem Neuen und dem Alten Rathaus, mitten im Zentrum der Altstadt. Wenige Schritte davon liegt die Peterskirche, die älteste Kirche der Altstadt, deren erster Bau noch aus der Romanik stammte. Heute steht ein gotischer Neubau, der im Inneren barockisiert wurde. Seit dem Abbruch der St.-Jakobs-Kirche 1955 gibt es in der Innenstadt kein romanisches Bauwerk mehr, mehrere im Kern romanische Kirchen in den einstigen Vororten haben sich jedoch erhalten, so Hl. Kreuz in Fröttmaning mit seinem Fresko. Bemerkenswert ist auch eines der seltenen romanischen Kruzifixe in der Kirche Heilig Kreuz des Stadtteils Forstenried. Aus der Zeit der Gotik dagegen haben sich neben der Peterskirche viele Bauwerke erhalten. Von der einstigen Stadtbefestigung stammen das Isartor, das Sendlinger Tor, das Karlstor und der Löwenturm am Rindermarkt. Die wichtigsten Profanbauten der Gotik sind der Alte Hof, das Alte Rathaus mit seinem Tanzsaal sowie das Zeughaus, das heute ein Teil des Stadtmuseums ist. Das Wahrzeichen der Stadt ist die nahe dem Marienplatz gelegene gotische Frauenkirche mit ihren zwei markanten Türmen. Eine weitere gotische Hallenkirche ist die in der Barockzeit umgestaltete Heiliggeistkirche am Viktualienmarkt. Erhalten haben sich auch die spätgotischen Friedhofskirchen der Frauenkirche und von St. Peter, die Salvatorkirche und die Heiligkreuzkirche. In der einstigen Augustinerkirche befindet sich heute das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum. Auch in den Stadtteilen haben sich mehrere gotische Kirchen erhalten, so die Schlosskapelle von Schloss Blutenburg und die Filialkirche St. Wolfgang in Pipping. Die Burg Grünwald ist die einzige mittelalterliche Burg, die in der näheren Umgebung von München bestehen blieb.

Renaissance und Manierismus

War die Architektur der spätmittelalterlichen Stadt in erster Linie noch durch die bürgerliche Kunst geprägt, so bestimmte mit der Wiedervereinigung Bayerns mehr und mehr der Hof die architektonische Entwicklung der Stadt. Bedeutende Bauwerke der Renaissance sind insbesondere die Michaelskirche, die größte Renaissancekirche nördlich der Alpen, die sich daran anschließende Alte Akademie, der Innenhof der Alten Münze sowie einige Trakte der Residenz. Von der Maxburg, einem Stadtpalast der Renaissance, hat sich nur der Turm erhalten. Das in der Renaissancezeit gegründete Hofbräuhaus befindet sich heute in einem Bau des 19. Jahrhunderts am Platzl.

Barock und Rokoko

Früheste Barockkirche der Stadt ist die heute säkularisierte Karmelitenkirche, noch in der Tradition einheimischer Bauhütten entstanden. Mit dem Bau der Theatinerkirche (St. Kajetan) zog dann der italienische Barock in München ein, der für mehrere Jahrzehnte bestimmend wurde, bis die französisch geschulten Architekten Joseph Effner und François de Cuvilliés Hofbaumeister wurden. Zahlreiche weitere Kirchen aus der Brockzeit sind in der Stadt zu finden, so die Bürgersaalkirche und die Dreifaltigkeitskirche, darüber hinaus mehrere Adelspaläste, insbesondere das Palais Porcia, das Alte und das Neue Preysing Palais sowie das Palais Holnstein, die heutige Residenz des Erzbischofs. Hauptwerke des süddeutschen Barocks sind auch die Schlösser Nymphenburg und Schleißheim. Wesentlich kleiner ist das gleichzeitig entstandene Schloss Fürstenried im Südwesten der Stadt. Nahe dem Sendlinger Tor liegt die Asamkirche, die im Inneren in prunkvollem Spätbarock gestaltet wurde. Mit St. Anna im Lehel entstand die erste Rokokokirche Bayerns. Die bedeutendste Rokokokirche außerhalb der Innenstadt ist St. Michael in Berg am Laim. Prunkstücke des Rokoko sind auch die Amalienburg im Nymphenburger Schlosspark und das Cuvilliés-Theater in der Residenz.

Klassizismus, Historismus und Jugendstil

Mit dem Nationaltheater nahe der Residenz entstand ein Hauptwerk des Klassizismus. Von der Residenz führen auch die vier großen von den Bayerischen Königen angelegten Prachtstraßen in die Stadtteile. Insbesondere König Ludwig I. griff bereits als Kronprinz in die Planungen ein. Durch seine Architekten Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner ließ er zahlreiche klassizistische Prachtbauten errichten. Nach Westen Richtung Nymphenburg führt die von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gezeichnete Brienner Straße, unterbrochen vom sternförmigen Karolinenplatz mit seinem Obelisken und dem Königsplatz mit dem Prachttor der Propyläen und der Glyptothek. Von der lockeren frühklassizistischen Bebauung hat sich unter anderen das Almeida Palais erhalten. Nach Norden Richtung Schwabing entstand die Ludwigstraße zwischen Feldherrnhalle und Siegestor. An ihr liegen die Bayerische Staatsbibliothek, die Ludwigskirche und die Ludwig-Maximilians-Universität. Etwa gleichzeitig entstand an der Theresienwiese die Bavaria vor der Ruhmeshalle. Südlich der Residenz, vor der Oper, beginnt die in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Paradestraße gestaltete Maximilianstraße. Sie führt von der Altstadt nach Osten über die Isar in Richtung des Maximilianeums, dem Sitz des bayerischen Landtages. Hier liegen auch das später im Jugendstil umgestaltete Münchner Schauspielhaus, das Regierungsgebäude von Oberbayern und das Völkerkundemuseum. Heute ist sie eine luxuriöse Einkaufsmeile. Schließlich entstand die vom frühklassizistischen Prinz-Carl-Palais am Hofgarten nach Osten führende Prinzregentenstraße, an der das Nationalmuseum, die Schackgalerie, die Villa Stuck und das Prinzregententheater liegen. An ihrer Isarterrasse befindet sich der Friedensengel. Von den Konstruktionen aus Glas- und Eisenmaterial, die zu ihrer Entstehungszeit Mitte des 19. Jahrhunderts als technische Meisterwerke galten, hat sich die Schrannenhalle am Viktualienmarkt teilweise erhalten, während der Glaspalast 1931 abbrannte. Seit Ende des 19. Jahrhunderts entstanden viele Kirchen und Prachtbauten des Historismus, so das neugotische Neue Rathaus am Marienplatz, St. Paul, der neubarocke Justizpalast am Stachus, das Armeemuseum am Hofgarten (heute befindet sich hier die Bayerische Staatskanzlei) und die im Neurenaissancestil erbaute Akademie der Bildenden Künste in Schwabing. Dort liegen auch noch mehrere Wohnhäuser im Jugendstil. Unweit des Deutschen Museums und des Kulturzentrums Gasteig, befindet sich in der Au mit dem nach vierjähriger Bauzeit 1901 eröffneten und im Jugendstil ausgestatteten Müllerschen Volksbad das älteste öffentliche Hallenbad Münchens. In München finden sich ca. 1.200 Brunnen, davon ca. 700 städtische. Der älteste ist der Fischbrunnen auf dem Marienplatz. Weitere markante Brunnen sind insbesondere der Wittelsbacher Brunnen am Lenbachplatz und der Vater-Rhein-Brunnen auf der Museumsinsel, beides Werke von Adolf von Hildebrand.

Moderne ? Hauptstadt Bayerns

Die Borstei ist eine denkmalgeschützte Wohnsiedlung im Stadtteil Moosach, die zwischen 1924 und 1929 erbaut wurde. Von den Bauten aus der Zeit des Nationalsozialismus haben sich unter anderem das Haus der Kunst und die Parteigebäude am Ostrand des Königsplatzes erhalten. Im Zweiten Weltkrieg wurde der größte Teil der Münchener Gebäude in 66 Luftangriffen stark beschädigt oder gar zerstört. Nur 2,5 % der Gebäude blieben unversehrt und fast die Hälfte der Baumasse wurde vernichtet. Besonders stark betroffen war die Bahnhofsgegend, die Altstadt und Schwabing. Fast alle historischen Gebäude, die heute das Münchener Stadtbild prägen, wurden nach dem Krieg wieder aufgebaut, nach alten Plänen rekonstruiert oder im Stil der Altstadt neu gebaut. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden nur vereinzelt bedeutsame Beispiele moderner Architektur, die teilweise sogar wieder abgerissen wurden wie etwa das spektakuläre Landesversorgungsamt der Brüder Luckhardt im Jahr 1989. Seit den 1990er Jahren erfasste die Stadt jedoch eine zweite Gründerzeit, die zunehmend anspruchsvollere Architektur hervorbrachte. Als gelungenstes sakrales Bauwerk gilt die Herz-Jesu-Kirche. Bedeutsame Beispiele moderner Architektur in München sind vor allem auch die Sportstätten (siehe unten). Die relativ wenigen Hochhäuser, die sich München genehmigt hat, liegen bis auf das Alte Technische Rathaus aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts außerhalb der Innenstadt. Architektonisch am interessantesten sind das BMW-Hochhaus am Olympiapark, neben dem die futuristische BMW Welt im Oktober 2007 eröffnet wurde, sowie das Hypo-Haus im Arabellapark und die im Norden von Schwabing gelegenen Highlight Towers. Das auf unbestimmte Zeit mit 146 m höchste Hochhaus der Stadt ist das Uptown München. Am 9. November 2006 wurde das neue Jüdische Zentrum am St.-Jakobs-Platz in der Innenstadt eröffnet ? ein Ensemble aus neuer Hauptsynagoge Ohel Jakob, dem Gemeindehaus der Israelitischen Kultusgemeinde München und dem städtischen Jüdischen Museum (eröffnet am 22. März 2007). Es ist das größte jüdische Zentrum Europas und beherbergt erstmals alle jüdischen Einrichtungen der Israelitischen Kultusgemeinde an einem Ort ? mitten im Zentrum der Stadt. Entworfen wurde das Ensemble von den Architekten Wandel Hoefer Lorch, die auch schon die Dresdner Synagoge umgebaut haben. Herausstechendstes Merkmal des Ensembles sind die verschieden bearbeiteten Außenwände aus hellem Travertinstein, die besonders an der Hauptsynagoge an die Klagemauer in Jerusalem erinnern sollen.

Sport

Sportvereine (Auswahl)

  • FC Bayern München: Deutscher Fußballrekordmeister und Rekordpokalsieger.
  • TSV 1860 München: Fußball 2. Bundesliga.
  • Der FC Wacker München war der ehemals drittgrößte Münchner Fußballverein und spielt jetzt nur noch in der A-Klasse München
  • TSV München Großhadern: Sportverein, u. a. Fußball. Mehrfacher deutscher Mannschaftsmeister im Judo.
  • FC Alte Haide: Verein in München-Schwabing.
  • Munich Irish Rovers FC ist der größte englischsprechende Verein Süddeutschlands.
  • Der EHC München ist einer der Münchner Eishockeyvereine. Die aus dem Verein ausgelagerte Profimannschaft spielt in der 2. Eishockey-Bundesliga.
  • Munich Thunder ist ein ehemaliger Verein der Football League of Europe, der von den Bavarian Blue Falcons ersetzt werden sollte, was aber nie geschah.
  • München Basket: Der Traditionsverein in Sachen Basketball entstand in den 70ern aus einem Zusammenschluss der Basketballabteilung des TSV 1860 München und dem USC München.
  • Munich Cowboys ist der American-Football-Verein, der in der 1. Bundesliga Süd spielt.
  • Weißblau München: Spielte 1968/69 und 1970/71 in der Tischtennis-Bundesliga.
  • Der SF Harteck ist der größte Breitensportverein im Münchner Norden, er beheimatet Deutschlands erfolgreichste G-Judo-Mannschaft (Judo der geistig Behinderten).

Sportstätten

; Olympiapark mit den olympischen Sportstätten Im Norden der Stadt liegt der für die Olympischen Sommerspiele 1972 errichtete Olympiapark. Das architektonisch sehenswerte Ensemble aus Olympiastadion, Olympia-Schwimmhalle und Olympiahalle ist besonders wegen der gewagten Zeltdachkonstruktion, die sich in die Hügellandschaft des umgebenden Parks hervorragend einpasst, weltberühmt. Hier steht auch der bereits 1968 eröffnete, 291 m hohe Olympiaturm und das bereits 1967 eröffnete Olympia-Eisstadion. ; Allianz-Arena Als weitere bedeutende Sportstätte neben dem Olympiapark wurde im Mai 2005 die am Nordende der Stadt gelegene Allianz Arena eröffnet, in der die Heimspiele der Fußballer des FC Bayern München und des TSV 1860 München stattfinden. Die 69.000 Zuschauer (international 66.000 Sitzplätze) fassende Arena war Austragungsort des Eröffnungsspiels der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sowie weiterer Spiele. ; Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße Die traditionsreichste und älteste größere Sportstätte in München ist jedoch das städtische Stadion an der Grünwalder Straße, welches im Volksmund aber nur ?das Sechzger? genannt wird. Im Jahr 2005 spielte dort noch die Profimannschaft der Löwen; seit dem Umzug in die Allianz Arena wird das Stadion nur für Jugend- und Amateurmannschaften genutzt. ; Städtisches Stadion an der Dantestraße Ein weiteres großes Sportstadion ist das städtische Stadion an der Dantestraße.

Sportveranstaltungen

  • Der Münchner Firmenlauf findet seit 2004 im Olympiapark statt.
  • München-Marathon: Fünftgrößter Marathon Deutschlands, findet im Oktober statt
  • Münchner Universitäts-Ruderregatta: Wettkampf zwischen der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) nach dem Vorbild der Unis von Oxford und Cambridge. Findet auf dem Olympiaregattastrecke in Schleißheim statt.

Parks

Die älteste Gartenanlage ist der Hofgarten aus der Renaissancezeit mit dem Dianatempel. Nordöstlich schließen sich der Finanzgarten und der seit 1789 gestaltete Englische Garten an, der München vom Zentrum bis an die nördliche Stadtgrenze durchzieht, und mit 3,7 km² Fläche sogar den Central Park in New York übertrifft. Im Westen der Altstadt am Stachus befindet sich der Alte Botanische Garten, in dem bis zu seiner Zerstörung durch Feuer der Glaspalast stand. Erhalten hat sich das klassizistische Eingangstor von Herigoyen mit einer von Johann Wolfgang Goethe eigens verfassten Inschrift. Der Schlosspark Nymphenburg entstand im Westen von Schloss Nymphenburg im französischen Stil. Im 19. Jahrhundert wurde er bis auf das ?Grand Parterre? in einen englischen Landschaftspark verwandelt. Nördlich schließt sich der Botanische Garten an. Südöstlich von Nymphenburg liegt der ehemals kurfürstliche Hirschgarten. Gleich drei barocke Schlösser befinden sich an der nördlichen Stadtgrenze im Park von Schloss Schleißheim, neben Herrenhausen ist er der einzige erhaltene große Barockgarten in Deutschland. Bedeutend ist auch der Olympiapark, der neben mehreren Seen auch einen hervorragenden Blick über die Stadt vom Olympiahügel bietet. Daneben existieren zahlreiche weitere Parks und Grünflächen, wie zum Beispiel der Luitpoldpark, der West- und der Ostpark. Die vielen Parks machen München im Sommer zu einer äußerst grünen Stadt und ermöglichen im Winter sogar auf eigens gespurten Loipen das Langlaufen. Eine Grünanlage besonderer Art ist der aufgelassene Alte Südliche Friedhof mit zahlreichen Prominentengräbern. Die Isarauen sind eine lang gezogene, schmale Parklandschaft entlang des Gebirgsflusses, der anlässlich der Bundesgartenschau 2005 teilweise renaturiert wurde. Man kann die Stadt, von Nord nach Süd immer an der Isar, durchgehend im Grünen durchlaufen oder -radeln. Die eigentlichen Isarauen zwischen Deutschem Museum und der Isarinsel Flaucher sind beliebter Ort zum Grillen und Baden (auch FKK). Südlich vom Flaucher liegt der Tierpark Hellabrunn. Für die Bundesgartenschau 2005 wurde im Stadtteil Messestadt Riem mit dem Riemer Park eine weitere, ausgedehnte Parkanlage im Osten Münchens angelegt.

Museen

München ist international bekannt für seine Sammlungen der alten und klassischen Kunst. So gehören zum Beispiel die Alte- und die Neue Pinakothek, sowie die Pinakothek der Moderne und das Lenbachhaus zu den weltweit renommiertesten Galerien. Zusammen mit der Glyptothek, der Staatlichen Antikensammlungen und dem Museum Brandhorst bilden all diese das zum Kunstareal München zusammengefasste Münchner Kunstzentrum. Auch das das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst erhält einen Neubau im Kunstareal. Eine weitere Museumslandschaft neben dem Kunstareal ist das Lehel mit dem Haus der Kunst, dem Nationalmuseum, der Archäologischen Staatssammlung, der Schackgalerie und dem Völkerkundemuseum. Östlich der Isar an der Prinzregentenstraße liegt das einzigartige Jugendstilgebäude Villa Stuck mit einer Gemäldesammlung (Franz Stucks) und hochkarätigen Wechselausstellungen. Das Münchner Stadtmuseum befindet sich im ehemaligen Zeughaus am St.-Jakobs-Platz ? gegenüber vom Jüdischen Museum, das dort mit der neuen Synagoge und dem jüdischen Gemeindezentrum das neue Jüdische Zentrum bildet. Die Staatliche Münzsammlung ist in der Residenz untergebracht. Im Schloss Nymphenburg befinden sich das Marstallmuseum, die Nymphenburger Porzellansammlung aber auch das naturkundliche Museum Mensch und Natur. Darüber hinaus gibt es in der Stadt weitere Museen für die bisher nicht zusammengefassten naturwissenschaftlichen Sammlungen des Staates, so das Paläontologische Museum, das Museum Reich der Kristalle, sowie für die Anthropologische, die Geologische, die Botanische und die Zoologische Staatssammlung. Ein Publikumsmagnet, auch durch die prominente Lage in der Innenstadt, ist das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum. Das Deutsche Museum mit zum Teil einmaligen technischen Exponaten gehört mit über einer Million Besucher pro Jahr zu den meistbesuchten Museen Europas und ist das größte technisch-naturwissenschaftliche Museum der Welt. Zweigstellen sind die Flugwerft Schleißheim und das neu eröffnete Verkehrsmuseum an der Theresienwiese.
  • Siehe auch die alphabetische Liste der Museen in München

Bildende Kunst

In der Spätgotik gab es in München eine erste kulturelle Blüte als unter anderem Erasmus Grasser und Jan Polack in der Stadt arbeiteten. In der Renaissancezeit wurde die Stadt zu einem Zentrum der Bildhauer das von Hubert Gerhard und Hans Krumpper geprägt wurde. Als Maler waren in dieser Zeit Barthel Beham, Hans von Aachen und Peter Candid in München tätig. Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt ein Goldenes Zeitalter der Bildenden Kunst das von Persönlichkeiten wie Cosmas Damian Asam, Egid Quirin Asam, Johann Michael Fischer, François de Cuvilliés, Ignaz Günther, Johann Baptist Zimmermann und Johann Baptist Straub bestimmt wurde. Zu einer neuen Blüte des Erzgusses kam es zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Ludwig von Schwanthaler. In München waren bereits Maler wie Carl Rottmann, Lovis Corinth, Wilhelm von Kaulbach, Carl Spitzweg, Franz von Lenbach, Franz von Stuck und Wilhelm Leibl tätig gewesen, als Der Blaue Reiter 1911 ins Leben gerufen wurde und München zu einen Zentrum moderner Kunst aufstieg. Mitglieder waren Paul Klee, Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter, Franz Marc, August Macke und Alfred Kubin. 1919 wurden die Bavaria-Filmstudios gegründet.

Literatur

Im 19. Jahrhundert lebeten unter anderen Heinrich Heine, Friedrich Hebbel und Hans Christian Andersen für längere Zeit in München. Das literarische Leben der Stadt mit seinem Zentrum in Schwabing nahm in den letzten Jahrzehnten des Königreiche Bayerns einen großen Aufschwung und wurde geprägt von Schriftstellern wie Paul Heyse, Lena Christ, Ludwig Thoma, Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und Frank Wedekind. In der Weimarer Republik waren die bekanntesten Repräsentanten Lion Feuchtwanger, Annette Kolb, Bertolt Brecht und Oskar Maria Graf. Später gelangeten der in München geborenen Schriftsteller Eugen Roth zu literarischen Ruhm, und viele Schriftsteller wie Erich Kästner, Wolfgang Koeppen und Michael Ende lebten und arbeiteten in der Stadt.

Theater

In München wirkten bedeutende Komponisten wie Orlando di Lasso, Carl Maria von Weber, Gustav Mahler, Richard Strauss und Carl Orff. Mit der von Hans Werner Henze gegründeten Biennale kommt modernes Musiktheater zur Aufführung. Im Nationaltheater kamen unter Ludwig II. mehrere Opern Richard Wagners zur Uraufführung; im Cuvilliés-Theater wurde 1781 Wolfgang Amadeus Mozarts Idomeneo uraufgeführt. Neben dem Bayerischen Staatsschauspiel im Residenztheater gehören die städtischen Kammerspiele im Schauspielhaus zu den wichtigsten Bühnen der deutschen Sprache. Seit den Premieren von Gotthold Ephraim Lessing 1775 haben viele bekannten Autoren in München ihre Stücke zur Uraufführung gebracht, darunter Christian Friedrich Hebbel, Henrik Ibsen und Hugo von Hofmannsthal. Unter den Münchner Kabarettisten ragt Karl Valentin hervor. München hat auch heute eine sehr reichhaltige Theater- und Opernkultur. Neben 5 staatlichen und 3 städtischen Theatern gibt es noch über 50 private Bühnen. Die bedeutendsten Spielstätten sind: Das Nationaltheater München, der Hauptspielort für die Bayerische Staatsoper und das Bayerische Staatsballett. Das Residenztheater, der Hauptspielort für das Bayerische Staatsschauspiel. Das Staatstheater am Gärtnerplatz für Oper, Operette und Musical (alle drei in der Innenstadt). Das Prinzregententheater, bespielt durch die Bayerische Theaterakademie August Everding, die staatlichen Theater und durch Konzerte die Münchner Kammerspiele im städtischen Schauspielhaus, ebenfalls ein führendes Ensembles im deutschen Sprachraum das Münchner Volkstheater in der Brienner Straße. Das private Deutsche Theater, das größte Gastspieltheater Deutschlands, das Marionettentheater Kleines Spiel. Die Komödie im Bayerischen Hof, die Lach- und Schießgesellschaft, das Münchner Galerie Theater und das Metropol-Theater. Weitere Bühnen siehe unter Theater in München und unter Kleinkunstbühnen in München.

Orchester und Chöre

Die Münchner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das Bayerische Staatsorchester zählen zu den bedeutendsten deutschen Orchestern und arbeiten regelmäßig mit den prominentesten Dirigenten der Welt zusammen.
  • Bayerisches Staatsorchester
  • Münchner Philharmoniker
  • Philharmonischer Chor München
  • Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
  • Münchner Symphoniker
  • Münchner Rundfunkorchester
  • Chor des Bayerischen Rundfunks
  • orpheus chor münchen
  • Capella Antiqua
  • Tölzer Knabenchor ? hat sein Studio in München/Solln; die Mehrheit der Knaben ist Münchner
  • Münchener Bach-Chor
  • Münchener Kammerorchester
  • Münchner Madrigalchor
  • Münchner Motettenchor
  • Bayerische Kammerphilharmonie
  • Siemens-Orchester München e. V.
  • Sinfonietta München
  • Abaco-Orchester (Orchester der Universität)
  • UniversitätsChor München
  • Symphonieorchester und Chor der Hochschule München
  • Jugend Symphonie Orchester München
  • Vokal Ensemble München
  • Akademisches Symphonieorchester München
  • Chor des Erlebnis Oper e. V.
  • Münchner Jugendorchester
  • Odeon-Jugendsinfonieorchester München

Musiker und Bands

Kulturelle und regelmäßige Veranstaltungen

Überregional bekannte kulturelle Veranstaltungen sind unter anderem die Opernfestspiele und das Filmfest.
  • Tanz der Marktfrauen und Faschingstreiben am Viktualienmarkt
  • Februar/März: Verschiedene Veranstaltungen während der ?Starkbierzeit? (z. B. am Nockherberg)
  • März: St. Patrick?s Day
  • April: Frühlingsfest auf der Theresienwiese
  • April/Mai: Auer Dult (Maidult)
  • Mai: Kultur- und Familienfest zum 1. Mai am Marienplatz
  • Mai: Münchener Biennale, ein alle zwei Jahre stattfindendes Internationales Festival für neues Musiktheater (seit 1988)
  • Mai-August: Münchner Bladenight Europas größte Nachtskate-Veranstaltung
  • Mai/Juni: StuStaCulum Deutschlands größtes von Studenten organisiertes Musik- und Theaterfestival
  • Juni: Streetlife-Festival
  • Juni: Comicfestival München
  • Juni/Juli: Tollwood-Festival
  • Juli: Christopher Street Day, Kocherlball
  • Juli: Japanfest München immer am 3. Sonntag beim Japanischen Teehaus hinterm Haus der Kunst
  • Juli: Auer Dult (Jakobidult)
  • Juli: Bell?Arte Musikalischer Sommer im Brunnenhof der Münchner Residenz
  • August: Sommerfest im Olympiapark
  • August: Sommerfest am Viktualienmarkt
  • August: LILALU Kinderzirkus und Kultur Festival (München Olympiapark)
  • September: Streetlife-Festival
  • Mitte September bis erster Sonntag im Oktober: Oktoberfest auf der Theresienwiese (Wiesn)
  • September/Oktober: Auer Dult (Kirchweihdult)
  • November/Dezember: SPIELART ? Das Theaterfestival in München
  • November/Januar: Winter-Tollwood
  • Dezember: Christkindlmärkte

Kulinarische Spezialitäten

Die Weißwurst wurde 1857 in München erfunden und ist die wohl berühmteste kulinarische Spezialität. Weiter sind z. B. der Leberkäs bzw. die Leberkässemmel, die Brezn, die Ausgezogene (ein rundes Schmalzgebäck) und das Münchner Bier zu nennen.

Tourismus

Die Sehenswürdigkeiten und die Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt aber auch ihre Messen und Kongresse ziehen zahlreiche Touristen und Geschäftsreisende an. Die Zahl der Übernachtungen wuchs 2007 auf 9,5 Millionen (Plus von 7,6 Prozent).[5] Fast jeder zweite Besucher (47,4 Prozent) reist aus dem Ausland an. Die US-Amerikaner waren mit 688.000 Übernachtungen (Plus von 4,9 Prozent) die größte ausländische Reisegruppe, gefolgt von Italienern (knapp 500.000) und Briten (385.000). Eine Besonderheit Münchens in den Sommermonaten sind die vielen arabischen Touristen aus der Golfregion (250.000 Übernachtungen), die in der Innenstadt nicht nur einkaufen, sondern sich häufig während ihres Aufenthalts in Münchner Kliniken medizinisch versorgen lassen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Laut einer Vergleichsstudie (von den Zeitschriften Wirtschaftswoche, der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Kölner IW Consult GmbH) hat München unter den 50 größten deutschen Städten die zweithöchste Wirtschaftskraft.[6] Die neueste Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und des Magazins
Wirtschaftswoche erklärte München prognostiv erneut zur wirtschaftlich erfolgreichsten Stadt Deutschlands. Die Studie bewertet wirtschaftliche und strukturelle Indikatoren wie Produktivität, Bruttoeinkommen, Investitionen, Innovationen, Arbeitslosenquote und Zahl der Hochqualifizierten. Die Stadt mit den besten Wirtschaftsperspektiven in Deutschland ist nach einer Meinungsumfrage des Wirtschaftsmagazins Capital München, gefolgt von Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg. In seiner Ausgabe 2/2005 stellte Capital die Rangliste vor, für die das Bad Homburger Wirtschaftsforschungsinstitut Feri einige Entscheidungsträger in mittelständischen Betrieben befragte, wie sie zwischen 2002 und 2011 Wachstum, Beschäftigung, Bevölkerungszahl und Kaufkraft einschätzen. Unter den Großstädten liegt München 2007 mit einer Kaufkraft von 26.648 Euro je Einwohner mit großem Vorsprung an erster Stelle.

Verkehr

Luftverkehr

Der 1992 eröffnete Flughafen München Franz Josef Strauß im Erdinger Moos (internationaler Flughafen-Code: MUC (IATA-Code) EDDM (ICAO-Code)), 29 km außerhalb Münchens, ist mit 30,8 Mio. Passagieren 2006 der zweitgrößte Flughafen Deutschlands und der siebtgrößte Europas. Seit der Entscheidung der Lufthansa, München als zweites Drehkreuz neben Frankfurt zu etablieren, wird der Flughafen international immer besser angebunden. Wegen des gestiegenen Passagieraufkommens wurde ein neues Terminal gebaut und 2003 eröffnet. Umstritten ist die Entscheidung, bis 2011 eine dritte Start- und Landebahn zu errichten. Eine Anbindung des Flughafens an München durch den Transrapid wurde vom Freistaat Bayern und der Bundesregierung unterstützt, vom Stadtrat aber wegen der hohen Kosten abgelehnt. Das Milliardenprojekt wurde inzwischen aufgegeben.[7] Eine solche Verbindung sollte die Fahrtzeit zum Flughafen auf zehn Minuten verkürzen und eine Anbindung des Flughafens an das Fernbahnnetz der Deutschen Bahn AG sein. Im Münchner Westen gibt es zum einem den ehemaligen Militärflugplatz Fürstenfeldbruck und den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen. Für beide ist derzeit in der Diskussion, sie für den Geschäftsflugverkehr zu öffnen.

Schienenverkehr

Auf der Schiene ist München gut an das internationale Streckennetz angeschlossen. Unter anderem passieren folgende Fernverkehrsverbindungen den Münchner Hauptbahnhof oder beginnen dort:
  • TGV-Linie 'München ? Stuttgart ? Karlsruhe ? Strasbourg ? Paris
  • ICE-Linie 11: Berlin ? Frankfurt am Main ? München ? Innsbruck
  • ICE-Linie 25: Hamburg ? Nürnberg ? München ? Garmisch-Partenkirchen
  • ICE-Linie 28: München ? Augsburg ? Nürnberg ? Berlin
  • ICE-Linie 41: München ? Ingolstadt ? Nürnberg ? Würzburg ? Frankfurt am Main
  • ICE-Linie 42: München ? Stuttgart ? Frankfurt ? Köln ? Dortmund ? Amsterdam
  • ICE-Linie 116: München ? Salzburg ? Linz ? Wien
  • EC-Linie 88: München ? Lindau ? Zürich
  • EC-Linie 89: München' ? Bozen ? Verona
Daneben gibt es mit Bahnhof München-Pasing und München Ost zwei weitere Fernbahnhöfe. Dem Eisenbahngüterverkehr dient der Rangierbahnhof München Nord Rbf.

Straßenverkehr

Das Straßennetz Münchens litt unter Fehlplanungen eines lange Zeit vorherrschenden städtebaulichen Zentrismus. Die Stadt befürchtete wirtschaftliche Verluste, wenn insbesondere der neu aufkommende Urlauberverkehr nach Italien nicht mehr in der Stadt anhielte, sondern sie umführe. Deshalb wurde der bereits in der Vorkriegszeit trassierte Münchener Autobahnring nicht zügig in den 1950ern in Angriff genommen. Zögerlich wurde in den 1960ern als Ersatz der Mittlere Ring gebaut. Der die Stadt umgebende Autobahnring ist bis heute nicht vollständig fertig gestellt. Folgende Autobahnen führen von und nach München:
  • Bundesautobahn 8 Karlsruhe ? Stuttgart ? Ulm ? Augsburg ? München ? Salzburg
  • Bundesautobahn 9 München ? Nürnberg ? Leipzig ? Berlin; über die Bundesautobahn 93 nach Regensburg bzw. Hof/Oberfranken
  • Bundesautobahn 92 München ? Landshut ? Deggendorf
  • Bundesautobahn 94 (im Bau) München ? Passau/Wien
  • Bundesautobahn 95 München ? Garmisch-Partenkirchen
  • Bundesautobahn 96 München ? Memmingen ? Lindau (Bodensee)
  • Bundesautobahn 995 München ? Kreuz München-Süd/A8
Neben der als Vorläufer des heutigen Autobahnrings weitgehend parallel verlaufenden Bundesstraße 471 führen folgende Bundesstraßen durch München:
  • Bundesstraße 2 Grenze/PL ? Berlin ? Leipzig ? Nürnberg ? Augsburg ? München ? Garmisch-Partenkirchen ? Grenze/A
  • Bundesstraße 2 R Mittlerer Ring/München
  • Bundesstraße 11 Grenze/CZ ? Landshut ? München ? Kochel am See ? Grenze/A
  • Bundesstraße 12 Lindau (Bodensee) ? München (als A94/A96) ? Passau ? Grenze/CZ
  • Bundesstraße 13 Würzburg ? Ingolstadt ? München ? Bad Tölz
  • Bundesstraße 304 Dachau ? München ? Freilassing
München hält mehrere Rekorde zum Verkehrsfluss. In den 1960ern wurde der Stachus das verkehrsreichste Straßenkreuz Europas. Die Donnersberger Brücke gilt heute als die meistbefahrene Autobrücke Europas.

ÖPNV

Im Öffentlichen Personennahverkehr bedient die S-Bahn München zehn S-Bahn-Linien. Um den bis an das technisch machbare ausgelasteten S-Bahn-Tunnel durch die Innenstadt zu entlasten, wird derzeit der Bau einer parallel verlaufenden Zweiten Stammstrecke vorbereitet. Die MVG (Münchner Verkehrsgesellschaft, Tochter der Stadtwerke München), betreibt sechs U-Bahnlinien, zehn Straßenbahnlinien und ein Busnetz mit Metrobus- und normalen Stadtbuslinien. Weitere Buslinien werden von Privatunternehmen betrieben. Sie alle fahren zum einheitlichen Tarif innerhalb des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV).
Das U-Bahnnetz Münchens ist mit 100,8 km das drittlängste Deutschlands (unterirdisch mit 80,4 km sogar das zweitlängste) und befördert täglich 1,5 Millionen Menschen.

Ansässige Unternehmen

Wichtige Wirtschaftszweige in München sind Tourismus, Fahrzeug- und Maschinenbau, Elektrotechnik und Softwareindustrie. München ist auch wichtiger Finanzstandort und das Versicherungszentrum Deutschlands. Weiter ist die Stadt ein wichtiger Standort für Biotechnologie, die sich allerdings im schon zur Nachbargemeinde Planegg gehörenden Ortsteil Martinsried konzentriert; auch als Medienstandort ist die Stadt von deutschlandweiter Bedeutung. In München haben weltweit nach New York die meisten Verlage ihren Sitz. Fernseh- und Filmindustrie sind ebenfalls in der Stadt und im unmittelbaren Umland stark vertreten (Fernsehindustrie in Unterföhring und Filmindustrie in Geiselgasteig (zu Grünwald). München ist mit der Messe München ein bedeutender Messestandort. Mit Allianz SE, BMW, Hypo Real Estate, Infineon, Linde AG, MAN, Münchener Rückversicherungs AG, Siemens AG haben acht DAX-Unternehmen in und um München ihren Hauptsitz. Damit belegt die Stadt vor Bonn, Düsseldorf und Frankfurt am Main mit je drei DAX-Unternehmen, den Spitzenplatz in dieser Statistik. Unter den Städten mit Global-500-Unternehmen lag München 2007 weltweit auf Rang 9.[8] In München und im nahen Münchner Umland haben zahlreiche Unternehmen ihren Firmensitz. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg haben viele Firmen ihre Zentrale aus Berlin oder Ostdeutschland nach München verlegt.

Medien

München ist Sitz des Bayerischen Rundfunks und der Programmdirektion des ARD-Gemeinschaftsprogramms Das Erste. Ferner gibt es in München zahlreiche private Fernseh- und Hörfunkanbieter. München ist mit etwa 250 ansässigen Verlagen ein wichtiger Standort der Printmedien (beispielsweise Burda Verlag, Süddeutscher Verlag, IDG). Zusammen mit New York hat die Landeshauptstadt den Ruf als führende Buchverlagsstadt der Welt. (Deutscher Taschenbuch Verlag, Langenscheidt Verlag, Bonnier, C. H. Beck Verlag, Carl Hanser Verlag, Droemer Knaur, Elsevier, Gräfe und Unzer Verlag, Oldenbourg Verlag, Piper Verlag, Prestel Verlag, Random House Verlagsgruppe) Neben der auch bundesweit bedeutsamen
Süddeutschen Zeitung (SZ), sind noch der Münchner Merkur, die Abendzeitung (AZ) und die Tageszeitung (TZ) als Tageszeitungen zu nennen. Zur Geschichte des Buchhandels in München siehe Artikel Buchhandel, München 1500-1850. Die Deutsche Journalistenschule bildet in München Journalisten für alle Medien aus.

Verschuldung

In den letzten Jahren ist die Verschuldung der Stadt München teilweise sprunghaft angestiegen, sodass die Stadt 2005 den ehemaligen Spitzenreiter Frankfurt am Main in der höchsten Pro-Kopf Verschuldung einer deutschen Großstadt (ohne Stadtstaaten) überholte.[9] Zum Stand Ende 2005 belegt die Stadt München nun mit 2651 ?/Kopf den ersten Platz, vor Köln (2571 ?) und Frankfurt am Main (2138 ?). Den Schulden steht allerdings ein großes Aktivvermögen in Form von städtischen Beteiligungen wie an Wohnungen oder den Stadtwerken gegenüber.
  • * geplant

Öffentliche Einrichtungen

In München haben verschiedene Ämter, Gerichte sowie Körperschaften und öffentlich-rechtliche Anstalten ihren Sitz. Die Verwaltung der Landeshauptstadt München ist in elf Fachreferate aufgeteilt; siehe Stadtverwaltung München.

Gerichte und Staatsanwaltschaften

  • Amtsgericht München
  • Bayerischer Verfassungsgerichtshof
  • Bayerischer Verwaltungsgerichtshof
  • Bayerisches Oberstes Landesgericht (wurde zum 30. Juni 2006 aufgelöst)
  • Bundesfinanzhof
  • Bundespatentgericht
  • Landgericht München I
  • Landgericht München II
  • Oberlandesgericht München
  • Staatsanwaltschaften München I und II
  • Verwaltungsgericht München

Justizvollzugsanstalten

  • Justizvollzugsanstalt Neudeck (weibliche Personen und Minderjährige)
  • Justizvollzugsanstalt Stadelheim, größte in Bayern

Bildung und Forschung

Hochschulen und Forschungseinrichtungen

  • Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU); gegründet 1472 in Ingolstadt, 1802 nach Landshut und von dort 1826 nach München verlegt, eine der neun deutschen Eliteuniversitäten.
  • Technische Universität München (TUM); gegründet 1868 als Polytechnische Schule München, 1872 um eine landwirtschaftliche Abteilung erweitert, 1930 wurde die Hochschule für Landwirtschaft und Brauerei Weihenstephan eingegliedert. Seit 1970 trägt sie ihren heutigen Namen. Eine der neun deutschen Eliteuniversitäten.
  • GSF ? Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF); Die GSF erforscht Grundlagen einer zukünftigen Medizin und Versorgung sowie Ökosysteme mit wesentlicher Bedeutung für die Gesundheit. Im Mittelpunkt stehen chronische, degenerative Krankheiten wie Lungenerkrankungen, Allergien, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in erheblichem Maße durch persönliche Risikofaktoren, Lebensstil und Umweltbedingungen beeinflusst werden.
  • Hochschule für Politik München. Die im Jahre 1950 gegründete Hochschule für Politik München (HfP) bietet ein interdisziplinäres Studium der Politikwissenschaft, das in neun Semestern Regelstudienzeit zu dem von der Ludwig-Maximilians-Universität verliehenen akademischen Grad eines Diplomaticus scientiae politicae Universitatis (Dipl. sc. pol. Univ.) führt.
  • Universität der Bundeswehr München; die Universität trägt zwar in ihrem Namen die Stadt München, doch befindet sich ihr Sitz im benachbarten Neubiberg; die Hochschule wurde 1973 gegründet als Ausbildungsstätte für Offiziere und Offiziersanwärter der Bundeswehr. Daher können im Regelfall nur Angehörige der Bundeswehr an dieser Universität studieren.
  • Akademie der Bildenden Künste München; gegründet 1808 als Königliche Akademie der Bildenden Künste, 1946 mit der Kunstgewerbeschule und der Akademie der Angewandten Kunst vereinigt, trägt sie seit 1953 ihren heutigen Namen
  • Hochschule für Musik und Theater München; gegründet 1830 als Singschule, wurde sie 1867 auf Anregung Richard Wagners in die Königlich-bayerische Musikschule überführt, welche 1892 zur Staatlichen Akademie der Tonkunst erhoben wurde. 1924 erhielt sie den Namen Hochschule für Musik München, 1946 wurde sie wiedereröffnet. Seit 1998 trägt sie ihren heutigen Namen.
  • Hochschule für Fernsehen und Film München; gegründet 1966 als staatliche Einrichtung zur Ausbildung von Redakteuren, Regisseuren und Drehbuchautoren
  • Hochschule für Philosophie München; gegründet 1925 in Pullach, erhielt sie im selben Jahr die Anerkennung als Hochschule für Priesterausbildung. 1932 wurde sie zur Philosophischen Fakultät kanonischen Rechts erhoben, 1971 zog sie nach München um. Träger der Hochschule ist der Jesuitenorden.
  • Hochschule für angewandte Wissenschaften ? FH München (HM) / Munich University of Applied Sciences; gegründet 1971 durch Zusammenschluss von sieben Ingenieurschulen und Höheren Fachschulen
  • Fachhochschule für Oekonomie & Management; private, staatlich anerkannte Fachhochschule mit bundesweiten Studienzentren.
  • Katholische Stiftungsfachhochschule München; gegründet 1971 aus vier höheren Fachschulen für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Sie ist eine Fachhochschule in Trägerschaft der katholischen Kirche, welche in Benediktbeuern eine weitere Abteilung hat.
  • Munich Business School ? private, staatlich anerkannte Fachhochschule
  • Ukrainische Freie Universität München (UFU) ist eine private Exil-Universität, deren Sitz nach Aufenthalten in Wien und Prag sich jetzt in München befindet.
  • Euro Business College (EBC) ist eine private, staatlich nicht anerkannte Fachhochschule für den Fachbereich der Betriebswirtschaftslehre.
  • AKAD-Privathochschule ist eine private, staatlich-anerkannte Hochschule

Akademien

  • Bayerische Akademie der Wissenschaften, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, in die Wissenschaftler und Gelehrte berufen werden, die durch ihre Forschungen zu einer wesentlichen Erweiterung des Wissensbestandes ihres Fachs beigetragen haben
  • Bayerische Akademie für Werbung und Marketing (BAW) gegründet 1949 als Ausbildungsinstitut für Berufe in Marketing, Kommunikation, PR und Medien.
  • Bayerische Verwaltungsschule (BVS) mit dem BVS-Bildungszentrum München, Anbieter für Aus- und Fortbildung im staatlichen und kommunalen Bereich in Deutschland.
  • Fachakademie für Augenoptik (Munich College of Optometry), Höhere Staatliche Fachschule für Augenoptik. Angebotene Ausbildung: staatlich geprüfter Augenoptiker und Augenoptikermeister

Institute

  • Max-Planck-Gesellschaft
    • Zentralverwaltung
    • Institut für Ausländisches und internationales Sozialrecht
    • Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht
    • Institut für Physik (Werner-Heisenberg-Institut)
    • Institut für Psychiatrie
  • Fraunhofer-Gesellschaft
    • Zentrale
    • Patentstelle für die Deutsche Forschung (PST)
    • Systeme der Kommunikationstechnik (ESK)
    • Zuverlässigkeit und Mikrointegration ? Institutsteil München (IZM-M)
  • Bundeswehr
    • Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
    • Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr
    • Institut für Radiobiologie der Bundeswehr
  • Institut für Rundfunktechnik (IRT)
  • Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF München)
  • Deutsches Jugendinstitut (DJI)
  • Goethe-Institut
  • Spanisches Kulturinstitut Instituto Cervantes
  • Französisches Kulturinstitut Institut français de Munich
  • Britisches Kulturinstitut British Council
  • Italienisches Kulturinstitut Istituto Italiano di Cultura
  • Sprachen & Dolmetscher Institut München

Weitere Informationsquellen

Siehe auch

Geographie und Geschichte

  • Eingemeindungen in die Stadt München
  • Stadtbezirke Münchens
  • Geschichte der Stadt München

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Sehenswürdigkeiten in München
  • Liste der Grün- und Wasserflächen in München
  • Kirchen in München
  • Schlösser in München
  • Klöster in München
  • Palais in München
  • Museen in München
  • Olympiapark
  • Theater in München
  • Brunnen in München
  • Denkmäler in München
  • Münchner Straßennamen
  • Münchner Straßenschilder

Persönlichkeiten

  • Münchner Bürgermeister seit 1818
  • Liste der Persönlichkeiten der Stadt München (u. a. Söhne und Töchter der Stadt München)
  • Ehrenbürger von München

Literatur

  • Lion Feuchtwanger: Erfolg. Roman über die Situation in München in den Anfangsjahren der Weimarer Republik. (Süddeutsche Zeitung Bibliothek "München erlesen", 2008, Band 2, ISBN 978-3-86615-628-9)
  • Erich Keyser: Bayerisches Städtebuch. Band V 2. Teilband Ober-, Niederbayern, Oberpfalz und Schwaben. In: Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages. Stuttgart 1974.
  • Hubert Ettl und Bernhard Setzwein (Hrsg.): München. Reise-Lesebuch. Text-Bildband, Hardcover, 179 S., mit Texten von Herbert Achternbusch, Carl Amery, Bruno Jonas, Hermann Lenz, Gerhard Polt u. a. und Fotos von Volker Derlath, Heinz Gebhardt, Regina Schmeken u. a. edition lichtung, Viechtach 1999, ISBN 3-929517-28-0.
  • Reinhrad Heydenreuter: Kleine Münchner Stadtgeschichte''. Pustet, Regensburg 2007, ISBN 978-3-7917-2087-6.
  • Joachim Käppner, Wolfgang Görl, Christian Mayer (Hg.): München - Die Geschichte der Stadt. Süddeutsche Zeitung Edition 2008. ISBN 978-3-86615-622-7

Weblinks

  • Offizielle Website der Landeshauptstadt München
  • München Wiki ? Stadtwiki: Weblinks, Veranstaltungen, Trivia, Stadtleben, Gastronomie etc.

Einzelnachweise

  1. ^ Statistisches Taschenbuch München 2008 (PDF)
  2. ^Statistisches Amt München: Die ausländische Bevölkerung nach der Staatsangehörigkeit
  3. ^Statistisches Amt München: Die Bevölkerung in den Stadtbezirken nach ausgewählten Konfessionen am 31. Dezember 2006 (PDF)
  4. ^http://www.stmf.bayern.de/ueber_uns/ausstellung_foyer/muenchner_pfennig/ stmf.bayern.de]
  5. ^München-Tourismus 2007
  6. ^INSM: Frankfurt am Main belegt den 1. Platz bei der Wirtschaftsleistung
  7. ^Transrapid in München wird nicht gebaut
  8. ^Städte mit vier oder mehr Fortune-500-Unternehmen
  9. ^Lokalnachrichten


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Martin Walser - Tod eines Kritikers (1)
WHY NOT! Pages 1 to 18 Rest wird noch gepostet. Wer das PDF File haben will, was leider im Netz zensiert und abgemahnt wird (heise, telepolis nachlesen), schickt ne Mail an EINE der Adressen. PDF kommt dann irgendwann per Mail (363 KB): auto353379@hushmail.com auto352558@ziplip.com walsertek@ziplip.com walsertek@hushmail.com Converting file walser-tek.pdf *Pages 1--148* 1 Martin Walser Tod eines Kritikers Roman Erste Auflage 2002 Ó Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2002 Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Satz: Druck: Printed in Germany 1 2 3 4 5 6 – 07 06 05 04 03 02 1 2 FÜR DIE, DIE MEINE KOLLEGEN...

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Martin Walser - Tod eines Kritikers (1)
WHY NOT! Pages 1 to 18

Rest wird noch gepostet.

Wer das PDF File haben will, was leider im Netz zensiert und abgemahnt
wird (heise, telepolis nachlesen), schickt ne Mail an EINE der
Adressen. PDF kommt dann irgendwann per Mail (363 KB):


auto353379@hushmail.com
auto352558@ziplip.com
walsertek@ziplip.com
walsertek@hushmail.com



Converting file walser-tek.pdf

*Pages 1--148*
1
Martin Walser
Tod eines Kritikers
Roman


Erste Auflage 2002
Ó Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2002
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des
öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und
Fernsehen, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in
irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere
Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert
oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet,
vervielfältigt oder verbreitet werden.
Satz:
Druck:
Printed in Germany


1 2 3 4 5 6 – 07 06 05 04 03 02
1
2
FÜR DIE, DIE MEINE KOLLEGEN SIND
Q U O D E S T
S U P E R I U S
E S T S I C U T
I N F E R I U S
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I. VERSTRICKUNG
Da man von mir, was zu schreiben ich mich jetzt veranlaßt fühle, nicht
erwartet, muß ich wohl mitteilen, warum ich mich einmische in ein
Geschehen, das auch ohne meine Einmischung schon öffentlich genug
geworden zu sein scheint. Mystik, Kabbala, Alchemie, Rosenkreuzertum
–,
das ist, wie Interessierte wissen, mein Themengelände. Tatsächlich
unterbreche ich, um mich in ein täglich mit neuen Wendungen
aufwartendes Geschehen einzumischen, die Arbeit an meinem
Buch Von Seuse zu Nietzsche. Es sind eher die Vorbereitungen zu diesem
Buch, die ich unterbreche, als die Arbeit an ihm. Inhalt: In die
deutsche Sprache kommt der persönliche Ton nicht erst durch Goethe,
von dem Nietzsche gierig profitierte, sondern schon durch Seuse,
Eckhart und Böhme. Weil das bürgerlich Geschriebene unsere
Erlebnis-und Fassungskraft besetzt hat, haben wir, das Publikum,
nicht wahrnehmen können, daß die Mystiker ihre Ichwichtigkeit
schon so deftig erlebt haben wie Goethe und wie nach ihm Nietzsche.
Nur waren sie glücklich und unglücklich nicht mit Mädchen, Männern
und Frauen, sondern mit Gott ...
Ich muß das erwähnen, weil durch mein sonstiges Schreiben gefärbt sein
kann, was ich mitteile über meinen Freund Hans Lach. Beide, Hans
Lach und ich, sind Schreibende.
Ich war in Amsterdam, als es passierte. Bei Joost Ritman war ich,
eingeladen, seine Sammlung anzuschauen. Mir ist kein Privater bekannt,
der so viele Specimena der Mystik, Kabbala, Alchemie und des
Rosenkreuzertums gesammelt hat wie Joost Ritman. Ich wohnte im
Ambassade, wo ich in Amsterdam immer wohne, ich las beim Frühstück den
NRC, den ich dort immer lese, und erfuhr, daß Hans Lach verhaftet
worden ist. Mordverdacht. Obwohl es bei mir, sobald ich im Ausland
bin,
zu den Erholungsqualitäten gehört, nur die jeweils ausländischen
Zeitungen zu lesen, besorgte ich mir sofort die Frankfurter
Allgemeine. Da las ich nun, Hans Lachs neuestes Buch Mädchen ohne
Zehennägel sei von André Ehrl-König in seiner berühmten
und beliebten Fernseh-Show SPRECHSTUNDE unsanft behandelt worden. Der
Autor habe den Kritiker, als der, wie es üblich sei, nach seiner
Fernseh-Show in der Bogenhausener Villa des Ehrl-König-Verlegers
Ludwig Pilgrim erschien, grob angepöbelt. Noch sei ungeklärt, wie es
Hans Lach überhaupt gelungen sei, sich Zutritt zu der Party zu
verschaffen, die Ehrl-Königs Verleger nach jeder SPRECHSTUNDE
in seiner Villa veranstalte. Auf der Gästeliste sei Hans Lach nicht
vorgesehen gewesen, weil es unüblich sei, Autoren, die unmittelbar
davor in Ehrl-Königs SPRECHSTUNDE „dran" waren, nachher zur Party
einzuladen. Hans Lach sei zwar selber Autor des PILGRIM Verlags,
aber an diesem Abend hätte er nach den Regeln des Hauses
nicht dabei sein dürfen. Hans Lach habe offenbar sofort gegen André
Ehrl-König tätlich werden
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wollen. Als ihn zwei Butler hinausbeförderten, habe er ausgerufen: Die
Zeit des Hinnehmens ist vorbei. Herr Ehrl-König möge sich vorsehen.
Ab heute nacht Null Uhr wird zurückgeschlagen.
Diese Ausdrucksweise habe unter den Gästen, die samt und sonders mit
Literatur und Medien und Politik zu tun hätten, mehr als Befremden,
eigentlich schon Bestürzung und Abscheu ausgelöst, schließlich sei
allgemein bekannt, daß André Ehrl-König zu seinen Vorfahren auch
Juden zähle, darunter auch Opfer des Holocaust. Auf dem Kühler von
Ehrl-Königs Jaguar, der am nächsten Morgen immer noch vor der Villa
des Verlegers stand, sei der berühmte gelbe Cashmere-Pullover, den
der Kritiker in seiner Fernsehshow immer um seine Schultern
geschlungen trage, gefunden worden. Von André Ehrl-König fehle jede
Spur. Es sei in dieser Nacht fast ein halber Meter Neuschnee gefallen.
München im Schnee-Chaos. Hans Lach sei schon am Tag danach unter
Verdacht gestellt und, da er kein Alibi nachweisen konnte und nicht
bereit war, auch nur eine einzige Frage zu beantworten, verhaftet
worden. Sein Zustand wird als Schock bezeichnet.
Ich konnte, als ich das las, gar nicht mehr richtig atmen. Aber ich
wußte doch, daß Hans Lach es nicht getan hatte. So etwas weiß man,
wenn man einen Menschen einmal mit dem Gefühl wahrgenommen hat.
Und obwohl ich über seine Freundschaften nicht viel weiß, beherrschte
mich, als ich das las, sofort eine einzige Empfindung: er hat außer
dir keinen Freund.
Ich rief sofort Joost Ritman an und sagte, daß ich sofort zurück nach
München müsse. Als ich noch sagen wollte, warum ich sofort zurück
müsse, merkte ich, daß das gar nicht so leicht mitzuteilen sei.
Ich sagte: Ein Freund ist in eine Not geraten.
Manchmal spricht man, wenn man
genau zu sein versucht, wie ein Ausländer. Weil ich zu hastig
aufgebrochen war, prüfte ich erst auf dem Bahnsteig, ob nichts
vergessen worden sei. Der Ausweis fehlte. Man hatte ihn an der
Rezeption erbeten und, weil ich es beim Aufbruch so eilig hatte,
vergessen, ihn mir wiederzugeben.
Hintelephoniert. Ein junger Asiate brachte ihn sofort. Ich
versäumte den Zug, den ich herausgesucht hatte, nicht. Aber nach einer
Stunde Fahrt blieb der Zug stehen, auf freiem, holländisch weitem
Feld. Und keine Erklärung.
Als einige Reisende schon laut wurden, endlich die Ansage: Deze trein
is afgeschaft. Wir mußten aussteigen, auf den Ersatzzug warten.
Für mich hing das alles mit Hans Lach, Ehrl-König und
München-Bogenhausen
zusammen. Mir sollte Zeit gegeben werden zu überlegen, ob ich wirklich
so überstürzt nach München zurückfahren sollte, mußte, durfte. Meine
Empfindung war unmißverständlich. Aber da, wo in einem gerechnet,
berechnet und geprüft wird, meldete sich die Gegenstimme. Sind Hans
Lach
und ich wirklich befreundet? Der bekannte, fast populär bekannte Hans
Lach und der im Fachkreis herumgeisternde Michael Landolf? Vielleicht
sind wir nur befreundet, weil wir keine fünf Minuten (zu Fuß) von
einander entfernt wohnen. Er in der
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Böcklin-, ich in der Malsenstraße, also im Malerviertel des lieblichen
Stadtteils Gern. Wir passen beide besser hierher als nach Bogenhausen,
hat Hans Lach einmal gesagt. Er ist allerdings deutlich jünger als
ich.
Hält also noch mehr für möglich als ich. Wir haben einander fast ein
bißchen schamhaft gestanden, daß wir ohne die Gerner Nachbarschaft
kaum Freunde geworden wären. Er, immer mitten im schrillen
Schreibgeschehen, vom nichts auslassenden Roman bis zum atemlosen
Statement, ich immer im funkelndsten Abseits der Welt. Mystik,
Kabbala,
Alchemie. Aber nachdem wir uns bei dem auch aktuell tendierenden
Philosophieprofessor Wesendonck in dessen Grünwalder Villa
kennengelernt hatten, haben wir keinen Grund empfunden, uns nicht mit
einem sorgfältig betonten Auf Wiedersehn zu verabschieden. Zeitgeizig
sind wir beide. Wir sind keine sogenannten engen Freunde, vielleicht,
weil wir beide vorsichtig geworden sind. Ich noch mehr als er. Draußen
bei Wesendoncks haben wir uns zwar gleich bei unseren Vornamen
genannt.
Das heißt aber nur, daß wir beide in der Welt, besonders in der
englisch-amerikanischen, herumgekommen sind. Er hat mich gleich
bei der zweiten oder dritten Anrede Michel genannt. Das tun, nach
meiner
Erfahrung, nur die, die es gut meinen mit mir, oder, sagen wir, die
Herzlichen. Hans Lach ist eine Herzlichkeitsbegabung. Das spürte ich
sofort. Wir haben beide bemerkt und es auch nicht vor einander
verheimlicht, daß wir nicht zum engeren Kreis der hier Eingeladenen
gehörten. Beide in Gern wohnend, teilten wir nachher ein
Taxi, auch bei der Bezahlung, weil keiner sich vom anderen einladen
lassen wollte oder konnte.
Daß wir da beide gleich kleinlich waren, war mir sympathisch. Und wir
sagten uns auf dem Heimweg auch die Gründe auf, die uns diese
Einladung
beschert hatten.
Mich hat Wesendonck über die Kabbala ausgefragt, weil er ein Buch
Gershom
Scholems für die Süddeutsche rezensieren sollte. Daß ich, als mir
Wesendonck das mitteilte, den typischen Enttäuschungsstich verspürte,
gestand ich natürlich nicht. Ich, in nichts so zu Hause wie in Mystik,
Kabbala, Alchemie, wurde nicht um diese Buchbesprechung gebeten, wohl
aber der doch ganz und gar aktuell tendierende Wesendonck. Aber er
hatte,
bevor er mich ausgefragt hatte, selber gesagt, daß ihm diese
Besprechung
nur angeboten worden sei und er sie nur angenommen habe, weil er mit
Gershom Scholem befreundet gewesen sei. Hans Lach führte sein
Eingeladenwordensein darauf zurück, daß er in der Frankfurter
Allgemeinen gerade ungut behandelt, ja sogar richtig beschimpft worden
sei, als Populist. Und zwar von einem der Herausgeber persönlich.
Dadurch sei er für Wesendonck einladbar geworden. Wesendonck habe ihn,
Hans Lach, diesen Abend lang richtig geprüft, ob er in die
Wesendonckphalanx passe. Ich müsse ja bemerkt haben, daß Wesendonck
den Namen jenes Herausgebers immer mit dem Zusatz Faschist versehen
habe. Diese Schmähfloskel stammte
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deutlich aus den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Aber die,
die sie damals im Mund führten, konnten offenbar auch jetzt, obwohl
selber deutlich gealtert, nicht darauf verzichten.
Obwohl ich nirgends dazugehöre – wer geschichtsträchtige Bücher
schreibt, kann die Abende nicht verplaudern –, kriege ich, weil ich,
wenn ich erschöpft bin, Zeitungen durchblättere, doch mit, wer gerade
mit wem und wer gegen wen ist. Den Rest sagt mir Professor Silberfuchs
im Kammerspiel-Foyer oder am Telephon. Er ist, wie er es selber
fröhlich ausdrückt, mit Gott und der Welt befreundet, und ich gehöre
zu seinen Telephonnummern. Er hat mein Mystik-Buch über alle Maßen
gelobt. In der Zeitung und im Radio. Dann mich angesprochen im Foyer
der
Kammerspiele. Er habe damit wirklich gewartet, aber als er mich zum
vierten Mal auf dem Platz zwei Reihen vor sich gesehen habe, habe er
sich und dann auch mich darauf hinweisen müssen, daß wir dem gleichen
Abonnement angehörten. Als er hörte, daß ich in Gern wohnte, sagte er
sofort: Hans Lach auch. Und sagte gleich noch dazu, daß er seinen
Spitznamen Hans Lach verdanke. Und er sei überhaupt nicht beleidigt.
Er finde, der von Hans Lach für ihn gefundene Spitzname könnte auch
bei Wagner in den Meistersingern vorkommen. Jetzt mußte ich doch
gestehen, daß ich seinen Spitznamen nicht kenne. Ach, rief er, wie
lustig. Sie sind der einzige in ganz München, der den nicht kennt.
Und es mache ihm überhaupt nichts aus, seinen Spitznamen
selber zu verbreiten. Silbenfuchs habe Hans Lach ihn genannt, nachdem
er, Professor Silberfuchs, den vorvorletzten Roman von Hans Lach in
irgendeiner Konversation ein Werk von grandioser Selbstbehinderung
genannt habe. Was man in München irgendwo sage, sage man immer der
ganzen Stadt. Zumindest in der Kulturszene. Die sei nirgends
so tratschselig wie in München. Das alles rauschte im Foyer auf mich
ein, weil ich, als er sich als Harlachinger ausgewiesen hatte, mich
zu Gern bekannte. Und Gern heißt für einen Professor der
Literaturwissenschaft Hans Lach. Hans Lach sei inzwischen, sagte er
noch schnell, weil das Klingelzeichen mahnte, doch fast schon zu
prominent für das liebe Kleinbürgerviertel. Der gehört längst nach
Bogenhausen, sagte der Professor. Und Ton und Schmunzeln konnten
bedeuten, der Satz sei auch ironisch gemeint gewesen. Daß ich nicht
nach Bogenhausen, sondern eben doch nach Gern gehörte, hatte der
Professor mit diesem Satz sicher nicht sagen wollen. Ich hatte nicht
vermeiden können, das herauszuhören.
Keine Polizei der Welt würde mich eines Mordes verdächtigen. Hans
Lach schon. Obwohl er den Mord so wenig begangen hat wie ich. Als
ich las, was über Hans Lach in der Zeitung stand, überlegte ich
nicht, ob er mich brauche oder nicht. Ich war nicht fähig, mir
vorzustellen, daß es in München und in ganz Deutschland mehr als
genug Menschen gäbe, die Hans Lach von diesem absurden Verdacht
befreien würden. Gar nichts konnte ich mir vorstellen. Nicht
einmal, daß ich aufdringlich wirken könnte. Er mußte Freunde haben,
die viel ernsthafter seine Freunde waren
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als ich, der Zufallsnachbar. Mir ist sonst immer alles zu schnell
peinlich. Und jetzt gar nicht. Hin mußte ich. Sofort. Nach München.
Und hinaus nach Stadelheim.
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Der Beamte, der mich an der Pforte abholte, sagte: Der Chef macht den
Besuch selber. Wie lang, fragte ich. Er: Wenn ich den Besuch machen
tät, könnte ich nur eine halbe Stunde erlauben, der Chef kann machen,
so lange er will. Der Herr Oberregierungsrat wußte also immerhin,
wer sein Untersuchungshäftling war. In einem polizeigrün gestrichenen
Raum wurde ich an ein rundes Tischchen in der Ecke gesetzt, dann kam
der Herr Oberregierungsrat mit seinem Häftling herein.
Hans Lach und ich am Tischchen in der einen, der Beamte an dem
Schreibtisch in der anderen Ecke. Als wolle er uns zeigen, daß er
unser
Gespräch nicht überwache, fing der Oberregierungsrat sofort mit dem
Aktenstudium an. Hans Lach sah mich an, zuckte mit den Schultern und
sagte mehr zu dem Beamten als zu mir hin: Rauchen darf man.
Der Beamte: Man darf. Der Herr Oberregierungsrat sei heute offenbar
besonders gut aufgelegt, sagte Hans Lach.
Ob er sich über ihn beklagen wolle, fragte der Beamte. Sie müssen
wissen, sagte Hans Lach zu mir, der Herr Oberregierungsrat fliegt
jedes Jahr in seinem Urlaub nach Nepal und bringt von dort Videos mir,
die er dann den Insassen hier vorführt. Hinter dem Berg, den Sie hier
sehen, sagt er dann, liegt ein englisches Hotel, in dem haben wir
schwedisches Bier getrunken. Der Herr Lach hat sich schnellstens über
mich informiert, sagte der Oberregierungsrat. Drückte aber durch den
Ton,
in dem er das sagte, aus, daß er weiterhin konzentriert sei auf seine
Arbeit, und an dem Gespräch dort am Tischchen nicht teilzunehmen
gedenke.
Das konnte nur heißen, Hans Lach und ich sollten nicht glauben, er
höre
unser Gespräch ab. Beamte sind viel fleißiger, als man denkt, sagte
Hans
Lach. Dann sagte er nichts mehr. Wenn der Beamte noch etwas gesagt
hätte,
hätte er sicher auch noch etwas gesagt. Er sah mich zwar an, aber
nicht so, daß ich hätte fragen können: Wie geht es Ihnen. Er sah mich
kein bißchen erwartungsvoll an oder neugierig. Er gähnte. Wollte das
Gähnen aber höflich verbergen. Je länger ich ihn anschaute, desto
weniger
war es mir peinlich, daß ich nicht wußte, wie ich das Gespräch
beginnen sollte. Ich war gekommen, um ihm zu sagen, daß ich wisse,
er sei es nicht gewesen. André Ehrl-König hat sich durch seine Art,
über Schriftsteller zu urteilen, sicher viele zu Feinden gemacht.
Warum sollte sich ausgerechnet Hans Lach so vergessen! Es gab andere,
die viel schlechter weggekommen waren. Durch Professor Silberfuchs
hatte
ich aus dieser Szene immer viel mehr erfahren als ich wissen wollte.
Ich hoffte, Hans Lach begriff, warum ich gekommen war. Ich wollte
etwas
tun für ihn. Daß ich gekommen war, war ein Angebot. Er mußte darauf
reagieren. Er sah mich ruhig an, vollkommen ruhig. Er erwartete nichts
von mir. Wahrscheinlich hatte sein Verleger schon die besten Anwälte
zusammengespannt. Wahrscheinlich empfing er an diesem Tischchen
täglich
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seine Freunde und Freundinnen. Ich kam mir plötzlich ganz überflüssig
vor. Ich hätte wirklich in Amsterdam bleiben sollen, Joost Ritmans
Kabbala-Blätter anschauen,vergiß München, morgen wird das Feuilleton
der
Republik Hans Lach feiern, er wird Interviews und Interviews geben,
das
arme Schwein, der wirkliche Mörder, wird sein Geständnis
herausstottern,
die Mutter eine Prostituierte, er aufgewachsen im Waisenhaus, vom
Kaplan
vergewaltigt, seit dem siebzehnten Lebensjahr straffällig, mit
achtundzwanzig – grade wieder mal aus dem Knast entlassen – schreibt
er
sein Leben auf, schickt das Manuskript André Ehrl-König, der läßt ihm
durch seine Sekretärin mitteilen, daß er keine Anlaufstation sei für
verpfuschte Biographien, also keimt in dem Knastheini eine Wut, er
sieht
Ehrl-König im Fernsehen, er fragt sich durch, ein Pförtner verrät ihm,
wo gefeiert wird, nichts wie hin, gewartet im fallenden Schnee, bis
der
Star kommt, zugestochen ...
Entschuldigen Sie, bitte, daß ich gekommen bin. Das konnte ich auch
nicht sagen. Es war übereilt. Ein Gefühl eben. Gefühle sind immer
übereilt.
Gefühle dürfen übereilt sein. Gefühle müssen übereilt sein. Basta. Zum
Glück brauchte er mich nicht. Was hätte ich denn tun können für ihn?
Aber
er sah mich nicht an, als wollte er sagen: Was wollen denn Sie hier.
Er sah mich ruhig an. Tendenzlos. Fast ohne jede Stimmung. Er kratzte
mit
einer Hand auf dem Handrücken der anderen. Er nahm mir nichts übel.
Daß
wir beide so sitzen konnten, ohne etwas zu sagen, daß dieses
Nichtssagen
überhaupt nicht peinlich war, das empfand ich als eine Art
Übereinstimmung
mit ihm. Er fand, daß ich gekommen war, nicht aufdringlich. Mit wem
hätte ich eine Stunde lang so sitzen können, ohne etwas zu sagen! Mit
wem
hätte er ... ach, erschon eher, er war es vielleicht gewohnt, daß man,
wenn er nichts sagte, auch nichts sagte.
Wenn ich, obwohl er so
deutlich nichts sagen wollte, doch angefangen hätte, etwas zu sagen,
irgendeinen Verlegenheitsquatsch, dann hätte ich die Situation
verfehlt.
Die Prüfung nicht bestanden. Das ist eben so. Der Prominente kann sich
benehmen, wie er will, er benimmt sich richtig. Nur du kannst etwas
falsch
machen. Selbst wenn du dieses Ritual überhaupt nicht anerkennst, du
verhältst dich doch genau so, wie es von einem wie dir erwartet wird.
Aber jetzt sei zufrieden, daß du einer Schweigestunde
verlegenheitsfrei
standgehalten hast. Mensch. Freibleibend. Was soll das jetzt? Weiß
nicht.
Einfach das Wort, das mich jetzt anzieht.
Freibleibend ...
Es war der Beamte, der sagte, es sei Zeit. Ich fand es erstaunlich,
daß er das Schweigen nicht kommentierte. Er hätte doch sagen können,
er
wisse es zu schätzen, daß die beiden Herrn ihn so gar nicht bei seinem
Aktenstudium gestört hätten. Aber daß er das Schweigen gar nicht
erwähnte,
war noch besser. Niveau, dachte ich, der Herr Oberregierungsrat hat
Niveau.
Beide gingen mit mir bis zum Pförtner. Da ich nicht jetzt noch etwas
durch
banalen Sarkasmus oder
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halbgare Ironie verderben wollte, verabschiedete ich mich sozusagen so
stumm, wie ich bis dahin gewesen war. Aber ich vermied es, das
Nichtssagen
pathetisch werden zu lassen. Hans Lach zog ganz zuletzt noch ein paar
Seiten, von Hand beschriebene, aus seiner Jackentasche und übergab sie
mir. Sein Blick dazu war nichts als sachlich. Draußen in der
beglückend
kalten Winterwelt merkte ich erst, wie warm es da drinnen gewesen war.
Wie oft bei Behörden, überheizt. Auf der Heimfahrt wurde mir
(wieder einmal) bewußt, wie wenig man von sich braucht, um ein Auto
durch
eine Stadt zu lenken, die man kennt. Ich dachte nur an ihn, sah nur
ihn
vor mir, wurde nicht fertig mit ihm, weil, was mir dort alsRuhe
vorgekommen
war, jetztgar nicht mehr so vorkam. Tendenzlos, ja. Aber ruhig? Sein
Bild in
meiner Vorstellung, sein immer ungeschützt wirkender Blick, die
rötlichen
Haare, kurze, sich gleich wieder dem Kopf zubiegende Haare, rötlich
grau.
Würde er sie wachsen lassen, gar nichtvorstellbar, daß das je lange
Haare
wären. Eine zu hohe, zu runde Stirn. Flache Augenhöhlen. Ach, Hans
Lach.
Ich schaute und schaute ihn an. Und wußte doch, daß er mir nicht ruhig
gegenübergesessen hatte, sondern ... Rauchend. Nicht einmal die von
ihm gerauchten Zigaretten hatte ich gezählt. Und hätte wirklich Zeit
gehabt.
Na ja. Hans Lach. Ich mußte durchprobieren, wie dieser Name in den mir
geläufigen europäischen Sprachen klingen würde. Suchte ich eine
Fluchtmöglichkeit? Ich hoffte, nicht.
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Am meisten ist Gern noch das, was es einmal gewesen sein muß, wenn der
Schnee alles zudeckt, alles neuerdings Dazugebaute. Und das gelingt
dem
Schnee fast jeden Winter ein-, zweimal. Wenn dann die Straßen nicht
geräumt werden, die schwarzen Menschen, Gleichgewicht suchend, durch
die Luft rudern, dann kann ich arbeiten. Hätte ich arbeiten können,
wenn ich nicht in dieses Geschehen hineingeraten wäre. Ich kam heim
und merkte, daß ich immer noch nicht wußte, wie es Hans Lach ging.
Dieses Schweigen. Ach was, Schweigen. Da lernt man Wörter kennen!
Wenn sie nicht taugen! Dieses Voreinandersitzen und Nichtssagen. Das
kann man doch nicht Schweigen nennen. Er tat mir leid. Das war es.
Jetzt erst gestand ich es mir ein: er tat mir leid, weil ich glaubte,
daß er es getan haben könnte. Für mich war es immer die
fürchterlichste
Vorstellung überhaupt: jemanden umgebracht zu haben. Manchmal – sehr
selten zum Glück – träumte ich das: du hast jemanden umgebracht,
man ist schon auf deiner Spur, du siehst deiner Überführung entgegen,
du mußt, um das zu verhindern, noch jemanden umbringen. Die Tage nach
solchen Träumen sind immer die glücklichsten Tage überhaupt. Den
ganzen Tag könnte ich summen vor Glück: du hast keinen umgebracht,
Halleluja. Ich war von Amsterdam so jäh weggefahren, ich mußte sofort
hinaus nach Stadelheim, weil ich glaubte, er könnte es doch getan
haben.
Und fürchterlicher konnte nichts sein. Also hin zu ihm. Dann sitzen
und
nichts sagen. Einfach weil man, wenn jemand jemanden umgebracht hat,
nichts mehr sagen kann. Jetzt merkte ich, daß mir der Tote kein
bißchen
leid tat, nur der Täter. Der Tote leidet doch nicht mehr. Aber der
Täter ... der kann keine Sekunde lang an etwas anderes denken als an
die Sekunde der Tat. Ich müßte mich, wenn mir das passierte, sofort
selber umbringen. Nicht, um mich zu strafen, nicht, um zu sühnen.
Nur weil es nicht auszuhalten wäre, dieses ewige, unablässige
Drandenkenmüssen. Und der saß mir gegenüber, sah mich an, ruhig.
Das habe ich mir eingeredet. Ruhig. Er war erledigt, zerquetscht, er
hatte sicher immer noch keinen ruhigen Schlaf gefunden. Die Augen.
Jetzt erst verstand ich diesen Blick. Dieses vollkommen Tendenzlose.
Keine Gesellschaft, bitte. Keine Teilnahme. Achten Sie, bitte, mein
Nichtinfragekommen für alles. Ich komme in Frage nur noch für nichts.
Und diesen Ausdruck hatte ich für ruhig gehalten. Halten wollen.
Etwas Unwiderrufliches getan haben.
Ich konnte nicht sitzen bleiben, mich nicht vom Winterbild draußen
einwiegen lassen, ich rannte im Zimmer hin und her, bis mir Lachs
Handgeschriebenes einfiel. Und las. Es waren Seiten eines
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DIN A5-Blocks. Mit Linien, an die sich der Schreiber, weil sie ihm zu
weit auseinander standen, nicht gehalten hat. Die Handschrift war
schwer lesbar. Lieber Michel Landolf, las ich, hier ein paar Notate
aus der
Ettstraße. Zwei Tage und zwei Nächte. Bitte, aufbewahren für was auch
immer. Herzlich Ihr Ex-Nachbar Lach. Ich las:


Versuch über Größe. Zuerst das Geständnis, daß Denken mir nichts
bringt. Ich bin auf Erfahrung angewiesen. Leider. Erfahren geht ja
viel langsamer als denken. Denken kann man schnell. Denken geht
leicht.
Denken ist keine Kunst. Denken ist großartig. Durch Denken wird man
Herr
über Bedingungen, unter denen man sonst litte. All das ist Erfahren
nicht. Nach meiner Erfahrung, der ich neuestens bis zur
Unerträglichkeit
ausgesetzt bin. In einem Satz gesagt: Immer öfter merke ich, daß
Menschen,
mit denen ich spreche, während wir mit einander sprechen, größer
werden.
Ich könnte auch sagen: Ich werde, während wir sprechen, kleiner. Das
ist eine peinliche Erfahrung. Und am peinlichsten, wenn das öffentlich
vor sich geht. In einem Restaurant. Oder – am allerschlimmsten – im
Fernsehstudio. Katastrophal ... Aber – und das ist die neueste
Erfahrung
überhaupt – auch wenn andere Leute in einer gewissen Art über mich
sprechen, werde ich kleiner. Und das, ohne daß ich mit diesen Leuten
zusammen bin oder auch nur weiß, daß die gerade über mich sprechen.
Ich sitze zu Hause anmeinem Arbeitstisch, und wenn ich aufstehen will,
reichen meine Füße nicht mehr auf den Teppich hinab, auf dem mein
Schreibtischstuhl steht. Das ist nicht so schlimm, weil ich auf meinem
Keshan, wenn ich vom Stuhl hinunterspringe, weich lande. Und – das
ist bei dieser Erfahrung das Wichtigste und eigentlich auch das
Schönste – nachts regeneriere ich mich. Jeden Morgen, wenn ich
aufwache, habe ich wieder meine alte Größe. Bis jetzt.
Einszweiundachtzig. Seit ich diese Erfahrung des Schrumpfens und
Wiederwachsens mache, messe ich mich jeden Tag. Tatsächlich genügt
es, um wieder die Normalgröße zu gewinnen, nicht, wach im Bett zu
liegen. Ich muß schon schlafen.
Und nicht jeder Schlaf bringt gleich viel Regeneration. Inzwischen
messe ich mich abends und morgens. Wenn mir abends öfter mal zehn
Zentimeter fehlen, fehlen mir nach nicht ganz störungsfreiem Schlaf
doch noch zwei oder drei Zentimeter. Ich habe von Schuhen gehört,
die so geschaffen sind, daß man in ihnen zwei bis drei Zentimeter
größer ist, und man erkennt von außen nicht, daß es sich um eine
Schuhkonstruktion handelt. Nach so etwas werde ich jetzt auf jeden
Fall suchen. Nach traumlosem Schlaf, in den die Welt also nicht
hineinwirkt, habe ich immer meine einszweiundachtzig. Ich glaube
noch nicht, daß das Ganze ein Problem für den Psychiater oder
Psychotherapeuten ist. Ich werde dieser Erfahrung mit Aufzeichnungen
folgen, sie dadurch anschaubar und vielleicht sogar überwindbar
machen.
Allerdings: Erfahrungen sind
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nicht so leicht beherrschbar wie das Denken. Durch Denken herrscht man
ja selber. Erfahrungen ist man eher ausgeliefert. Aber sie
aufzeichnen,
hilft. Das ist auch eine Erfahrung.


So weit war ich gerade, als das Telephon läutete.
Kriminalhauptkommissar Wedekind vom K 111. Der Leiter einer
Mordkommission für vorsätzliche Tötungsdelikte, jetzt beauftragt mit
den Ermittlungen im Fall Ehrl-König/ Lach. Von meinem Schweigebesuch
hater gehört, er bittet mich, trotzdem nicht aufzugeben. Ich sei
immerhin der einzige von allen, die um Besuchserlaubnis gebeten
hätten,
den Herr Lach empfangen habe. Mich und seine Frau Erna, alle anderen
habe er abgelehnt. Er müsse seinen Schweigestreik beenden. Das sei
überhaupt keine Taktik, die Erfolg haben könne. Wahrscheinlich
spekuliere
Lach darauf, daß wir ohne Leiche keine Anklage zustande bringen.
Da täuscht er sich. Wir haben den blutgetränkten Pullover des Opfers.
Die Schneemassen in der Mordnacht begünstigen momentan den Täter, und
in einem Poeten kann das die Illusion fördern, der Schnee werde, was
er in dieser Nacht begrub, im Frühjahr mit sich nehmen. Vielleicht ist
die Leiche über die Thomas-Mann-Allee hinüber und dann die steile
Böschung hinunter und noch übers Ufergelände bis zur Isar geschleppt
und
dann der Isar anvertraut worden. Der Täter hat wirklich Glück gehabt.
Fast fünfzig Zentimeter Neuschnee in dieser Nacht. Vielleicht hat er
den
Wetterbericht gekannt. Aber wer weiß, was die Schneeschmelze dann
entblößen wird. Das alles hat sich Herr Lach von mir schon sagen
lassen,
und hat dazu geschwiegen. Aber Ihnen hat er Schriftliches mitgegeben.
Verzeihen Sie einem Polizisten, wenn er neugierig fragt: Haben Sie's
schon gelesen? Ich war gerade durch, als Ihr Anruf kam. Und? fragte
KHK Wedekind. Aufzeichnungen aus der Ettstraße. Da haben wir ihn für
achtundvierzig Stunden untergebracht, sagte Herr Wedekind. Er sprach
mit
mir, als wisse er sicher, daß ich, wie die Polizei, an der raschen
Aufklärung dieses Falls interessiert sei und, so gut ich könne,
mitarbeiten werde. Daß Hans Lach der Täter sei, der nur noch überführt
werden müsse, schien festzustehen. Herr Wedekind war gerade dabei,
Hans
Lachs Bücher zu lesen, da werde er Herrn Lach genauer kennenlernen,
als dem lieb sein könne. Ich möge bitte nicht meinen, er habe etwas
gegen
Herrn Lach oder Herr Lach sei ihm auch nur im mindesten unsympathisch.
Es gebe natürlich für den Leiter einer Mordkommission für vorsätzliche
Tötungsdelikte auch Fälle, die den Beamten zum engagierten Verfolger
des Täters machten, Delikte, in denen das Opfer grausam oder
bestialisch
und aus niedrigsten Motiven hingemordet worden sei, dergleichen liege
hier ja überhaupt nicht vor. Und trotzdem liege Mord vor. Aber eben
ein
Mord der feineren, wenn nicht der feinsten Art überhaupt. Der Täter
ein
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Künstler. Und soviel verstehe er, der KHK, auch von Kunst,
insbesondere auch von Literatur – er sei ein Leser, wenn auch,
bisher wenigstens, kein Lachleser, aber das ändere sich ja gerade –,
daß er einen Schriftsteller durchaus auch als ein Opfer zu sehen im
Stande sei. Wenn auch nicht im strafrechtlichen Sinn. Im Augenblick
lese er, ja, durchforsche er geradezu Lachs vorletztes Buch Der
Wunsch,
Verbrecher zu sein. Der autobiographische Anteil sei unübersehbar.
Er habe aber zuerst Lachs letztes Buch lesen müssen, Mädchen ohne
Zehennägel. Seine bisherigen Ermittlungen – bitte, ohne auch nur die
geringste Mitwirkung Lachs – könnten ihn vermuten lassen, dieses Buch,
das heißt, die Art wie André Ehrl-König in der SPRECHSTUNDE damit
umgegangen ist, habe alles, was sich in Lach gegen Ehrl-König
angesammelt haben kann, in den Zustand einer jähen Entzündung versett,
dann habe er eben seine Fassung verloren und so weiter. Die Party in
der Verlegervilla in Bogenhausen, die nach der Sendung immer
stattfinde,
wenn man die rekonstruieren könnte, wäre der Fall gelöst, man könnte
ihn Herrn Lach sozusagen als Manuskript vorlegen, er müßte nur noch
unterschreiben. Er, KHK Wedekind, wolle mit diesen Andeutungen nur
eins erreichen: Herrn Landolf bitten, dranzubleiben, sich durch keine
Reaktion Lachs abschrecken zu lassen. Jeder Mordfall sei eine
Tragödie. Und zwar im vollen historischen Sinn dieses Wortes.
Aber es sei uns einfach nicht gestattet, eine solche Tragödie
geschehen zu lassen, ohne zu versuchen, ihr gerecht zu werden, was
soviel heiße wie, seine Stimme wurde jetzt ganz leise: Wir müssen
sie aufnehmen, in unsere Sprache, in unsere ganze darauf vorbereitete
Tradition, wir müssen sie uns zu eigen machen, durch Teilnahme, werter
Herr, und den, dem sie passiert ist, aus seiner entsetzlichen
Isolierung erlösen. Glauben Sie mir, so etwas kann einer allein nicht
tragen. Dafür gibt es uns. Die sogenannte Menschheit.
Entschuldigen Sie, bitte. Ich sagte: Ich bitte Sie. Dann schaltete er
wieder um. Ihm sei berichtet worden, daß sich Herr Lach in der
Gemeinschaftszelle in der Ettstraße ausschließlich mit einem
Benedikt Breithaupt beschäftigt habe, der zur Zeit fast täglich von
Stadelheim dorthin zu Vernehmungen überstellt werde. Seine,
Wedekinds, Frage nun: Geben die handgeschriebenen Seiten über dieses
intensive Miteinander reden irgendeine Auskunft. Mit uns, Sie, Herr
Landolf, eingeschlossen, kein Wort, mit einem iksbeliebigen
Untersuchungshäftling stundenlanges Getuschel.
Ich wußte nicht, warum, ich wußte nur, daß ich das mir Anvertraute
jetzt nicht weitergeben sollte. Genau so sagte ich es. Der KHK zeigte
oder heuchelte Verständnis. Aber da wir doch sicher noch mit einander
zu tun hätten, lade er mich ein, einmal zu ihm in die Dienststelle zu
kommen. In die Bayerstraße, wo die Mordkommission logiere. Er hoffe
nicht, daß das Wort Mordkommission mich abschrecke. Also.
Ja, sagte ich, warum nicht.
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Na ja, warum dann aber nicht gleich, sagte er. Nach seiner Erfahrung
altere alles, was mit einem Fall auch nur entfernt zu tun habe,
ungeheuer rasch. Dabei bleiben, dran bleiben, das sei nicht nur sein
Rezept, sondern sein Bedürfnis. Er würde, solange so ein Fall
noch ein blühendes Rätsel sei, die Dienststelle am liebsten überhaupt
nicht mehr verlassen. Also: Wann seh ich Sie. Am Nachmittag, sagt ich.
Er wiederholte fast singend: Am Nachmittag! So kann sich nur ein
Freischaffender ausdrücken. Aber er finde das ansteckend.
Dienststellendienstzeit sei von siebenuhrfünfzehn bis
fünfzehnfünfundvierzig. Käme ich um halb vier, dann hätten er und
ich Ruhe und könnten gründlich reden. Als ich aufgelegt hatte,
ging ich an mein rundbogiges von Sprossen schön eingeteiltes
Großfenster und sah hinaus auf die die Straße säumenden Schneebäume,
auf die hohen Schneeborten, die alle Zäune und Autos zierten.
Verschneit kann es das Viertel, was Stille angeht, mit jedem
Winterwald aufnehmen. Hans Lach hat wirklich Glück gehabt. Und hat
immer noch Glück. Oft genug folgt auf einen solchen ausgiebigen
Schneefall in München ein Wärmeeinbruch, der Föhn schmilzt in ein
paar Stunden alle Schneelasten weg, die ganze Stadt rauscht nur
so vor nicht schnell genug abfließen könnendem Schneewasser. Jetzt
aber, nach wie vor kalt, die Schneedecke hält sich. Ich unterstellte
Hans Lach also auch schon, daß er es getan habe. Ich holte aus dem
Regal: Der Wunsch, Verbrecher zu sein. Ich hatte in dieses Buch, als
es vor zwei Jahren erschienen war, zwar manchmal hineingeschaut,
aber nie lange darin gelesen. Der Untertitel: Flüchtige Notizen hatte
mich abgeschreckt. Dann auch die ... ja, die Tonart dieser Notizen.
Ich hatte gedacht: Er nimmt sich wichtiger als er ist. Als ich das
Buch jetzt wieder aufschlug, dachte ich, daß das doch menschenüblich
sei, sich wichtiger zu nehmen als man ist. Gewissermaßen
lebensnotwendig. Also verständlich, wenn schon nicht verzeihlich.
Ich fragte mich, ob man auch noch schriftlich bezeugen müsse oder
dürfe, daß man sich wichtiger nehme als man sei. Jetzt aber hatte
ich soviel Anlaß, das Buch aufzuschlagen wie der KHK.
Ich las quer durch:


Ein Tag, an dem die Maske verrutschte. Jetzt hast du zu tun, sie
wieder zurechtzurücken. Das gelingt nur mit Verletzung der Maske
und des Gesichts. Paß also auf das nächste Mal, wenn du wieder an
deiner Maske zerrst. Hände weg von der Maske.
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Es gibt nicht wenige, die achte ich mehr als sie mich. Ich verharre
gern bei dieser Differenz. Estut mir geradezu gut, sie mehr zu achten,
als sie mich achten. Wahrscheinlich glaube ich, daß ich schon deswegen
ihre Achtung, die sie mir vorenthalten, verdient hätte.


Er kann sich nicht wegwenden von sich, solange er so schwach ist. Der
Verlierer ist unersättlichmit sich selbst beschäftigt. Der Sieger
wendet sich neuen Aufgaben zu.


Wenn du ein bißchen herausgehst aus dir, bist du sofort unmöglich.
Mein Feind läßt am Horizont die Waffen blitzen. Es gibt nichts, das
ihm nicht diente. Schriftsteller sind ununterbrochen
(und ununterbrechbar) mit dem Notieren ihres Alibis beschäftigt.


Gestern nacht vom Mord geträumt, wieder vom längst geschehenen. Nichts
vom Opfer. Nur die Angst, entdeckt zu werden. Diesmal das Opfer im
eigenen Haus vergraben. Einzige Chance, nicht entdeckt zu werden:
ausgraben und irgendwo weit weg loswerden. Das ist doch vorstellbar.
Das muß gehen. Aber eben dabei kann man, muß man entdeckt werden.
Die Angst quält so, daß man sich wünscht, das Entdecktwerden endlich
hinter sich zu haben. Aufwachen.
Wie immer, froh, weil es doch nur ein Traum war.


Du bist froh, daß Deutschland aus der Fußball-WM ausscheidet im
Viertelfinale gegen Bulgarien, weil du einen Gegner hast, der
fanatisch auf den deutschen Sieg hofft. Den trifft die deutsche
Niederlage mehr als dich, deshalb bist du glücklich über die
deutsche Niederlage.


Er hat sich lange genug beherrscht. Immer hat er statt andere sich
selber verletzt. Er muß in Träumen jetzt öfter Leichen verstecken,
und wo immer er eine Leiche hinbringt (unter das Hotelbett zum
Beispiel), liegt immer schon eine andere Leiche, die nicht von
ihm stammt.


Als er sich hineinfühlte in seine Verbrecherhaftigkeit, fühlte er sich
wohl. Solange er es nicht gewagt hatte, Verbrecher zu sein, hatte er
sich Vorwürfe gemacht, hatte sich überspannt gefühlt, gespalten. Seit
er sich annahm als Verbrecher, war er einig mit sich selber.
Vielleicht
könnte er jetzt sogar wieder etwas genießen. Vorher war ihm immer
alles
durch Vorwürfe, die er glaubte,
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sich machen zu müssen, verdorben worden. Als anständiger Mensch durfte
er ja an allem, was er tat, keinen Gefallen finden.


Alles, was er tat, war vorwerfbar, schlecht. Als Verbrecher mußte er
sich keine Vorwürfe machen.


Ich wurde gestört.
Das Kommissariat 111, eine Frauenstimme, Herr Kriminalkommissar
Meisele wolle mich sprechen, sie verbinde. Dann Herr Meisele im
heitersten Ton. Tut ihm leid, wenn er mir eine
Nachricht verklickern muß, die mich sicher nicht nur erfreue. Sein
großer Kollege Wedekind könne mich heute nicht mehr empfangen, müsse
das Gespräch, an dem ihm gelegen, sehr viel gelegen sei, verschieben.
In der Hoffnung auf mein Verständnis bitte sein großer Kollege
Wedekind um eben dieses Verständnis und melde sich wieder. Ob die
Botschaft angekommen sei. Das bestätigte ich. Dann sei es ja gut.
Das sei mehr als er, der KK Meisele