100links
100links
Suche in:
100links Schnäppchen für "Prag Hotel"
 
 
Booking.de: Jetzt Hotels vergleichen und Kundenmeinungen lesen. >>>
Sonderangebote zur Neueröffnung! Doppelzimmer nur EUR79. >>>
Günstige Hotels in Prag. Jetzt sicher online buchen! >>>
Luxushotels Prag. Aufenthalt zum Genuss. >>>
Crowne Plaza Luxushotels buchen Die günstigsten Preise hier finden. >>>
Online Hotelreservierung Prag. Garantiert günstiger Preis hier! >>>
 
 
Geben Sie bitte uns Ihre Anmerkungen, um unsere Webseite zu verbessern
Name
Anmerkung


aus Wikipedia
Prag
Prag (tschechisch Praha //; bzw. Hlavní m?sto Praha Hauptstadt Prag) ist die Hauptstadt der Tschechischen Republik. Gleichzeitig ist Prag selbstständige Verwaltungseinheit. Die Umgebung der Stadt ist seit der Frühgeschichte dicht bevölkert. Die slawische Besiedlung erfolgte im 6. Jahrhundert. Nach der Anlage zweier Burgen durch die P?emysliden im 9. und 10. Jahrhundert kamen jüdische und deutsche Kaufleute hinzu. Um 1230 wurde Prag zur Residenzstadt des Königreichs Böhmen und im 14. Jahrhundert als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches zu einem politisch-kulturellen Zentrum Mitteleuropas. Die ?Goldene Stadt? zeigt ein geschlossenes, von Gotik und Barock geprägtes Stadtbild.

Geografie

Geografische Lage

Prag liegt zentral im westlichen Tschechien an der Moldau, rund 40 Kilometer vor deren Einmündung in die Elbe. Die Entfernung zu den äußersten Grenzpunkten beträgt nach Norden rund 110 Kilometer,...
Prag (tschechisch Praha //; bzw. Hlavní m?sto Praha Hauptstadt Prag) ist die Hauptstadt der Tschechischen Republik. Gleichzeitig ist Prag selbstständige Verwaltungseinheit. Die Umgebung der Stadt ist seit der Frühgeschichte dicht bevölkert. Die slawische Besiedlung erfolgte im 6. Jahrhundert. Nach der Anlage zweier Burgen durch die P?emysliden im 9. und 10. Jahrhundert kamen jüdische und deutsche Kaufleute hinzu. Um 1230 wurde Prag zur Residenzstadt des Königreichs Böhmen und im 14. Jahrhundert als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches zu einem politisch-kulturellen Zentrum Mitteleuropas. Die ?Goldene Stadt? zeigt ein geschlossenes, von Gotik und Barock geprägtes Stadtbild.

Geografie

Geografische Lage

Prag liegt zentral im westlichen Tschechien an der Moldau, rund 40 Kilometer vor deren Einmündung in die Elbe. Die Entfernung zu den äußersten Grenzpunkten beträgt nach Norden rund 110 Kilometer, nach Westen rund 170, nach Süden rund 170, nach Osten rund 320 (zur alten böhmischen Ostgrenze rund 170; jeweils Luftlinie). Ein Großteil der Stadt liegt in einem weiten Tal der Moldau, die das Stadtgebiet auf 30 Kilometer Länge durchfließt und im Nordteil eine große Schleife bildet. Am südlichen Bogen dieser Schleife liegt das historische Stadtzentrum, beherrscht von den beiden Burgbergen im Norden (Opy? bzw. Hradschin) und Süden (Vy?ehrad). Der Rest verteilt sich auf weitere das Tal umgebende Hügel: Letná, Vítkov, V?trov, Skalka, Emauzy, Karlov und den höchsten von ihnen, den Pet?ín. Durch die Eingemeindungen vornehmlich im 20. Jahrhundert dehnt sich das Stadtgebiet nun auch weit in die Prager Hochfläche (Pra?ská plo?ina) hinein aus. Die Moldau tritt im Süden auf einer Höhe von rund 190 Metern in das Stadtgebiet ein und verlässt es im Norden bei rund 176 Metern. Sie hat hier eine durchschnittliche Tiefe von 2,75 Metern bei einer größten Tiefe von 10,5 Metern. Sie umströmt mehrere Inseln, darunter die südlich der Karlsbrücke gelegenen Slovanský ostrov, D?tský ostrov und St?elecký ostrov (letztere von ihr aus gut sichtbar) sowie die den Westteil der Karlsbrücke tragende Kampa, und nimmt zahlreiche Wasserläufe auf, unter denen die größten die Berounka nördlich von Zbraslav von Westen, der Boti? zwischen Neustadt und Vy?ehrad von Osten und die Rokytka im Hafen von Libe? ebenfalls von Osten sind. Die größten Höhen liegen im Westen und Süden der Stadt. Im Westen erreicht der Weiße Berg (Bílá hora) 381 Meter, an der Stadtgrenze südwestlich davon werden 397 Meter gemessen. Im Süden steigt der ?ihadlo auf 385 Meter.[1]

Nachbargemeinden

Das Prager Stadtgebiet wird von den Territorien folgender Gemeinden umschlossen (jeweils unterhalb der Gemeinde eingerückt dargestellt sind Katastergebiete eingemeindeter Ortschaften, soweit sie direkt an das Prager Territorium grenzen)[2]:

Östlich der Moldau

  • Zdiby
    • Brnky
  • Bo?anovice
  • Hovor?ovice
  • Vele?
  • P?esletice
  • Podolanka
  • Jen?tejn
  • Radonice u Prahy
  • Zelene?
  • ?estajovice u Prahy
  • Jirny
  • Úvaly u Prahy
  • Kv?tnice
  • Sib?ina
    • Stupice
  • K?enice u Prahy
  • ?í?any
    • Pacov u ?í?an
    • ?í?any-Rado?ovice
    • Ku?í u ?í?an
  • Nupaky
  • ?estlice
  • Pr?honice
    • Hole u Pr?honic
  • Jesenice u Prahy
    • Zdim??ice
  • Vestec u Prahy
  • Zlatníky-Hodkovice
    • Hodkovice u Zlatník?
  • Dolní B?e?any
    • Lhota u Dolních B?e?an
  • Zvole u Prahy
    • Ohrobec

Westlich der Moldau

  • Jílovi?t?
  • ?erno?ice
  • Koso?
  • O?ech
  • Zbuzany
  • Jino?any
  • Chrá??any u Prahy
  • Hostivice
    • Litovice
  • Dobrovíz
  • Kn??eves u Prahy
  • Tuchom??ice
    • Kn??ívka
  • Statenice
  • Horom??ice
  • Ún?tice u Prahy
  • Roztoky u Prahy

Weitere größere Gemeinden im Umkreis von Prag

In Entfernungen von bis zu 30 Kilometern von Prag (gerechnet vom Stadtrand) befinden sich zahlreiche Städte, meist mit der Funktion von Kreishauptstädten und zum Teil von historischer Bedeutung und/oder mit kunsthistorisch bedeutenden Baudenkmälern.
  • Bene?ov
  • Beroun
  • Brandýs nad Labem-Stará Boleslav
  • ?elákovice
  • ?eský Brod
  • Dob?í?
  • Kladno
  • Kolín
  • Kralupy nad Vltavou
  • Kutná Hora
  • M?lník
  • Neratovice
  • Nymburk
  • Pod?brady
  • P?íbram
  • Slaný

Klima

Prags mildes Klima wird sowohl von atlantischer wie auch kontinentaler Seite beeinflusst. Die mittlere Jahrestemperatur liegt um die 8 Grad Celsius, Minuswerte im Winter erreichten zuletzt (2006) bis zu ?17 °C, Pluswerte im Sommer bis zu 35 °C. Der meiste Niederschlag fällt im Sommerhalbjahr (Mai: 77 mm), das Winterhalbjahr ist verhältnismäßig trocken (Oktober bis März: 23 bis 32 mm). (Alle Daten bezogen auf die meteorologische Station am Flughafen Ruzyn?.) Gegenüber den langjährigen Mitteln der Jahre 1961 bis 1990 (internationaler Referenzzeitraum) sind in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Temperaturwerte um etwa 1 Grad und ein Rückgang der Niederschläge um rund 20 Millimeter zu beobachten (siehe auch die nebenstehenden Klimagrafiken für die Zeiträume 1961?1990, 1991?2005 und 1961?2005). Die Daten für die meteorologische Station in Karlov (Prager Neustadt) weisen sowohl höhere Temperaturen als auch geringere Niederschläge aus, dazu die wärmeren und trockeneren Tendenzen der vergangenen Jahre; zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Innenstadtlage die Wetterdaten stark beeinflusst.[3]

Bevölkerung

In der Hauptstadt Prag wohnen 1.184.075 Menschen, das sind weit über ein Zehntel der Gesamtbevölkerung des Landes. Die Mehrheit verteilt sich allerdings auf die zahlreichen Außenbezirke und auf die Neubaugebiete an den Stadträndern. Die historische Innenstadt hat lediglich etwa 40.000 Einwohner. Die Arbeitslosenquote liegt schon seit Jahren bei rund 3,4 Prozent der Prager Bevölkerung, das entspricht etwa 20.000 Arbeitslosen.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Prags
Die Besiedlung des Gebietes reicht bis ins Paläolithikum zurück. Das Prager Becken gehörte während der gesamten Ur- und Frühgeschichte zu den am dichtesten und nahezu durchgängig besiedelten Landschaften Böhmens. Erste slawische Gruppen stießen etwa ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts in das Gebiet vor. Im 9. Jahrhundert wurde die Prager Burg mit dem unterhalb im Bereich der heutigen Kleinseite liegenden Suburbium und im 10. Jahrhundert eine zweite Burg auf dem Vy?ehrad als Sitz der P?emysliden angelegt. Im Schutz der beiden Burgen entwickelten sich auf beiden Seiten der Moldau Ansiedlungen deutscher und jüdischer Kaufleute und einheimischer Handwerker. Um 1230/1234 ließ König Wenzel I. die größte dieser Siedlungen an der Moldaubiegung befestigen und erteilte ihr das Stadtrecht. Prag wurde damit zur königlichen Residenzstadt der böhmischen Herrscher. Sein Sohn P?emysl Ottokar II. vertrieb die auf dem anderen Moldauufer unterhalb der Burg ansässige tschechische Bevölkerung und gründete 1257 die erste Prager Neustadt, die heutige Kleinseite (Malá Strana). Als dritte Prager Stadt wurde vor 1320 von den Burggrafen die abhängige Hradschin-Stadt (auch Burgstadt, Hrad?any) unmittelbar westlich der Burg angelegt. Unter Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel IV. erblühte die Stadt als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wirtschaftlich, kulturell, politisch und auf vielen weiteren Gebieten. Hier wurde 1348 die Karls-Universität als erste Universität in Mitteleuropa gegründet. Die Prager Universität war somit die erste deutsche Universität. Durch den Bau der Prager Neustadt im selben Jahr wurde die Agglomeration mit weit über 40.000 Einwohnern viertgrößte Stadt nördlich der Alpen und hinsichtlich ihrer Fläche drittgrößte Stadt in Europa. Ab dem Jahr 1419 wurde sie jedoch in den Hussitenkriegen schwer erschüttert und teilweise zerstört. Ende des 16. Jahrhunderts machte Kaiser Rudolf II. Prag wieder zur Residenzstadt. Von dieser Zeit zeugen prachtvolle barocke Palais und Kirchen. Durch den zweiten Prager Fenstersturz wurde dann der Dreißigjährige Krieg ausgelöst und auch der Siebenjährige Krieg hinterließ Spuren. Um 1900 war das nach außen weltoffene Prag Sitz der ersten im Gebiet des mittelalterlichen Deutschen Reiches gegründeten Universität, einem Treibhaus für Künstler und nachwachsende Literaten. Allein drei Dichterkreise wetteiferten miteinander: Den engeren Prager Kreis bildeten Max Brod und seine Freunde Franz Kafka, Felix Weltsch und Otto Baum. Der Verein ?Wefa? umfasste viele Autoren, die heute kaum noch bekannt sind, wie z. B. Friedrich Adler. Einem anderen Verein, der neuromantische Kreis Jung-Prag gehörten zum Beispiel Rilke, Gustav Meyrink, der beruflich in Prag zu tun hatte, und der junge Franz Werfel an. In dieser Zeit war Prag als Stadt des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn durch einen regen Austausch zwischen den Nationalitäten geprägt. Um 1860 verlor Prag seine seit dem Mittelalter bestehende deutsche bzw. deutschsprachige Bevölkerungsmehrheit. Bei der tschechoslowakischen Volkszählung von 1930 gaben noch 42.000 Prager Deutsch als Muttersprache an, sie lebten vor allem im Stadtzentrum (Stadtteile Altstadt und Kleinseite). Seit 1939 war Prag als Hauptstadt des Protektorates Böhmen und Mähren mit dem Deutschen Reich verbunden. 1939 lebten etwa 120.000 Juden in den böhmischen Ländern, viele davon in Prag. Von diesen wurden etwa 78.000 von den Nationalsozialisten ermordet. Als am 1. Mai 1945 in Prag die Nachricht vom Selbstmord Hitlers bekannt wurde, wurde die aus Berlin angeordnete dreitägige Trauerbeflaggung noch ohne Widerstand durchgeführt. Erst am Nachmittag des 4. Mai kam es in der Stadt zu einem Aufstand, der auch von den Truppen der Russischen Befreiungsarmee des Generals Wlassow unterstützt wurde, und zu Barrikadenkämpfen. Am 9. Mai erreichten die Truppen der Roten Armee Prag und konnten es nach Kämpfen einnehmen. Auf Anordnung Stalins wurden viele Angehörige der Prager Einheiten der Wlassow-Armee ebenso wie Wlassow selbst inhaftiert. Unmittelbar nach Kriegsende im Mai 1945 wurden die Prager Deutschen fast ausnahmslos vertrieben. Viele von ihnen wurden zunächst interniert, etwa 5.000 wurden umgebracht. 1945 wurden auch die in Prag ansässigen Ungarn enteignet und bis 1947 zum Teil nach Ungarn zwangsausgesiedelt. Das ganze 20. Jahrhundert hindurch behielt Prag den Rang einer europäischen Metropole. Dem konnten weder die deutsche noch die sowjetische Besetzung oder der autoritäre Kommunismus sowjetischer Prägung etwas anhaben. Während des Prager Frühlings 1968 wurde auf friedliche Weise versucht, den vorherrschenden autoritären Sozialismus durch einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zu ersetzen. Dies wurde von Truppen des Warschauer Pakts mit Waffengewalt niedergeschlagen. 1989 war Prag Schauplatz der so genannten Samtenen Revolution, die das Ende des sozialistischen Regimes in der damaligen Tschechoslowakei bedeutete. Zudem haben die Ereignisse in der bundesdeutschen Prager Botschaft, als Zufluchtsort von Flüchtlingen aus der DDR, gesamtdeutsche Geschichte geschrieben.

Einwohnerentwicklung

| valign="top" width="30%"| | valign="top" | |- |}

Politik und Verwaltung

Die Organe der Hauptstadt Prag sind: Stadtvertretung (Zastupitelstvo hlavního m?sta Prahy), Stadtrat (Rada) und Oberbürgermeister (Primátor). Die siebzigköpfige Stadtvertretung wird in den allgemeinen Kommunalwahlen per Verhältniswahl gewählt. Diese wählt danach aus eigenen Reihen den elfköpfigen Stadtrat und den Primátor. Der Primátor ist das Stadtoberhaupt. Seit der Verwaltungsreform von 2000 ist das Stadtgebiet Prags eine selbstständige höhere selbstverwaltende Gebietseinheit und steht so den weiteren 13 Regionen (Kraj) Tschechiens gleich. Der Primátor Prags erfüllt sogleich die Aufgaben des Hauptmanns einer Region. Jede Verordnung und der Etat der Stadt müssen durch die Stadtvertretung verabschiedet werden. Das Stadtverwaltungsamt ist das Magistrat. Seine Aufgabenbereiche sind die Selbstverwaltung der Stadt auf Gesamtebene und Ausführung der übertragenen Staatsgewalt, sobald diese nicht den kleineren Selbstverwaltungseinheiten zusteht. Ab dem 1. Juli 2001 wird die Stadt in 57 Stadtteile (m?stská ?ást) und 22 Verwaltungsbezirke (správní obvod) geteilt. Die Verwaltung der einzelnen Stadtteile wird Stadtteilbehörde genannt (z. B. Ú?ad m?stské ?ásti Praha 1). Die Stadtteile verfügen im Rahmen der Selbstverwaltung über ähnliche Strukturen wie die ganze Stadt: Stadtteilvertretung, Rat und Bürgermeister. Die Stadtteile sind mit anderen in 22 Verwaltungsbezirke zusammengeschlossen (manche Stadtteile bilden den Verwaltungsbezirk nur allein). In diesen Verwaltungsbezirken befindet sich immer eine Stadtteilbehörde, welche schwierigere Verwaltungsaufgaben für alle Stadtteile im Verwaltungsbezirk übernimmt. Man nennt diese Behörden auch Zuständige Behörden (pov??ený ú?ad).

Sitzverteilung in der Stadtvertretung

Die letzten Kommunalwahlen fanden Ende Oktober 2006 statt. Die ODS unter Pavel Bém wurde wieder zur stärksten Partei gewählt. Das Stadtparlament hat nach der Wahl 2006 69 Abgeordnete (2002: 70). Die Ergebnisse der letzten beiden Wahlen[4]:

Sitzverteilung im Stadtrat

(1 Oberbürgermeister, 4 Stellvertreter, 6 Ratsherren)[5]
  • Sankt Petersburg, Russland (1991)
  • Phoenix, USA (1992)
  • Moskau, Russland (1995)
  • Berlin, Deutschland (1995)
  • Kyoto, Japan (1996)
  • Paris, Frankreich (1997)
  • Taipeh, Republik China (2001)
  • Brüssel, Belgien (2003)

  • Wirtschaft und Infrastruktur

    Die Hauptstadt der Tschechischen Republik gehört traditionell zu den wichtigsten wirtschaftlichen Zentren des Landes. Neben einer bedeutenden Filmindustrie und dem wohl wichtigsten Zweig, dem Tourismus, verfügt die Stadt auch über eine ansehnliche verarbeitende Industrie. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2002 620 Mrd. Kronen (d.h. 25,7 % des gesamten BIP, in Marktpreisen) mit einem sehr hohen Ergebnis je Kopf der Bevölkerung (226 % des Landesdurchschnitts und ? nach Kaufkraftparitäten). Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Prag einen Index von 138.2 (EU-25:100) (2003).[6]
    • Schulden
      • 970 ? pro Einwohner (2003)
    • Schulden gesamt
      • 35 Mrd. Kronen, entspricht 1,08 Mrd. ? (2003)
    • Arbeitslose
      • 21.678, entspricht 3,4 % (Juni 2002)

      Verarbeitende Industrie

      Die verarbeitende Industrie Prags macht 7,6 Prozent der Gesamtproduktion des Landes aus, die Stadt nimmt damit in der regionalen Struktur die 5. Stelle ein von insgesamt 14 Regionen (kraje). Die Industriegebiete liegen besonders im Nordosten und im Südwesten der Stadt. Auf dem Stadtgebiet gab es 2003 733 Industriebetriebe (ab 20 beschäftigte Personen) mit insgesamt 111 Tausend Beschäftigten. Bild:Prag_wirt1_2002.png|Wirtschaft Prags 2002 (in Mio. Kronen) Bild:Prag_wirt2_2002.png|Wirtschaft Prags 2002 (in Prozent) Dem Umfang nach nehmen hier zwei Branchen eine herausragende Stellung ein: die Herstellung von Nahrungsmitteln und von elektrischen und optischen Geräten, beide Branchen mit einem Volumen von etwa 33.000 Mio. Kronen im Jahre 2002 (oder etwa 12 Prozent Anteil an der Produktion der Tschechischen Republik); besonders stark ist die Herstellung von Rundfunk- und Fernsehgeräten vertreten (20 Prozent der Gesamtproduktion). Gefolgt werden diese zwei Branchen durch die polygrafische Industrie mit knapp 24.500 Mio. Kronen Produktion; die Stellung dieses Zweiges wird dadurch unterstrichen, dass Prag in diesem Zweig infolge einer großen Konzentration (mit 44 Prozent der Gesamtproduktion) prozentual die erste Stelle in der Tschechischen Republik einnimmt. Im Stadtgebiet sind jedoch auch weitere traditionelle Industriezweige angesiedelt:
      • Metallverarbeitung
      • Maschinenbau
      • Chemie einschl. der pharmazeutischen Industrie
      • Baustoffe einschl. Produkte aus Mineralien (Glas, Porzellan, Keramik)
      • Transportmittelherstellung, hier dann insbesondere Schienenfahrzeuge (wie Straßenbahnen der Marke Tatra), ferner Krafträder (hier die Traditionsmarke Jawa), aber auch kleine und leichte Flugzeuge (und deren Wartung und Reparatur); vom Produktionsvolumen nicht beeindruckend, jedoch mit einem Anteil von 23 Prozent an der Produktion des Landes
      Andere Branchen spielen eine eher untergeordnete Rolle.

      Verkehr

      Prag ist ein europäischer Verkehrsknotenpunkt. Im Westen befindet sich eine Autobahnanbindung, die über Pilsen (Plze?) in Richtung Nürnberg führt, und im Osten über Brünn (Brno) bis Bratislava. In nördlicher Richtung existiert eine Autobahn bis nach Lovosice. Sie wird derzeit in Richtung Dresden weitergebaut. Am 21. Dezember 2006 wurde ein weiteres Teilstück zwischen Ústí nad Labem und der tschechisch-deutschen Grenze eröffnet. Dort schließt die D8 an die deutsche A 17 an. Wichtigste Bahnhöfe sind der Prager Hauptbahnhof, Bahnhof Hole?ovice, Bahnhof Smíchov und Masaryk-Bahnhof. Der Prager Flughafen befindet sich in Ruzyn? im Nordwesten der Stadt. Außerdem besitzt Prag einen Moldauhafen.

      Öffentliche Verkehrsmittel

      Siehe auch: Verkehrsgesellschaft der Hauptstadt Prag Das Rückgrat des Öffentlichen Personennahverkehrs bildet die Prager Metro mit derzeit drei Linien sowie ein dichtes Netz von Straßenbahnen. Vor allem in den Außenbezirken werden sie durch zahlreiche Buslinien ergänzt. Die drei U-Bahn-Linien A (Dejvická ? Depo Hostiva?), B (Zli?ín ? ?erný most) und C (Let?any ? Háje) kreuzen sich im Zentrum Prags an den drei Stationen M?stek (A|B), Muzeum (A|C) und Florenc (B|C). Die beiden wichtigen Fernbahnhöfe Hauptbahnhof (Hlavní nádra?í) und Hole?ovice (Nádra?í Hole?ovice) sind über die Linie C erreichbar, die für den Regionalverkehr wichtigen Bahnhöfe Smíchov (Smíchovské nádra?í) und Masaryk-Bahnhof (Masarykovo nádra?í) über die Linie B. Die U-Bahnen verkehren zwischen 5:00 und 24:00 Uhr. Das Prager Straßenbahnnetz umfasst rund 25 (Tag-)Linien[7], die an zahlreichen Umsteigestationen untereinander und mit den U-Bahn-Linien verknüpft sind und teilweise bis in die Außenbezirke der Stadt fahren. Sie sind in der Regel ebenfalls zwischen 5:00 und 24:00 Uhr unterwegs. In Ergänzung dazu und als Ersatz für die U-Bahn verkehren zwischen 0:00 und 5:00 Uhr neun Nacht-Straßenbahnlinien, die eine zentrale Umsteigehaltestelle Lazarská (in der Nähe des Karlsplatzes ? Karlovo nám?stí) besitzen. Das Netz der Nachtstraßenbahnen wird durch einige Nachtbuslinien ergänzt. Einige Bereiche rund um die Innenstadt sowie die meisten Außenbezirke werden durch Buslinien erschlossen. Ferner existiert ein Netz von regelmäßig verkehrenden, mit S-Bahnen vergleichbaren Vorortzügen der Tschechischen Bahnen (Esko), die zusammen mit den anderen Verkehrsträgern weitgehend in einem Verkehrsverbund (Pra?ská integrovaná doprava, PID) organisiert sind. Ein besonderes Verkehrsmittel stellt die eine übriggebliebene von früher zwei existierenden Standseilbahnen dar, die seit 1891 eröffnete Pet?ín-Standseilbahn, die mit zwei Unterbrechungen von der Straßenbahnhaltestelle Újezd auf den Berg Pet?ín verkehrt. Die zweite Bahn dieser Art, die Letná-Standseilbahn, war nur von 1891 bis 1916 in Betrieb. Seit 1996 existiert mit dem Mövenpick-Schrägaufzug noch ein weiteres einer Standseilbahn technisch ähnliches kleineres Verkehrsmittel mit nur einer Kabine, das die Stadt mit dem höher gelegenen Mövenpick-Hotel verbindet. Von 1936 bis 1972 verkehrten in Prag auch mehrere Obuslinien, die jedoch in letzterem Jahre zugunsten dem Ausbau der U-Bahn sowie neuer Straßenbahnlinien wieder eingestellt wurden.

      Bildung

      Neben der ältesten Universität in Mitteleuropa, der 1348 gegründeten Karls-Universität Prag, wurde 1863 in der Stadt die Tschechische Technische Universität Prag gegründet. Die weiteren Universitäten der Stadt sind die Tschechische Agraruniversität Prag, die Universität für Chemie und Technologie, Prag, die Wirtschaftsuniversität Prag und die Polizeiakademie der Tschechischen Republik. Zu den öffentlichen Kunsthochschulen zählen die Akademie der musischen Künste in Prag, die Akademie der Bildenden Künste, Prag und die Akademie für Kunst, Architektur und Design Prag. Neben dem existiert in der Stadt eine Vielzahl von Schulen sowie weiteren öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen. Auch die Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik hat ihren Sitz in Prag. Die zahlreichen Forschungsinstitute sind über das ganze Stadtgebiet verteilt. In Prag siedelt die Tschechische Nationalbibliothek.

      Kultur

      Hauptartikel: Kunst und Kultur in Prag
      Als eine der ältesten und größten Städte in Mitteleuropa, die von den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben ist, ist Prag heute auch als touristisches Ziel von großer Bedeutung. Seit 1992 zählt das historische Zentrum von Prag zum UNESCO-Welterbe. Die Architektur Prags ist sehr vielfältig. Der Kaufmann Ibrahim ibn Jaqub bezeichnete in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts Prag als ?die Stadt gebaut aus Stein und Kalk? oder ?Steinernes Prag?. Weitere Bezeichnungen für Prag waren Praga totius Bohemiae domina (Prag, die Herrin von ganz Böhmen) und Praga mater urbium (Prag, die Mutter aller Städte). Im Mittelalter wurde Prag als Praga caput regni (Prag, das Haupt des Königreichs) bezeichnet. Von Karl IV. wurde Prag auch die ?Goldene Stadt? genannt. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde sie auch die ?Stadt der hundert Türme? genannt.

      Innenstadt

      Am bekanntesten sind sicher die Prager Burg mit dem Veitsdom, die Karlsbrücke und der Altstädter Ring mit Teynkirche, Ungelt, Rathaus und astronomischer Uhr (Orloj). Aber auch die zweite mittelalterliche Burg, der Vy?ehrad mit der St. Peter-und-Pauls-Kirche gehört zu den bekannteren Bauwerken. Die Prager Altstadt wird besonders durch ihre alten Häuser, die oft bis in die Romanik und Gotik zurückreichen, ihre zahlreichen Kirchen und romantischen Gassen geprägt. Auf der Kleinseite und in der Hradschin-Stadt dominieren dagegen Palais aus der Renaissance und dem Barock, darunter auch das Palais Lobkowicz mit der Deutschen Botschaft Prag, die 1989 als Zufluchtsort von Flüchtlingen aus der DDR gesamtdeutsche Geschichte schrieb. Unweit der beiden Stadtteile liegt das Kloster Strahov. Wären dagegen in der Neustadt nicht das Neustädter Rathaus am Karlsplatz und viele gotischen und barocken Kirchen und Klöster, würde man kaum vermuten, dass auch sie bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts gegründet wurde. Dies gilt besonders für den belebtesten Platz in Prag, den Wenzelsplatz, der als von mondänen Einkaufspassagen gesäumter Boulevard kaum noch an seinen mittelalterlichen Ursprung erinnert. Nur die Kirche St. Maria Schnee gibt noch ein Zeugnis seiner großen Bedeutung schon in früherer Zeit. Berühmt ist Prag ebenso für seine zahlreichen Jugendstilbauten. In Prag konnte sich der Kubismus auch in der Architektur entfalten (z.B. in Adolf Loos' Villa Müller). Auch die moderne Architektur ist mit einigen exzeptionellen Bauten wie Frank Gehrys ?Ginger and Fred? oder dem Prager Fernsehturm vertreten. Ein weiterer bemerkenswerter Aussichts- und Sendeturm ist der dem Eiffelturm nachempfundene Pet?ínská rozhledna. Der 60 Meter hohe Turm wurde 1891 errichtet. Die Stadt wird besonders geprägt durch die Moldau, die von 13 großen Prager Brücken aus verschiedenen Zeiten überspannt wird.

      Kunst- und andere Spaziergänge

      In der Prager Altstadt, am Burgberg, im Judenviertel Josefstadt und in anderen Bereichen der Innenstadt sind mehrere kulturgeschichtliche Routen markiert, denen man auch ohne spezielle Kenntnisse oder einen Kunstführer zielgerichtet folgen kann. Zu den beliebtesten Spaziergängen der Innenstadt gehören unter anderem: die Karlsbrücke, der Kaisergarten am Hradschin, der Volksgarten zwischen dem rückwärtigen Teil des Hradschins und der Kleinseite, sowie das Gebiet um die Sternwarte und den Aussichtsturm am Pet?ín.

      Außenbezirke

      Auch außerhalb der Innenstadt gibt es zahlreiche weitere touristisch besuchte Orte wie den durch die Schlacht am Weißen Berg 1620 berühmt gewordenen Weißen Berg (Bílá Hora) mit dem Renaissance-Jagdschloss Schloss Stern, das unweit gelegene Benediktinerkloster B?evnov, das barocke Schloss Trója mit seinen wunderschönen Deckengemälden und den Prager Zoo im selben Stadtteil sowie viele andere mehr.

      Museen

      Die Stadt beherbergt eine Vielzahl von Museen. Das älteste, größte und wohl auch bekannteste ist das Nationalmuseum (Národní muzeum) mit seinem weithin sichtbaren Hauptgebäude an der südöstlichen Schmalseite des Wenzelsplatzes. Innerhalb des Prager Stadtgebietes gehören dazu außerdem das Historische Museum im Lobkowitz-Palast (Lobkowický palác) auf der Prager Burg (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Residenz der deutschen Botschaft in der Kleinseite), das Lapidarium (Lapidárium) im Ausstellungsgelände Výstavi?t?, das Antonín-Dvo?ák-Museum (Muzeum Antonína Dvo?áka) in der Villa Amerika und das Bed?ich-Smetana-Museum (Muzeum Bed?icha Smetany) in einem ehemaligen Wasserwerk in der Nähe der Karlsbrücke. Die Ausstellungen der Nationalgalerie (Národní galerie v Praze) verteilen sich ebenso über das gesamte Stadtgelände, sie finden sich u. a. im Agneskloster (Klá?ter svaté Ane?ky ?eské, Kunst des Mittelalters), im Palais Sternberg (?ternberský palác, Kunst vom 14. bis 18. Jahrhundert) unweit der Prager Burg und im Ausstellungspalast (Veletr?ní palác, Kunst vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart) im Stadtteil Hole?ovice. Die Geschichte der Stadt zeigt das Museum der Hauptstadt Prag (Muzeum hlavního m?sta Prahy) in der Nähe des Busbahnhofs Florenc. Weithin bekannt sind auch das Mucha-Museum (Muchovo muzeum) unweit des Prager Hauptpostamts und das Jüdische Museum (?idovské muzeum v Praze, gegründet 1906) mit seinen verschiedenen Einrichtungen im Stadtteil Josefov. In der Villa Bertramka (Vila Bertramka) im Stadtteil Smíchov informiert eine Ausstellung über das Leben und Werk Wolfgang Amadeus Mozarts in Prag und das der Musikerfamilie Du?ek. Zu den ausgefalleneren Museen gehört sicher das Biermuseum der Brauerei Staropramen, ebenfalls in Smíchov. In Praha - St?e?ovice befindet sich ein Museum des öffentlichen Personennahverkehrs Prag im historischen Straßenbahnbetriebshof.

      Theater

      In Prag gibt es unzählige große und kleine Bühnen. Neben dem Nationaltheater (Národní divadlo mit Schauspiel, Oper, Ballett) und der Staatsoper (Státní opera) ist international vor allem die Laterna Magica bekannt, ein avantgardistisches Theater in der dem Nationaltheater angeschlossenen ?Neuen Szene? (Nová scéna), das eine originelle Verflechtung von Film, Licht, Musik, Ballett und Pantomime darbietet. Auch das Schwarze Theater, bestehend aus Pantomime und Lichteffekten auf schwarzem Hintergrund, ist sehenswert. Im Theater am Geländer (Divadlo na zábradlí) begann Václav Havel als Bühnenarbeiter. Kultstatus unter Tschechen hat das Jára-Cimrman-Theater. Im klassizistischen Ständetheater (Stavovské divadlo) im Herzen der Altstadt wurden zwei Opern von Wolfgang Amadeus Mozart uraufgeführt (La Clemenza di Tito und Don Giovanni).

      Musik

      Der Klang der Tschechischen Philharmonie (?eská Filharmonie) aus Prag ist durch sein musikalisches Feuer und seine klangschöne Weichheit leicht erkennbar und weltweit geschätzt.

      Nachtleben

      Prag hat eine Vielzahl von Kneipen, Bars, Clubs, Jazz-Clubs und Discos.

      Kneipen

      U Flek? war ursprünglich eine typische Prager Kneipe. Heute ist sie wegen ihrer Bekanntheit ein Lokal mit Restaurant, zu dem Touristen in Bussen gefahren werden. U Flek? braut das nur dort ausgeschenkte dunkle Bier mit einer Stammwürze von 13 ° in der hauseigenen Brauerei. Es gibt keinen Außerhausverkauf. Das Marquis de Sade (benannt nach Donatien Alphonse François de Sade) und das U Malého Glena (= beim kleinen Glen) sind Kneipen, in denen unter anderem Live-Jazz und Blues gespielt werden. Viele Musiker kommen aus dem Ausland und leben nur zeitweise in Prag. Jo's Bar und U Glaubic? sind benachbarte Kneipen mit Restaurant auf der Prager Kleinseite mit sehr tiefen, historischen Kellergewölben. Der Keller von U Glaubic? ist über 700 Jahre alt.

      Clubs

      Karlovy lázn? (Karls Bäder) sind 5 Musikclubs mit 5 verschiedenen Musikrichtungen auf 6 Stockwerken (Keller eingeschlossen). Einige der Stockwerke haben Discocharakter, andere haben Kneipen- oder Clubcharakter. Da diese Einrichtung in ihrer Form einzigartig ist, schreibt sie über sich ?größte Einrichtung ihrer Art in Mitteleuropa?. Auf Grund der Vielseitigkeit der einzelnen Clubs und des hohen Standes der technischen Ausrüstung sind in Karlovy lázn? verschiedene Altersgruppen sowie viele verschiedene Nationalitäten anzutreffen. Am Wenzelsplatz befinden sich zwei weitere größere Clubs: Das Duplex ist ein bekannter Dance-Club, der auch bei Prominenten beliebt ist. So feierte Mick Jagger hier 2003 während der Rolling Stones-Tournee ?40 Licks? seinen 60. Geburtstag. Gegenüber auf der anderen Seite des Wenzelsplatzes liegt in einem Kellergeschoss der Ende 2004 eröffnete Dance Club Stonx. Im Roxy wird Musik aus verschiedenen Richtungen live und aus der Kiste gespielt. Das Chateau, ehemals das Chapeau Rouge ist ein Club mit Cocktailbar, Biertheke und Tanzfläche. Das Radost FX ist auch ein beliebter Club ähnlich wie das Palác Akropolis. Wer beim Clubbing allerdings auch mal auf ein paar Tschechen treffen will, sollte auf jeden Fall auf das House-Boat ?U Bukanýra? gehen. Ebenfalls in der Hinsicht zu empfehlen ist das Mecca in der U Pr?honu im Stadtteil Hole?ovice im mittleren Bogen der Moldau. Für den Ausklang eines gelungenen Abends bietet sich der ?Studio 54? in der Hybernská an (nahe Hauptbahnhof), der von 5 Uhr morgens bis 12 Uhr Mittags gut gefüllt ist.

      Jazz

      Der 1958 gegründete Reduta Jazz Club ist wahrscheinlich der bekannteste Jazz Club der Stadt. So bekannt, dass hier 1994 sogar der damalige US-Präsident Bill Clinton einen Saxophon-Auftritt aufs Parkett legte. Geboten wird ein sehr vielseitiges Programm an verschieden Jazz-Richtungen. Bei den einheimischen Jazz-Fans ist das AghaRTA Jazz Centrum, benannt nach einem Album des Jazz-Trompeters Miles Davis, sehr beliebt.

      Sport

      Eishockey und Fußball sind die beliebtesten Sportarten in Prag, Sparta Prag und Slavia Prag sind die zwei bedeutenden Clubs. Slavia Prag hat als Spielstätte das bis Mai 2008 erneuerte Stadion Eden, Sparta Prag die AXA Arena, die jeweils 21.000 bzw. 20.374 Zuschauer fassen. Das 1926 erbaute Strahov-Stadion ist mit einem Fassungsvermögen von 250.000 Personen nach wie vor das größte der Welt und wurde zu Zeiten des Kommunismus für Massenveranstaltungen genutzt. Bekannte Mehrzwecksporthallen sind die T-Mobile Arena und die 2004 eröffnete 18.000 Zuschauer fassende O2 Arena, in denen vor allem Eishockey gespielt wird. Regelmäßig finden seit 1995 im Frühjahr sowie im Frühherbst international besetzte, aber auch jedermann zugängliche Laufveranstaltungen statt, darunter unter anderen ein Halbmarathon (2007 im März), ein Juniorenmarathon (2007 ebenfalls im März) und ein Marathon (2007 im Mai). Der Marathon wird zur Zeit als Volkswagen-Marathon vermarktet.

      Persönlichkeiten

      Ehrenbürger der Stadt Prag

      • Mikolá? Ale? (1852?1913), tschechischer Maler und Illustrator
      • Mordechai Maisel (1528?1601), bekannter Rabbi und Gemeindevorsteher in Prag-Josefstadt, Gründer der Maiselsynagoge und Sponsor des Rathausbaues
      • Emmanuel von Canal (1745?1826), böhmischer Botaniker und Philanthrop
      • Karl Chotek von Chotkow (1783?1868), böhmischer Gouverneur und österr. Minister
      • Josef Ladislav Jandera (1776?1857), tschechischer Gelehrter und Rektor der Prager Universität
      • Charles Mackerras (*1925), australischer Dirigent, Tschechische Philharmonie
      siehe auch: Liste Prager Persönlichkeiten

      Literatur

      Bibliografie

      • LitDok Ostmitteleuropa (Herder-Institut Marburg)

      Deutsch

      • Detlev Arens: Prag. Kultur und Geschichte der ?Goldenen Stadt?. DuMont-Kunst-Reiseführer. 3., aktualisierte Auflage. DuMont, Ostfildern 2005, ISBN 3-7701-4303-5
      • Michael Bussmann, Gabriele Tröger: Prag. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. M. Müller, Erlangen 2005, ISBN 3-89953-205-8
      • Sabine Herre: Prag. Polyglott-Reisebuch. München 2004, ISBN 3-493-60381-9
      • Jind?ich Lion: Jüdisches Prag ? Jewish Prague. Mandelbaum-Verlag, Wien 2005, ISBN 3-85476-139-2
      • Jozef Petro, Karin Werner: Prag und Umgebung. 6., komplett aktualisierte Auflage. Reise-Know-how-Verlag Rump, Bielefeld 2005, ISBN 3-8317-1310-3
      • Emanuel Poche: Prag. Ein Bildhandbuch. Kunstdenkmäler in der Tschechoslowakei. Ed. Leipzig, Leipzig 1978
      • Madeleine Reincke u. a.: Prag. Baedeker-Allianz-Reiseführer. 12. Auflage, völlig überarbeitet und neu gestaltet. Baedeker, Ostfildern 2005, ISBN 3-8297-1044-5
      • Dirk Rupnow: Täter, Gedächtnis, Opfer ? Das ?Jüdische Zentralmuseum? in Prag 1942-1945. 231 Seiten. Picus Verlag, Wien 2000. ISBN 3-85452-444-7
      • Harald Salfellner: Prag. Ein Reiseführer. Vitalis, Prag 2005, ISBN 3-89919-022-X
      • Harald Salfellner: Prager Cafes, Vitalis, Prag 2005, ISBN 3-89919-088-2
      • Vladimir Soukup u. a.: Prag. Vis-à-vis. Aktualisierte Neuauflage. Dorling Kindersley, München/Starnberg 2005, ISBN 3-928044-39-7
      • Alexander J. Schneller: That Jazz of Praha. Vierzehn Jazz-Portraits in Wort und Bild. Vitalis, Prag 2006, ISBN 3-89919-097-1

      Tschechisch

      • Marek La??ovka: Pra?ský uli?ník. Encyklopedie názv? pra?skych ve?ejných prostranství. Praha 1997 (ISBN 80-85983-24-9, ISBN 80-85983-23-0 und ISBN 80-85983-25-7 (Zwei Bände)
      • Pavel Preiss: Ital?tí um?lci v Praze: Renesance-Manýrismus-Baroko. 1986.
      • Václav Ledvinka: Pra?ské paláce: Encyklopedický ilustrovaný p?ehled. 1995.

      Quellen und Anmerkungen

      1. ^Alle Höhenangaben gerundet nach: Turistická mapa, Wanderkarte 1 : 50.000. Hrsg.: Klub ?eských turist?. Bl. 36. Okolí Prahy západ. 3. vydání, dotisk. TRASA, Prag 2004. ISBN 978-80-7324-006-6. Kartengrundlage: MO ?R (Ministerstvo obrany ?eské republiky, Verteidigungsministerium der Tschechischen Republik)
      2. ^Quelle: Praha. Pr?vodce a plán m?sta, Führer und Stadtplan, 1 : 20.000. 6., p?epracované vydaní (6., überarb. Aufl.). ?AKET, Praha 2004, ISBN 978-80-7233-160-4
      3. ^Datengrundlage: Tschechisches Hydrometeorologisches Institut (?eský hydrometeorologický ústav), speziell die Unterseiten mit Klimainformationen (englisch), dort fehlende Daten freundlicherweise für die Klimagrafik zur Verfügung gestellt.
      4. ^ Wahlergebnis 2006 nach: Abgeordnetenliste und Fraktionsliste; Zusammensetzung des Stadtrats 2006 nach: Liste der Stadträte (jeweils Stand: 5. Dezember 2006); Städtepartnerschaften nach: Partnerstädte (Stand: 17. Dezember 2006); alle auf www.praha-mesto.cz
      5. ^

        Verwaltungsbezirke

        Hauptartikel: Verwaltungsbezirke in Prag
        Zu Verwaltungszwecken ist Prag seit 2002 in 22 durchnummerierte Verwaltungsbezirke (správní obvod) gegliedert, die aus einem oder mehreren Stadtteilen (m?stská ?ást) bestehen, von denen es insgesamt 57 gibt. Die Stadtteile entsprechen im inneren Stadtraum nur selten den historisch gewachsenen Stadtvierteln oder den früh eingemeindeten Vororten und -städten; so setzt sich der Stadtteil 1 (gleichzeitig Stadtbezirk 1) aus den früheren Stadtvierteln Staré M?sto (Altstadt) und Josefov sowie Teilen der Stadtviertel Hole?ovice, Hrad?any (Hradschin), Malá Strana (Kleinseite), Nové M?sto (Neustadt) und (Královské) Vinohrady zusammen. Die Nummerierung der 22 Stadtbezirke durchzieht Prag in aufsteigender Folge spiralförmig im Uhrzeigersinn von innen nach außen. Die nachfolgende Liste gibt einen kurzen Überblick über die Stadtbezirke, in Klammern die dazugehörigen Stadtteile.
        • Prag 1 (Staré M?sto, Malá Strana, Hrad?any)
        • Prag 2 (Nové M?sto, Vinohrady)
        • Prag 3 (?i?kov)
        • Prag 4 (Kunratice, Mod?any)
        • Prag 5 (Slivenec, Smíchov)
        • Prag 6 (Lysolaje, Nebu?ice, P?ední Kopanina, Suchdol)
        • Prag 7 (Troja, Hole?ovice)
        • Prag 8 (Karlín, B?ezin?ves, ?áblice, Dolní Chabry, Horní Chabry)
        • Prag 9 (Prosek, Vyso?any)
        • Prag 10 (Hostiva?, Stra?nice, Vr?ovice)
        • Prag 11 (K?eslice, ?eberov, Újezd, Chodov, Háje)
        • Prag 12 (Libu?, Mod?any)
        • Prag 13 (?eporyje, Stod?lky, Butovice)
        • Prag 14 (Dolní Po?ernice)
        • Prag 15 (Dolní M?cholupy, Dube?, Petrovice, ?t?rboholy)
        • Prag 16 (Radotín, Lipence, Lochkov, Velká Chuchle, Zbraslav)
        • Prag 17 (?epy, Zli?ín)
        • Prag 18 (Let?any)
        • Prag 19 (Kbely, ?akovice, Satalice, Vino?)
        • Prag 20 (Horní Po?ernice)
        • Prag 21 (Újezd nad Lesy, B?chovice, Klánovice, Kolod?je)
        • Prag 22 (Uh?ín?ves, Benice, Kolovraty, Královice, Nedv?zí)
        Daneben gibt es in Prag noch Gliederungen in Katastergebiete (katastrální území, zur Zeit 112) sowie 10 Gerichts- und Postbezirke und 4 Polizeibezirke. Prag ist Verwaltungssitz der Mittelböhmischen Region, wobei Prag selbst nicht zu dieser Region dazugehört.

        Städtepartnerschaften

        Prag unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften. In Klammern das Jahr der Etablierung.
        • Hamburg, Deutschland (1990)
        • Frankfurt am Main, Deutschland (1990)
        • Chicago, USA (1990)
        • Nürnberg, Deutschland (1990)

        • Bamberg, Deutschland (1991)Städtepartnerschaft zwischen Bamberg und dem Prager Stadtteil 1; es bestehen weitere Partnerschaften zwischen diesem Stadtteil und europäischen Städten, siehe: Partnerstädte Prag 1
        • ^Eurostat News Release 63/2006: Regional GDP per inhabitant in the EU 25_rif1_
        • ^. Bedingt durch umfangreiche Bau- und Rekonstruktionsvorhaben werden auch 2007 zahlreiche Straßenbahnlinien umgeleitet und vorübergehend teilweise oder ganz eingestellt bzw. durch neue Teillinien oder Schienenersatzverkehr ersetzt.

      Weblinks

      • Tschechien Online ? Informationsportal über Prag und Tschechien mit täglich aktualisierten Informationen und über 5000 weiterführenden Links
      • digital Prague (englisch)
      • artax.karlin.mff.cuni.cz Kinos, Theater, Radiosender und alle öffentlichen Verkehrsmittel in Prag
      • offizielle Website der Stadt (tschechisch und englisch)

      Bildergalerie



      Bild:PRAG-237.JPG|Der Altstädter Ring ? im Hintergrund die Teynkirche Bild:prag_rathausturm_uhr.jpg|Rathausuhr Bild:prag_altstaedter_ring_st_nikolaus.jpg|St. Nikolaus am Altstädter Ring Bild:prag_karlsbrücke_brückenturm_altstadtseite.jpg|Karlsbrücke, Brückenturm auf der Altstadtseite Bild:prag_karlsbrücke_kleinseite.jpg|Karlsbrücke, Kleinseite Bild:prag_karlsbrücke_moldauufer.jpg|Karlsbrücke und Altstadt (Moldauufer) bild:Prag_Pulverturm.jpg|Pulverturm Bild:prag_obecni_dûm_gemeindehaus.jpg|Gemeindehaus (Obecní d?m) Bild:prag_obecni_dûm_gemeindehaus_eingang.jpg|Gemeindehaus (Obecní d?m), Eingang Bild:prag_obecni_dûm_café_innen.jpg|Gemeindehaus (Obecní d?m), Café, Innenansicht bild:prag_rudolfinum.jpg|Rudolfinum Bild:prag_ginger_u_fred_gehry.jpg|Ginger and Fred, Architekt: Frank Gehry


    This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the Wikipedia article "Prag".
    aus MailGate
    Martin Walser - Tod eines Kritikers (1)
    WHY NOT! Pages 1 to 18 Rest wird noch gepostet. Wer das PDF File haben will, was leider im Netz zensiert und abgemahnt wird (heise, telepolis nachlesen), schickt ne Mail an EINE der Adressen. PDF kommt dann irgendwann per Mail (363 KB): auto353379@hushmail.com auto352558@ziplip.com walsertek@ziplip.com walsertek@hushmail.com Converting file walser-tek.pdf *Pages 1--148* 1 Martin Walser Tod eines Kritikers Roman Erste Auflage 2002 Ó Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2002 Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Satz: Druck: Printed in Germany 1 2 3 4 5 6 – 07 06 05 04 03 02 1 2 FÜR DIE, DIE MEINE KOLLEGEN...

    -------------------------------------------------------------------------------
    Martin Walser - Tod eines Kritikers (1)
    WHY NOT! Pages 1 to 18

    Rest wird noch gepostet.

    Wer das PDF File haben will, was leider im Netz zensiert und abgemahnt
    wird (heise, telepolis nachlesen), schickt ne Mail an EINE der
    Adressen. PDF kommt dann irgendwann per Mail (363 KB):


    auto353379@hushmail.com
    auto352558@ziplip.com
    walsertek@ziplip.com
    walsertek@hushmail.com



    Converting file walser-tek.pdf

    *Pages 1--148*
    1
    Martin Walser
    Tod eines Kritikers
    Roman


    Erste Auflage 2002
    Ó Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2002
    Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des
    öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und
    Fernsehen, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in
    irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere
    Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert
    oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet,
    vervielfältigt oder verbreitet werden.
    Satz:
    Druck:
    Printed in Germany


    1 2 3 4 5 6 – 07 06 05 04 03 02
    1
    2
    FÜR DIE, DIE MEINE KOLLEGEN SIND
    Q U O D E S T
    S U P E R I U S
    E S T S I C U T
    I N F E R I U S
    2
    3
    I. VERSTRICKUNG
    Da man von mir, was zu schreiben ich mich jetzt veranlaßt fühle, nicht
    erwartet, muß ich wohl mitteilen, warum ich mich einmische in ein
    Geschehen, das auch ohne meine Einmischung schon öffentlich genug
    geworden zu sein scheint. Mystik, Kabbala, Alchemie, Rosenkreuzertum
    –,
    das ist, wie Interessierte wissen, mein Themengelände. Tatsächlich
    unterbreche ich, um mich in ein täglich mit neuen Wendungen
    aufwartendes Geschehen einzumischen, die Arbeit an meinem
    Buch Von Seuse zu Nietzsche. Es sind eher die Vorbereitungen zu diesem
    Buch, die ich unterbreche, als die Arbeit an ihm. Inhalt: In die
    deutsche Sprache kommt der persönliche Ton nicht erst durch Goethe,
    von dem Nietzsche gierig profitierte, sondern schon durch Seuse,
    Eckhart und Böhme. Weil das bürgerlich Geschriebene unsere
    Erlebnis-und Fassungskraft besetzt hat, haben wir, das Publikum,
    nicht wahrnehmen können, daß die Mystiker ihre Ichwichtigkeit
    schon so deftig erlebt haben wie Goethe und wie nach ihm Nietzsche.
    Nur waren sie glücklich und unglücklich nicht mit Mädchen, Männern
    und Frauen, sondern mit Gott ...
    Ich muß das erwähnen, weil durch mein sonstiges Schreiben gefärbt sein
    kann, was ich mitteile über meinen Freund Hans Lach. Beide, Hans
    Lach und ich, sind Schreibende.
    Ich war in Amsterdam, als es passierte. Bei Joost Ritman war ich,
    eingeladen, seine Sammlung anzuschauen. Mir ist kein Privater bekannt,
    der so viele Specimena der Mystik, Kabbala, Alchemie und des
    Rosenkreuzertums gesammelt hat wie Joost Ritman. Ich wohnte im
    Ambassade, wo ich in Amsterdam immer wohne, ich las beim Frühstück den
    NRC, den ich dort immer lese, und erfuhr, daß Hans Lach verhaftet
    worden ist. Mordverdacht. Obwohl es bei mir, sobald ich im Ausland
    bin,
    zu den Erholungsqualitäten gehört, nur die jeweils ausländischen
    Zeitungen zu lesen, besorgte ich mir sofort die Frankfurter
    Allgemeine. Da las ich nun, Hans Lachs neuestes Buch Mädchen ohne
    Zehennägel sei von André Ehrl-König in seiner berühmten
    und beliebten Fernseh-Show SPRECHSTUNDE unsanft behandelt worden. Der
    Autor habe den Kritiker, als der, wie es üblich sei, nach seiner
    Fernseh-Show in der Bogenhausener Villa des Ehrl-König-Verlegers
    Ludwig Pilgrim erschien, grob angepöbelt. Noch sei ungeklärt, wie es
    Hans Lach überhaupt gelungen sei, sich Zutritt zu der Party zu
    verschaffen, die Ehrl-Königs Verleger nach jeder SPRECHSTUNDE
    in seiner Villa veranstalte. Auf der Gästeliste sei Hans Lach nicht
    vorgesehen gewesen, weil es unüblich sei, Autoren, die unmittelbar
    davor in Ehrl-Königs SPRECHSTUNDE „dran" waren, nachher zur Party
    einzuladen. Hans Lach sei zwar selber Autor des PILGRIM Verlags,
    aber an diesem Abend hätte er nach den Regeln des Hauses
    nicht dabei sein dürfen. Hans Lach habe offenbar sofort gegen André
    Ehrl-König tätlich werden
    3
    4
    wollen. Als ihn zwei Butler hinausbeförderten, habe er ausgerufen: Die
    Zeit des Hinnehmens ist vorbei. Herr Ehrl-König möge sich vorsehen.
    Ab heute nacht Null Uhr wird zurückgeschlagen.
    Diese Ausdrucksweise habe unter den Gästen, die samt und sonders mit
    Literatur und Medien und Politik zu tun hätten, mehr als Befremden,
    eigentlich schon Bestürzung und Abscheu ausgelöst, schließlich sei
    allgemein bekannt, daß André Ehrl-König zu seinen Vorfahren auch
    Juden zähle, darunter auch Opfer des Holocaust. Auf dem Kühler von
    Ehrl-Königs Jaguar, der am nächsten Morgen immer noch vor der Villa
    des Verlegers stand, sei der berühmte gelbe Cashmere-Pullover, den
    der Kritiker in seiner Fernsehshow immer um seine Schultern
    geschlungen trage, gefunden worden. Von André Ehrl-König fehle jede
    Spur. Es sei in dieser Nacht fast ein halber Meter Neuschnee gefallen.
    München im Schnee-Chaos. Hans Lach sei schon am Tag danach unter
    Verdacht gestellt und, da er kein Alibi nachweisen konnte und nicht
    bereit war, auch nur eine einzige Frage zu beantworten, verhaftet
    worden. Sein Zustand wird als Schock bezeichnet.
    Ich konnte, als ich das las, gar nicht mehr richtig atmen. Aber ich
    wußte doch, daß Hans Lach es nicht getan hatte. So etwas weiß man,
    wenn man einen Menschen einmal mit dem Gefühl wahrgenommen hat.
    Und obwohl ich über seine Freundschaften nicht viel weiß, beherrschte
    mich, als ich das las, sofort eine einzige Empfindung: er hat außer
    dir keinen Freund.
    Ich rief sofort Joost Ritman an und sagte, daß ich sofort zurück nach
    München müsse. Als ich noch sagen wollte, warum ich sofort zurück
    müsse, merkte ich, daß das gar nicht so leicht mitzuteilen sei.
    Ich sagte: Ein Freund ist in eine Not geraten.
    Manchmal spricht man, wenn man
    genau zu sein versucht, wie ein Ausländer. Weil ich zu hastig
    aufgebrochen war, prüfte ich erst auf dem Bahnsteig, ob nichts
    vergessen worden sei. Der Ausweis fehlte. Man hatte ihn an der
    Rezeption erbeten und, weil ich es beim Aufbruch so eilig hatte,
    vergessen, ihn mir wiederzugeben.
    Hintelephoniert. Ein junger Asiate brachte ihn sofort. Ich
    versäumte den Zug, den ich herausgesucht hatte, nicht. Aber nach einer
    Stunde Fahrt blieb der Zug stehen, auf freiem, holländisch weitem
    Feld. Und keine Erklärung.
    Als einige Reisende schon laut wurden, endlich die Ansage: Deze trein
    is afgeschaft. Wir mußten aussteigen, auf den Ersatzzug warten.
    Für mich hing das alles mit Hans Lach, Ehrl-König und
    München-Bogenhausen
    zusammen. Mir sollte Zeit gegeben werden zu überlegen, ob ich wirklich
    so überstürzt nach München zurückfahren sollte, mußte, durfte. Meine
    Empfindung war unmißverständlich. Aber da, wo in einem gerechnet,
    berechnet und geprüft wird, meldete sich die Gegenstimme. Sind Hans
    Lach
    und ich wirklich befreundet? Der bekannte, fast populär bekannte Hans
    Lach und der im Fachkreis herumgeisternde Michael Landolf? Vielleicht
    sind wir nur befreundet, weil wir keine fünf Minuten (zu Fuß) von
    einander entfernt wohnen. Er in der
    4
    5
    Böcklin-, ich in der Malsenstraße, also im Malerviertel des lieblichen
    Stadtteils Gern. Wir passen beide besser hierher als nach Bogenhausen,
    hat Hans Lach einmal gesagt. Er ist allerdings deutlich jünger als
    ich.
    Hält also noch mehr für möglich als ich. Wir haben einander fast ein
    bißchen schamhaft gestanden, daß wir ohne die Gerner Nachbarschaft
    kaum Freunde geworden wären. Er, immer mitten im schrillen
    Schreibgeschehen, vom nichts auslassenden Roman bis zum atemlosen
    Statement, ich immer im funkelndsten Abseits der Welt. Mystik,
    Kabbala,
    Alchemie. Aber nachdem wir uns bei dem auch aktuell tendierenden
    Philosophieprofessor Wesendonck in dessen Grünwalder Villa
    kennengelernt hatten, haben wir keinen Grund empfunden, uns nicht mit
    einem sorgfältig betonten Auf Wiedersehn zu verabschieden. Zeitgeizig
    sind wir beide. Wir sind keine sogenannten engen Freunde, vielleicht,
    weil wir beide vorsichtig geworden sind. Ich noch mehr als er. Draußen
    bei Wesendoncks haben wir uns zwar gleich bei unseren Vornamen
    genannt.
    Das heißt aber nur, daß wir beide in der Welt, besonders in der
    englisch-amerikanischen, herumgekommen sind. Er hat mich gleich
    bei der zweiten oder dritten Anrede Michel genannt. Das tun, nach
    meiner
    Erfahrung, nur die, die es gut meinen mit mir, oder, sagen wir, die
    Herzlichen. Hans Lach ist eine Herzlichkeitsbegabung. Das spürte ich
    sofort. Wir haben beide bemerkt und es auch nicht vor einander
    verheimlicht, daß wir nicht zum engeren Kreis der hier Eingeladenen
    gehörten. Beide in Gern wohnend, teilten wir nachher ein
    Taxi, auch bei der Bezahlung, weil keiner sich vom anderen einladen
    lassen wollte oder konnte.
    Daß wir da beide gleich kleinlich waren, war mir sympathisch. Und wir
    sagten uns auf dem Heimweg auch die Gründe auf, die uns diese
    Einladung
    beschert hatten.
    Mich hat Wesendonck über die Kabbala ausgefragt, weil er ein Buch
    Gershom
    Scholems für die Süddeutsche rezensieren sollte. Daß ich, als mir
    Wesendonck das mitteilte, den typischen Enttäuschungsstich verspürte,
    gestand ich natürlich nicht. Ich, in nichts so zu Hause wie in Mystik,
    Kabbala, Alchemie, wurde nicht um diese Buchbesprechung gebeten, wohl
    aber der doch ganz und gar aktuell tendierende Wesendonck. Aber er
    hatte,
    bevor er mich ausgefragt hatte, selber gesagt, daß ihm diese
    Besprechung
    nur angeboten worden sei und er sie nur angenommen habe, weil er mit
    Gershom Scholem befreundet gewesen sei. Hans Lach führte sein
    Eingeladenwordensein darauf zurück, daß er in der Frankfurter
    Allgemeinen gerade ungut behandelt, ja sogar richtig beschimpft worden
    sei, als Populist. Und zwar von einem der Herausgeber persönlich.
    Dadurch sei er für Wesendonck einladbar geworden. Wesendonck habe ihn,
    Hans Lach, diesen Abend lang richtig geprüft, ob er in die
    Wesendonckphalanx passe. Ich müsse ja bemerkt haben, daß Wesendonck
    den Namen jenes Herausgebers immer mit dem Zusatz Faschist versehen
    habe. Diese Schmähfloskel stammte
    5
    6
    deutlich aus den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Aber die,
    die sie damals im Mund führten, konnten offenbar auch jetzt, obwohl
    selber deutlich gealtert, nicht darauf verzichten.
    Obwohl ich nirgends dazugehöre – wer geschichtsträchtige Bücher
    schreibt, kann die Abende nicht verplaudern –, kriege ich, weil ich,
    wenn ich erschöpft bin, Zeitungen durchblättere, doch mit, wer gerade
    mit wem und wer gegen wen ist. Den Rest sagt mir Professor Silberfuchs
    im Kammerspiel-Foyer oder am Telephon. Er ist, wie er es selber
    fröhlich ausdrückt, mit Gott und der Welt befreundet, und ich gehöre
    zu seinen Telephonnummern. Er hat mein Mystik-Buch über alle Maßen
    gelobt. In der Zeitung und im Radio. Dann mich angesprochen im Foyer
    der
    Kammerspiele. Er habe damit wirklich gewartet, aber als er mich zum
    vierten Mal auf dem Platz zwei Reihen vor sich gesehen habe, habe er
    sich und dann auch mich darauf hinweisen müssen, daß wir dem gleichen
    Abonnement angehörten. Als er hörte, daß ich in Gern wohnte, sagte er
    sofort: Hans Lach auch. Und sagte gleich noch dazu, daß er seinen
    Spitznamen Hans Lach verdanke. Und er sei überhaupt nicht beleidigt.
    Er finde, der von Hans Lach für ihn gefundene Spitzname könnte auch
    bei Wagner in den Meistersingern vorkommen. Jetzt mußte ich doch
    gestehen, daß ich seinen Spitznamen nicht kenne. Ach, rief er, wie
    lustig. Sie sind der einzige in ganz München, der den nicht kennt.
    Und es mache ihm überhaupt nichts aus, seinen Spitznamen
    selber zu verbreiten. Silbenfuchs habe Hans Lach ihn genannt, nachdem
    er, Professor Silberfuchs, den vorvorletzten Roman von Hans Lach in
    irgendeiner Konversation ein Werk von grandioser Selbstbehinderung
    genannt habe. Was man in München irgendwo sage, sage man immer der
    ganzen Stadt. Zumindest in der Kulturszene. Die sei nirgends
    so tratschselig wie in München. Das alles rauschte im Foyer auf mich
    ein, weil ich, als er sich als Harlachinger ausgewiesen hatte, mich
    zu Gern bekannte. Und Gern heißt für einen Professor der
    Literaturwissenschaft Hans Lach. Hans Lach sei inzwischen, sagte er
    noch schnell, weil das Klingelzeichen mahnte, doch fast schon zu
    prominent für das liebe Kleinbürgerviertel. Der gehört längst nach
    Bogenhausen, sagte der Professor. Und Ton und Schmunzeln konnten
    bedeuten, der Satz sei auch ironisch gemeint gewesen. Daß ich nicht
    nach Bogenhausen, sondern eben doch nach Gern gehörte, hatte der
    Professor mit diesem Satz sicher nicht sagen wollen. Ich hatte nicht
    vermeiden können, das herauszuhören.
    Keine Polizei der Welt würde mich eines Mordes verdächtigen. Hans
    Lach schon. Obwohl er den Mord so wenig begangen hat wie ich. Als
    ich las, was über Hans Lach in der Zeitung stand, überlegte ich
    nicht, ob er mich brauche oder nicht. Ich war nicht fähig, mir
    vorzustellen, daß es in München und in ganz Deutschland mehr als
    genug Menschen gäbe, die Hans Lach von diesem absurden Verdacht
    befreien würden. Gar nichts konnte ich mir vorstellen. Nicht
    einmal, daß ich aufdringlich wirken könnte. Er mußte Freunde haben,
    die viel ernsthafter seine Freunde waren
    6
    7
    als ich, der Zufallsnachbar. Mir ist sonst immer alles zu schnell
    peinlich. Und jetzt gar nicht. Hin mußte ich. Sofort. Nach München.
    Und hinaus nach Stadelheim.
    7
    8
    2
    Der Beamte, der mich an der Pforte abholte, sagte: Der Chef macht den
    Besuch selber. Wie lang, fragte ich. Er: Wenn ich den Besuch machen
    tät, könnte ich nur eine halbe Stunde erlauben, der Chef kann machen,
    so lange er will. Der Herr Oberregierungsrat wußte also immerhin,
    wer sein Untersuchungshäftling war. In einem polizeigrün gestrichenen
    Raum wurde ich an ein rundes Tischchen in der Ecke gesetzt, dann kam
    der Herr Oberregierungsrat mit seinem Häftling herein.
    Hans Lach und ich am Tischchen in der einen, der Beamte an dem
    Schreibtisch in der anderen Ecke. Als wolle er uns zeigen, daß er
    unser
    Gespräch nicht überwache, fing der Oberregierungsrat sofort mit dem
    Aktenstudium an. Hans Lach sah mich an, zuckte mit den Schultern und
    sagte mehr zu dem Beamten als zu mir hin: Rauchen darf man.
    Der Beamte: Man darf. Der Herr Oberregierungsrat sei heute offenbar
    besonders gut aufgelegt, sagte Hans Lach.
    Ob er sich über ihn beklagen wolle, fragte der Beamte. Sie müssen
    wissen, sagte Hans Lach zu mir, der Herr Oberregierungsrat fliegt
    jedes Jahr in seinem Urlaub nach Nepal und bringt von dort Videos mir,
    die er dann den Insassen hier vorführt. Hinter dem Berg, den Sie hier
    sehen, sagt er dann, liegt ein englisches Hotel, in dem haben wir
    schwedisches Bier getrunken. Der Herr Lach hat sich schnellstens über
    mich informiert, sagte der Oberregierungsrat. Drückte aber durch den
    Ton,
    in dem er das sagte, aus, daß er weiterhin konzentriert sei auf seine
    Arbeit, und an dem Gespräch dort am Tischchen nicht teilzunehmen
    gedenke.
    Das konnte nur heißen, Hans Lach und ich sollten nicht glauben, er
    höre
    unser Gespräch ab. Beamte sind viel fleißiger, als man denkt, sagte
    Hans
    Lach. Dann sagte er nichts mehr. Wenn der Beamte noch etwas gesagt
    hätte,
    hätte er sicher auch noch etwas gesagt. Er sah mich zwar an, aber
    nicht so, daß ich hätte fragen können: Wie geht es Ihnen. Er sah mich
    kein bißchen erwartungsvoll an oder neugierig. Er gähnte. Wollte das
    Gähnen aber höflich verbergen. Je länger ich ihn anschaute, desto
    weniger
    war es mir peinlich, daß ich nicht wußte, wie ich das Gespräch
    beginnen sollte. Ich war gekommen, um ihm zu sagen, daß ich wisse,
    er sei es nicht gewesen. André Ehrl-König hat sich durch seine Art,
    über Schriftsteller zu urteilen, sicher viele zu Feinden gemacht.
    Warum sollte sich ausgerechnet Hans Lach so vergessen! Es gab andere,
    die viel schlechter weggekommen waren. Durch Professor Silberfuchs
    hatte
    ich aus dieser Szene immer viel mehr erfahren als ich wissen wollte.
    Ich hoffte, Hans Lach begriff, warum ich gekommen war. Ich wollte
    etwas
    tun für ihn. Daß ich gekommen war, war ein Angebot. Er mußte darauf
    reagieren. Er sah mich ruhig an, vollkommen ruhig. Er erwartete nichts
    von mir. Wahrscheinlich hatte sein Verleger schon die besten Anwälte
    zusammengespannt. Wahrscheinlich empfing er an diesem Tischchen
    täglich
    8
    9
    seine Freunde und Freundinnen. Ich kam mir plötzlich ganz überflüssig
    vor. Ich hätte wirklich in Amsterdam bleiben sollen, Joost Ritmans
    Kabbala-Blätter anschauen,vergiß München, morgen wird das Feuilleton
    der
    Republik Hans Lach feiern, er wird Interviews und Interviews geben,
    das
    arme Schwein, der wirkliche Mörder, wird sein Geständnis
    herausstottern,
    die Mutter eine Prostituierte, er aufgewachsen im Waisenhaus, vom
    Kaplan
    vergewaltigt, seit dem siebzehnten Lebensjahr straffällig, mit
    achtundzwanzig – grade wieder mal aus dem Knast entlassen – schreibt
    er
    sein Leben auf, schickt das Manuskript André Ehrl-König, der läßt ihm
    durch seine Sekretärin mitteilen, daß er keine Anlaufstation sei für
    verpfuschte Biographien, also keimt in dem Knastheini eine Wut, er
    sieht
    Ehrl-König im Fernsehen, er fragt sich durch, ein Pförtner verrät ihm,
    wo gefeiert wird, nichts wie hin, gewartet im fallenden Schnee, bis
    der
    Star kommt, zugestochen ...
    Entschuldigen Sie, bitte, daß ich gekommen bin. Das konnte ich auch
    nicht sagen. Es war übereilt. Ein Gefühl eben. Gefühle sind immer
    übereilt.
    Gefühle dürfen übereilt sein. Gefühle müssen übereilt sein. Basta. Zum
    Glück brauchte er mich nicht. Was hätte ich denn tun können für ihn?
    Aber
    er sah mich nicht an, als wollte er sagen: Was wollen denn Sie hier.
    Er sah mich ruhig an. Tendenzlos. Fast ohne jede Stimmung. Er kratzte
    mit
    einer Hand auf dem Handrücken der anderen. Er nahm mir nichts übel.
    Daß
    wir beide so sitzen konnten, ohne etwas zu sagen, daß dieses
    Nichtssagen
    überhaupt nicht peinlich war, das empfand ich als eine Art
    Übereinstimmung
    mit ihm. Er fand, daß ich gekommen war, nicht aufdringlich. Mit wem
    hätte ich eine Stunde lang so sitzen können, ohne etwas zu sagen! Mit
    wem
    hätte er ... ach, erschon eher, er war es vielleicht gewohnt, daß man,
    wenn er nichts sagte, auch nichts sagte.
    Wenn ich, obwohl er so
    deutlich nichts sagen wollte, doch angefangen hätte, etwas zu sagen,
    irgendeinen Verlegenheitsquatsch, dann hätte ich die Situation
    verfehlt.
    Die Prüfung nicht bestanden. Das ist eben so. Der Prominente kann sich
    benehmen, wie er will, er benimmt sich richtig. Nur du kannst etwas
    falsch
    machen. Selbst wenn du dieses Ritual überhaupt nicht anerkennst, du
    verhältst dich doch genau so, wie es von einem wie dir erwartet wird.
    Aber jetzt sei zufrieden, daß du einer Schweigestunde
    verlegenheitsfrei
    standgehalten hast. Mensch. Freibleibend. Was soll das jetzt? Weiß
    nicht.
    Einfach das Wort, das mich jetzt anzieht.
    Freibleibend ...
    Es war der Beamte, der sagte, es sei Zeit. Ich fand es erstaunlich,
    daß er das Schweigen nicht kommentierte. Er hätte doch sagen können,
    er
    wisse es zu schätzen, daß die beiden Herrn ihn so gar nicht bei seinem
    Aktenstudium gestört hätten. Aber daß er das Schweigen gar nicht
    erwähnte,
    war noch besser. Niveau, dachte ich, der Herr Oberregierungsrat hat
    Niveau.
    Beide gingen mit mir bis zum Pförtner. Da ich nicht jetzt noch etwas
    durch
    banalen Sarkasmus oder
    9
    10
    halbgare Ironie verderben wollte, verabschiedete ich mich sozusagen so
    stumm, wie ich bis dahin gewesen war. Aber ich vermied es, das
    Nichtssagen
    pathetisch werden zu lassen. Hans Lach zog ganz zuletzt noch ein paar
    Seiten, von Hand beschriebene, aus seiner Jackentasche und übergab sie
    mir. Sein Blick dazu war nichts als sachlich. Draußen in der
    beglückend
    kalten Winterwelt merkte ich erst, wie warm es da drinnen gewesen war.
    Wie oft bei Behörden, überheizt. Auf der Heimfahrt wurde mir
    (wieder einmal) bewußt, wie wenig man von sich braucht, um ein Auto
    durch
    eine Stadt zu lenken, die man kennt. Ich dachte nur an ihn, sah nur
    ihn
    vor mir, wurde nicht fertig mit ihm, weil, was mir dort alsRuhe
    vorgekommen
    war, jetztgar nicht mehr so vorkam. Tendenzlos, ja. Aber ruhig? Sein
    Bild in
    meiner Vorstellung, sein immer ungeschützt wirkender Blick, die
    rötlichen
    Haare, kurze, sich gleich wieder dem Kopf zubiegende Haare, rötlich
    grau.
    Würde er sie wachsen lassen, gar nichtvorstellbar, daß das je lange
    Haare
    wären. Eine zu hohe, zu runde Stirn. Flache Augenhöhlen. Ach, Hans
    Lach.
    Ich schaute und schaute ihn an. Und wußte doch, daß er mir nicht ruhig
    gegenübergesessen hatte, sondern ... Rauchend. Nicht einmal die von
    ihm gerauchten Zigaretten hatte ich gezählt. Und hätte wirklich Zeit
    gehabt.
    Na ja. Hans Lach. Ich mußte durchprobieren, wie dieser Name in den mir
    geläufigen europäischen Sprachen klingen würde. Suchte ich eine
    Fluchtmöglichkeit? Ich hoffte, nicht.
    10
    11
    3
    Am meisten ist Gern noch das, was es einmal gewesen sein muß, wenn der
    Schnee alles zudeckt, alles neuerdings Dazugebaute. Und das gelingt
    dem
    Schnee fast jeden Winter ein-, zweimal. Wenn dann die Straßen nicht
    geräumt werden, die schwarzen Menschen, Gleichgewicht suchend, durch
    die Luft rudern, dann kann ich arbeiten. Hätte ich arbeiten können,
    wenn ich nicht in dieses Geschehen hineingeraten wäre. Ich kam heim
    und merkte, daß ich immer noch nicht wußte, wie es Hans Lach ging.
    Dieses Schweigen. Ach was, Schweigen. Da lernt man Wörter kennen!
    Wenn sie nicht taugen! Dieses Voreinandersitzen und Nichtssagen. Das
    kann man doch nicht Schweigen nennen. Er tat mir leid. Das war es.
    Jetzt erst gestand ich es mir ein: er tat mir leid, weil ich glaubte,
    daß er es getan haben könnte. Für mich war es immer die
    fürchterlichste
    Vorstellung überhaupt: jemanden umgebracht zu haben. Manchmal – sehr
    selten zum Glück – träumte ich das: du hast jemanden umgebracht,
    man ist schon auf deiner Spur, du siehst deiner Überführung entgegen,
    du mußt, um das zu verhindern, noch jemanden umbringen. Die Tage nach
    solchen Träumen sind immer die glücklichsten Tage überhaupt. Den
    ganzen Tag könnte ich summen vor Glück: du hast keinen umgebracht,
    Halleluja. Ich war von Amsterdam so jäh weggefahren, ich mußte sofort
    hinaus nach Stadelheim, weil ich glaubte, er könnte es doch getan
    haben.
    Und fürchterlicher konnte nichts sein. Also hin zu ihm. Dann sitzen
    und
    nichts sagen. Einfach weil man, wenn jemand jemanden umgebracht hat,
    nichts mehr sagen kann. Jetzt merkte ich, daß mir der Tote kein
    bißchen
    leid tat, nur der Täter. Der Tote leidet doch nicht mehr. Aber der
    Täter ... der kann keine Sekunde lang an etwas anderes denken als an
    die Sekunde der Tat. Ich müßte mich, wenn mir das passierte, sofort
    selber umbringen. Nicht, um mich zu strafen, nicht, um zu sühnen.
    Nur weil es nicht auszuhalten wäre, dieses ewige, unablässige
    Drandenkenmüssen. Und der saß mir gegenüber, sah mich an, ruhig.
    Das habe ich mir eingeredet. Ruhig. Er war erledigt, zerquetscht, er
    hatte sicher immer noch keinen ruhigen Schlaf gefunden. Die Augen.
    Jetzt erst verstand ich diesen Blick. Dieses vollkommen Tendenzlose.
    Keine Gesellschaft, bitte. Keine Teilnahme. Achten Sie, bitte, mein
    Nichtinfragekommen für alles. Ich komme in Frage nur noch für nichts.
    Und diesen Ausdruck hatte ich für ruhig gehalten. Halten wollen.
    Etwas Unwiderrufliches getan haben.
    Ich konnte nicht sitzen bleiben, mich nicht vom Winterbild draußen
    einwiegen lassen, ich rannte im Zimmer hin und her, bis mir Lachs
    Handgeschriebenes einfiel. Und las. Es waren Seiten eines
    11
    12
    DIN A5-Blocks. Mit Linien, an die sich der Schreiber, weil sie ihm zu
    weit auseinander standen, nicht gehalten hat. Die Handschrift war
    schwer lesbar. Lieber Michel Landolf, las ich, hier ein paar Notate
    aus der
    Ettstraße. Zwei Tage und zwei Nächte. Bitte, aufbewahren für was auch
    immer. Herzlich Ihr Ex-Nachbar Lach. Ich las:


    Versuch über Größe. Zuerst das Geständnis, daß Denken mir nichts
    bringt. Ich bin auf Erfahrung angewiesen. Leider. Erfahren geht ja
    viel langsamer als denken. Denken kann man schnell. Denken geht
    leicht.
    Denken ist keine Kunst. Denken ist großartig. Durch Denken wird man
    Herr
    über Bedingungen, unter denen man sonst litte. All das ist Erfahren
    nicht. Nach meiner Erfahrung, der ich neuestens bis zur
    Unerträglichkeit
    ausgesetzt bin. In einem Satz gesagt: Immer öfter merke ich, daß
    Menschen,
    mit denen ich spreche, während wir mit einander sprechen, größer
    werden.
    Ich könnte auch sagen: Ich werde, während wir sprechen, kleiner. Das
    ist eine peinliche Erfahrung. Und am peinlichsten, wenn das öffentlich
    vor sich geht. In einem Restaurant. Oder – am allerschlimmsten – im
    Fernsehstudio. Katastrophal ... Aber – und das ist die neueste
    Erfahrung
    überhaupt – auch wenn andere Leute in einer gewissen Art über mich
    sprechen, werde ich kleiner. Und das, ohne daß ich mit diesen Leuten
    zusammen bin oder auch nur weiß, daß die gerade über mich sprechen.
    Ich sitze zu Hause anmeinem Arbeitstisch, und wenn ich aufstehen will,
    reichen meine Füße nicht mehr auf den Teppich hinab, auf dem mein
    Schreibtischstuhl steht. Das ist nicht so schlimm, weil ich auf meinem
    Keshan, wenn ich vom Stuhl hinunterspringe, weich lande. Und – das
    ist bei dieser Erfahrung das Wichtigste und eigentlich auch das
    Schönste – nachts regeneriere ich mich. Jeden Morgen, wenn ich
    aufwache, habe ich wieder meine alte Größe. Bis jetzt.
    Einszweiundachtzig. Seit ich diese Erfahrung des Schrumpfens und
    Wiederwachsens mache, messe ich mich jeden Tag. Tatsächlich genügt
    es, um wieder die Normalgröße zu gewinnen, nicht, wach im Bett zu
    liegen. Ich muß schon schlafen.
    Und nicht jeder Schlaf bringt gleich viel Regeneration. Inzwischen
    messe ich mich abends und morgens. Wenn mir abends öfter mal zehn
    Zentimeter fehlen, fehlen mir nach nicht ganz störungsfreiem Schlaf
    doch noch zwei oder drei Zentimeter. Ich habe von Schuhen gehört,
    die so geschaffen sind, daß man in ihnen zwei bis drei Zentimeter
    größer ist, und man erkennt von außen nicht, daß es sich um eine
    Schuhkonstruktion handelt. Nach so etwas werde ich jetzt auf jeden
    Fall suchen. Nach traumlosem Schlaf, in den die Welt also nicht
    hineinwirkt, habe ich immer meine einszweiundachtzig. Ich glaube
    noch nicht, daß das Ganze ein Problem für den Psychiater oder
    Psychotherapeuten ist. Ich werde dieser Erfahrung mit Aufzeichnungen
    folgen, sie dadurch anschaubar und vielleicht sogar überwindbar
    machen.
    Allerdings: Erfahrungen sind
    12
    13
    nicht so leicht beherrschbar wie das Denken. Durch Denken herrscht man
    ja selber. Erfahrungen ist man eher ausgeliefert. Aber sie
    aufzeichnen,
    hilft. Das ist auch eine Erfahrung.


    So weit war ich gerade, als das Telephon läutete.
    Kriminalhauptkommissar Wedekind vom K 111. Der Leiter einer
    Mordkommission für vorsätzliche Tötungsdelikte, jetzt beauftragt mit
    den Ermittlungen im Fall Ehrl-König/ Lach. Von meinem Schweigebesuch
    hater gehört, er bittet mich, trotzdem nicht aufzugeben. Ich sei
    immerhin der einzige von allen, die um Besuchserlaubnis gebeten
    hätten,
    den Herr Lach empfangen habe. Mich und seine Frau Erna, alle anderen
    habe er abgelehnt. Er müsse seinen Schweigestreik beenden. Das sei
    überhaupt keine Taktik, die Erfolg haben könne. Wahrscheinlich
    spekuliere
    Lach darauf, daß wir ohne Leiche keine Anklage zustande bringen.
    Da täuscht er sich. Wir haben den blutgetränkten Pullover des Opfers.
    Die Schneemassen in der Mordnacht begünstigen momentan den Täter, und
    in einem Poeten kann das die Illusion fördern, der Schnee werde, was
    er in dieser Nacht begrub, im Frühjahr mit sich nehmen. Vielleicht ist
    die Leiche über die Thomas-Mann-Allee hinüber und dann die steile
    Böschung hinunter und noch übers Ufergelände bis zur Isar geschleppt
    und
    dann der Isar anvertraut worden. Der Täter hat wirklich Glück gehabt.
    Fast fünfzig Zentimeter Neuschnee in dieser Nacht. Vielleicht hat er
    den
    Wetterbericht gekannt. Aber wer weiß, was die Schneeschmelze dann
    entblößen wird. Das alles hat sich Herr Lach von mir schon sagen
    lassen,
    und hat dazu geschwiegen. Aber Ihnen hat er Schriftliches mitgegeben.
    Verzeihen Sie einem Polizisten, wenn er neugierig fragt: Haben Sie's
    schon gelesen? Ich war gerade durch, als Ihr Anruf kam. Und? fragte
    KHK Wedekind. Aufzeichnungen aus der Ettstraße. Da haben wir ihn für
    achtundvierzig Stunden untergebracht, sagte Herr Wedekind. Er sprach
    mit
    mir, als wisse er sicher, daß ich, wie die Polizei, an der raschen
    Aufklärung dieses Falls interessiert sei und, so gut ich könne,
    mitarbeiten werde. Daß Hans Lach der Täter sei, der nur noch überführt
    werden müsse, schien festzustehen. Herr Wedekind war gerade dabei,
    Hans
    Lachs Bücher zu lesen, da werde er Herrn Lach genauer kennenlernen,
    als dem lieb sein könne. Ich möge bitte nicht meinen, er habe etwas
    gegen
    Herrn Lach oder Herr Lach sei ihm auch nur im mindesten unsympathisch.
    Es gebe natürlich für den Leiter einer Mordkommission für vorsätzliche
    Tötungsdelikte auch Fälle, die den Beamten zum engagierten Verfolger
    des Täters machten, Delikte, in denen das Opfer grausam oder
    bestialisch
    und aus niedrigsten Motiven hingemordet worden sei, dergleichen liege
    hier ja überhaupt nicht vor. Und trotzdem liege Mord vor. Aber eben
    ein
    Mord der feineren, wenn nicht der feinsten Art überhaupt. Der Täter
    ein
    13
    14
    Künstler. Und soviel verstehe er, der KHK, auch von Kunst,
    insbesondere auch von Literatur – er sei ein Leser, wenn auch,
    bisher wenigstens, kein Lachleser, aber das ändere sich ja gerade –,
    daß er einen Schriftsteller durchaus auch als ein Opfer zu sehen im
    Stande sei. Wenn auch nicht im strafrechtlichen Sinn. Im Augenblick
    lese er, ja, durchforsche er geradezu Lachs vorletztes Buch Der
    Wunsch,
    Verbrecher zu sein. Der autobiographische Anteil sei unübersehbar.
    Er habe aber zuerst Lachs letztes Buch lesen müssen, Mädchen ohne
    Zehennägel. Seine bisherigen Ermittlungen – bitte, ohne auch nur die
    geringste Mitwirkung Lachs – könnten ihn vermuten lassen, dieses Buch,
    das heißt, die Art wie André Ehrl-König in der SPRECHSTUNDE damit
    umgegangen ist, habe alles, was sich in Lach gegen Ehrl-König
    angesammelt haben kann, in den Zustand einer jähen Entzündung versett,
    dann habe er eben seine Fassung verloren und so weiter. Die Party in
    der Verlegervilla in Bogenhausen, die nach der Sendung immer
    stattfinde,
    wenn man die rekonstruieren könnte, wäre der Fall gelöst, man könnte
    ihn Herrn Lach sozusagen als Manuskript vorlegen, er müßte nur noch
    unterschreiben. Er, KHK Wedekind, wolle mit diesen Andeutungen nur
    eins erreichen: Herrn Landolf bitten, dranzubleiben, sich durch keine
    Reaktion Lachs abschrecken zu lassen. Jeder Mordfall sei eine
    Tragödie. Und zwar im vollen historischen Sinn dieses Wortes.
    Aber es sei uns einfach nicht gestattet, eine solche Tragödie
    geschehen zu lassen, ohne zu versuchen, ihr gerecht zu werden, was
    soviel heiße wie, seine Stimme wurde jetzt ganz leise: Wir müssen
    sie aufnehmen, in unsere Sprache, in unsere ganze darauf vorbereitete
    Tradition, wir müssen sie uns zu eigen machen, durch Teilnahme, werter
    Herr, und den, dem sie passiert ist, aus seiner entsetzlichen
    Isolierung erlösen. Glauben Sie mir, so etwas kann einer allein nicht
    tragen. Dafür gibt es uns. Die sogenannte Menschheit.
    Entschuldigen Sie, bitte. Ich sagte: Ich bitte Sie. Dann schaltete er
    wieder um. Ihm sei berichtet worden, daß sich Herr Lach in der
    Gemeinschaftszelle in der Ettstraße ausschließlich mit einem
    Benedikt Breithaupt beschäftigt habe, der zur Zeit fast täglich von
    Stadelheim dorthin zu Vernehmungen überstellt werde. Seine,
    Wedekinds, Frage nun: Geben die handgeschriebenen Seiten über dieses
    intensive Miteinander reden irgendeine Auskunft. Mit uns, Sie, Herr
    Landolf, eingeschlossen, kein Wort, mit einem iksbeliebigen
    Untersuchungshäftling stundenlanges Getuschel.
    Ich wußte nicht, warum, ich wußte nur, daß ich das mir Anvertraute
    jetzt nicht weitergeben sollte. Genau so sagte ich es. Der KHK zeigte
    oder heuchelte Verständnis. Aber da wir doch sicher noch mit einander
    zu tun hätten, lade er mich ein, einmal zu ihm in die Dienststelle zu
    kommen. In die Bayerstraße, wo die Mordkommission logiere. Er hoffe
    nicht, daß das Wort Mordkommission mich abschrecke. Also.
    Ja, sagte ich, warum nicht.
    14
    15
    Na ja, warum dann aber nicht gleich, sagte er. Nach seiner Erfahrung
    altere alles, was mit einem Fall auch nur entfernt zu tun habe,
    ungeheuer rasch. Dabei bleiben, dran bleiben, das sei nicht nur sein
    Rezept, sondern sein Bedürfnis. Er würde, solange so ein Fall
    noch ein blühendes Rätsel sei, die Dienststelle am liebsten überhaupt
    nicht mehr verlassen. Also: Wann seh ich Sie. Am Nachmittag, sagt ich.
    Er wiederholte fast singend: Am Nachmittag! So kann sich nur ein
    Freischaffender ausdrücken. Aber er finde das ansteckend.
    Dienststellendienstzeit sei von siebenuhrfünfzehn bis
    fünfzehnfünfundvierzig. Käme ich um halb vier, dann hätten er und
    ich Ruhe und könnten gründlich reden. Als ich aufgelegt hatte,
    ging ich an mein rundbogiges von Sprossen schön eingeteiltes
    Großfenster und sah hinaus auf die die Straße säumenden Schneebäume,
    auf die hohen Schneeborten, die alle Zäune und Autos zierten.
    Verschneit kann es das Viertel, was Stille angeht, mit jedem
    Winterwald aufnehmen. Hans Lach hat wirklich Glück gehabt. Und hat
    immer noch Glück. Oft genug folgt auf einen solchen ausgiebigen
    Schneefall in München ein Wärmeeinbruch, der Föhn schmilzt in ein
    paar Stunden alle Schneelasten weg, die ganze Stadt rauscht nur
    so vor nicht schnell genug abfließen könnendem Schneewasser. Jetzt
    aber, nach wie vor kalt, die Schneedecke hält sich. Ich unterstellte
    Hans Lach also auch schon, daß er es getan habe. Ich holte aus dem
    Regal: Der Wunsch, Verbrecher zu sein. Ich hatte in dieses Buch, als
    es vor zwei Jahren erschienen war, zwar manchmal hineingeschaut,
    aber nie lange darin gelesen. Der Untertitel: Flüchtige Notizen hatte
    mich abgeschreckt. Dann auch die ... ja, die Tonart dieser Notizen.
    Ich hatte gedacht: Er nimmt sich wichtiger als er ist. Als ich das
    Buch jetzt wieder aufschlug, dachte ich, daß das doch menschenüblich
    sei, sich wichtiger zu nehmen als man ist. Gewissermaßen
    lebensnotwendig. Also verständlich, wenn schon nicht verzeihlich.
    Ich fragte mich, ob man auch noch schriftlich bezeugen müsse oder
    dürfe, daß man sich wichtiger nehme als man sei. Jetzt aber hatte
    ich soviel Anlaß, das Buch aufzuschlagen wie der KHK.
    Ich las quer durch:


    Ein Tag, an dem die Maske verrutschte. Jetzt hast du zu tun, sie
    wieder zurechtzurücken. Das gelingt nur mit Verletzung der Maske
    und des Gesichts. Paß also auf das nächste Mal, wenn du wieder an
    deiner Maske zerrst. Hände weg von der Maske.
    15
    16
    Es gibt nicht wenige, die achte ich mehr als sie mich. Ich verharre
    gern bei dieser Differenz. Estut mir geradezu gut, sie mehr zu achten,
    als sie mich achten. Wahrscheinlich glaube ich, daß ich schon deswegen
    ihre Achtung, die sie mir vorenthalten, verdient hätte.


    Er kann sich nicht wegwenden von sich, solange er so schwach ist. Der
    Verlierer ist unersättlichmit sich selbst beschäftigt. Der Sieger
    wendet sich neuen Aufgaben zu.


    Wenn du ein bißchen herausgehst aus dir, bist du sofort unmöglich.
    Mein Feind läßt am Horizont die Waffen blitzen. Es gibt nichts, das
    ihm nicht diente. Schriftsteller sind ununterbrochen
    (und ununterbrechbar) mit dem Notieren ihres Alibis beschäftigt.


    Gestern nacht vom Mord geträumt, wieder vom längst geschehenen. Nichts
    vom Opfer. Nur die Angst, entdeckt zu werden. Diesmal das Opfer im
    eigenen Haus vergraben. Einzige Chance, nicht entdeckt zu werden:
    ausgraben und irgendwo weit weg loswerden. Das ist doch vorstellbar.
    Das muß gehen. Aber eben dabei kann man, muß man entdeckt werden.
    Die Angst quält so, daß man sich wünscht, das Entdecktwerden endlich
    hinter sich zu haben. Aufwachen.
    Wie immer, froh, weil es doch nur ein Traum war.


    Du bist froh, daß Deutschland aus der Fußball-WM ausscheidet im
    Viertelfinale gegen Bulgarien, weil du einen Gegner hast, der
    fanatisch auf den deutschen Sieg hofft. Den trifft die deutsche
    Niederlage mehr als dich, deshalb bist du glücklich über die
    deutsche Niederlage.


    Er hat sich lange genug beherrscht. Immer hat er statt andere sich
    selber verletzt. Er muß in Träumen jetzt öfter Leichen verstecken,
    und wo immer er eine Leiche hinbringt (unter das Hotelbett zum
    Beispiel), liegt immer schon eine andere Leiche, die nicht von
    ihm stammt.


    Als er sich hineinfühlte in seine Verbrecherhaftigkeit, fühlte er sich
    wohl. Solange er es nicht gewagt hatte, Verbrecher zu sein, hatte er
    sich Vorwürfe gemacht, hatte sich überspannt gefühlt, gespalten. Seit
    er sich annahm als Verbrecher, war er einig mit sich selber.
    Vielleicht
    könnte er jetzt sogar wieder etwas genießen. Vorher war ihm immer
    alles
    durch Vorwürfe, die er glaubte,
    16
    17
    sich machen zu müssen, verdorben worden. Als anständiger Mensch durfte
    er ja an allem, was er tat, keinen Gefallen finden.


    Alles, was er tat, war vorwerfbar, schlecht. Als Verbrecher mußte er
    sich keine Vorwürfe machen.


    Ich wurde gestört.
    Das Kommissariat 111, eine Frauenstimme, Herr Kriminalkommissar
    Meisele wolle mich sprechen, sie verbinde. Dann Herr Meisele im
    heitersten Ton. Tut ihm leid, wenn er mir eine
    Nachricht verklickern muß, die mich sicher nicht nur erfreue. Sein
    großer Kollege Wedekind könne mich heute nicht mehr empfangen, müsse
    das Gespräch, an dem ihm gelegen, sehr viel gelegen sei, verschieben.
    In der Hoffnung auf mein Verständnis bitte sein großer Kollege
    Wedekind um eben dieses Verständnis und melde sich wieder. Ob die
    Botschaft angekommen sei. Das bestätigte ich. Dann sei es ja gut.
    Das sei mehr als er, der KK Meisele, seinerseits habe erhoffen können.
    Dann fast schroff: Guten Tag. Und aufgelegt. Na ja, ob mir der KHK
    wirklich das hätte erzählen können, worauf es mir angekommen wäre?
    Ich würde mich selber auf den Weg machen müssen. Im Wunsch, Verbrecher
    zu sein wollte ich jetzt nicht weiterlesen.
    17
    18
    4
    Eine Woche nach der dann abgesagten Unterredung mit KHK Wedekind hatte
    der wieder angerufen, hatte sich darüber gewundert, daß ich die
    Verabredung ohne weitere Mitteilung einfach habe ausfallen lassen.
    Ich klärte ihn auf. Ach, sagte er, der arme, der elende Meisele.
    Und erklärte mir, daß auch bei ihnen der Zwang erfolgreich zu sein,
    immer spürbarer werde. Meisele rudere seit Wochen in einem Fall herum,
    es habe ja zuerst auch in den Zeitungen gestanden, ein
    Maschinenschlosser,
    zerfressen vom Ehrgeiz, Ingenieur zu sein, hat einen Nobody
    erschossen,
    wahrscheinlich aus ethno-ästhetischen Gründen, der Täter habe mit Hans
    Lach in der Gemeinschaftszelle in der Ettstraße genuschelt, und
    seitdem
    widerrufe er alle paar Tage das, was er gerade noch gestanden hatte,
    so
    komme der arme Meisele überhaupt nicht weiter, und habe jetzt,
    wahrscheinlich aus unzurechnungsfähig machender Verdrossenheit,
    versucht, ihm, dem KHK, das Spiel auch zu verderben. Das werde für den
    Armen leider desaströse Folgen haben, eine Versetzung mindestens nach
    Freising oder Straubing. Anfangs sei Meiseles Täter eher
    geständnissüchtig gewesen. Er, Wedekind, vermute, daß Lach diesen
    Breithaupt indoktriniert habe und ihn bei den Hofgängen in Stadelheim
    weiter indoktriniere:
    gestehen, widerrufen, gestehen ... bis zur völligen Aufhebung jedweden
    Sachverhalts. Ihm, Wedekind, komme das vor, als liefere Hans Lach da
    eine Variante zu seinem Schweigen. Der Ermittler, hier der arme
    Meisele, werde zur Schreibkraft. Er, KHK Wedekind, vermute, daß
    Meisele naiv genug sei, ihm, Wedekind, einen Fall zu neiden, bei dem
    der wahrscheinliche Täter und das Opfer gleichermaßen prominent sind.
    So zu denken sei typisch für einen fast prinzipiell Subalternen
    wie Meisele. Er, Wedekind, verspüre die Prominenz abwechselnd als Gas
    und als Bremse. Ich war im Augenblick nicht wichtig für ihn, weil
    er erfahren hatte, daß Hans Lach auch mich nicht mehr zu sich ließ.
    Außer seiner Frau Erna wolle er niemanden sehen. Aber auch ihr,
    so der KHK, sitze er wortlos gegenüber. Seiner Frau aber habe er
    das, wissend, daß der Oberregierungsrat zuhöre, erklärt: Er gehöre
    zu einer Vogelart, die in Gefangenschaft nicht singe. Wedekind sagte,
    Hans Lach sei für ihn, den Ermittler, die Provokation schlechthin.
    Ihm sei aus der Kriminalgeschichte kein Verdächtiger bekannt, der kein
    bißchen an seiner Verteidigung interessiert zu sein scheint. Aber er
    gebe nicht auf. Von ihm werde jetzt verlangt, Hans Lach aus seiner
    Erstarrung zu lösen, ihm beizubringen, daß nur ein Geständnis ein
    Weiterleben ermögliche. Die Schuld bei sich behalten wollen, das sei
    eine Anmaßung, eine tödliche Anmaßung.
    18
    -------------------------------------------------------------------------------
    Martin Walser - Tod eines Kritikers (1)
    WHY NOT! Pages 1 to 18

    Rest wird noch gepostet.

    Wer das PDF File haben will, was leider im Netz zensiert und abgemahnt
    wird (heise, telepolis nachlesen), schickt ne Mail an EINE der
    Adressen. PDF kommt dann irgendwann per Mail (363 KB):


    auto353379@hushmail.com
    auto352558@ziplip.com
    walsertek@ziplip.com
    walsertek@hushmail.com



    Converting file walser-tek.pdf

    *Pages 1--148*
    1
    Martin Walser
    Tod eines Kritikers
    Roman


    Erste Auflage 2002
    Ó Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2002
    Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des
    öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und
    Fernsehen, auch einzelner Teile. Kein Teil des Werkes darf in
    irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere
    Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert
    oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet,
    vervielfältigt oder verbreitet werden.
    Satz:
    Druck:
    Printed in Germany


    1 2 3 4 5 6 – 07 06 05 04 03 02
    1
    2
    FÜR DIE, DIE MEINE KOLLEGEN SIND
    Q U O D E S T
    S U P E R I U S
    E S T S I C U T
    I N F E R I U S
    2
    3
    I. VERSTRICKUNG
    Da man von mir, was zu schreiben ich mich jetzt veranlaßt fühle, nicht
    erwartet, muß ich wohl mitteilen, warum ich mich einmische in ein
    Geschehen, das auch ohne meine Einmischung schon öffentlich genug
    geworden zu sein scheint. Mystik, Kabbala, Alchemie, Rosenkreuzertum
    –,
    das ist, wie Interessierte wissen, mein Themengelände. Tatsächlich
    unterbreche ich, um mich in ein täglich mit neuen Wendungen
    aufwartendes Geschehen einzumischen, die Arbeit an meinem
    Buch Von Seuse zu Nietzsche. Es sind eher die Vorbereitungen zu diesem
    Buch, die ich unterbreche, als die Arbeit an ihm. Inhalt: In die
    deutsche Sprache kommt der persönliche Ton nicht erst durch Goethe,
    von dem Nietzsche gierig profitierte, sondern schon durch Seuse,
    Eckhart und Böhme. Weil das bürgerlich Geschriebene unsere
    Erlebnis-und Fassungskraft besetzt hat, haben wir, das Publikum,
    nicht wahrnehmen können, daß die Mystiker ihre Ichwichtigkeit
    schon so deftig erlebt haben wie Goethe und wie nach ihm Nietzsche.
    Nur waren sie glücklich und unglücklich nicht mit Mädchen, Männern
    und Frauen, sondern mit Gott ...
    Ich muß das erwähnen, weil durch mein sonstiges Schreiben gefärbt sein
    kann, was ich mitteile über meinen Freund Hans Lach. Beide, Hans
    Lach und ich, sind Schreibende.
    Ich war in Amsterdam, als es passierte. Bei Joost Ritman war ich,
    eingeladen, seine Sammlung anzuschauen. Mir ist kein Privater bekannt,
    der so viele Specimena der Mystik, Kabbala, Alchemie und des
    Rosenkreuzertums gesammelt hat wie Joost Ritman. Ich wohnte im
    Ambassade, wo ich in Amsterdam immer wohne, ich las beim Frühst